Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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37 Meräturblatt" wird ehten Au«zug au» dieser recht gründlichen Widerlegung bringen.) ' Meck5e»»nrg-Sch»erk», 29. December. Ueber die Gemeinden erhältnissc der Anden haben Landtag und Regierung dahin entschieden, daß Zude» au Orten, die keine Zudmgemeinden haben, sich der nächstgelegenen mit deren Lasten anzuschließm haben; ein Eingriff in die Freiheit, welcher stark ist, da er mit der politischen Gemeinde gar nicht« zu thun hat und ebensowenig mit der kommunalen. Die Civilstands» rrgister soll dieser fremde Gemrindevorfiand führen, eine Thatsache, welche sehr geeignet ist, Unsicherheit in bürgerlichen Verhältnissen hervorzubringen, nur um die kirchliche Führung der CioilstandSregister zu behaupten. E» liegt diese letztere gar sehr im Argen. ES ist dabei eine neue, bisher geheim gehalten« Verordnung über „Sectirer" bekannt geworden. Die Regierung hat einzelnen OrtSobrigkeitm ohne Weiteres das Eommiffon'um ertheilt, deren Eivilstandsrrgister zu führn, und die Städte Waren und Boitzrnhurg sind als solche genannt, dir e4 angenommen haben. (Wef.-Ztg.) dl. Kamlurg, iS. Januar. (Or.-Corr.) Gestatten Cie mir, daß ich Ahnen über einen Rechtsstreit berichte, der die betreffenden jüdischen Kreise seit vielen Monaten hier beschäftigt; es handelt sich nämlich um einen Proceß zwischen der ffraelitischrn StiftungSschule von 1815 und den, israel. Gemeindevorstand«. Folgendes ist vorauSznschicken. Unsere Gemeinde besitzt zw6 Freischulen für Knaben: die „Talmud-Tora-Schule" und die „Isr. StiftungSschule von 1815". Während erster« daS Streben hat, de» umfassenden Unterricht, den die strengere Anffaffung d-r jüdischen Lehien und Vorschriften erheischt, mit den Erforderniffen der Zeit und den Bedürsniffen d«S bürgerliche» Leben« zu vereinigen, hat letztere da« sprciell jüdische nur nebensächlich behandelt, wiewohl eS sich nicht leugnen läßt, daß ihre sonstigen Leistungen zu den vortrefflichsten zu zählen sind. Von Begründung der Schule bis zum Zahre 1848 war der Prediger am neuen isr. frnipel, Dr. Kley, Oberlehrer, und man suchte damals möglichst den Antrreffen und Wünschen der Gemeinde Rechnung zu tragen, mit dem Zahre 1848 indeß, wo man den vr. Anton Räe zum Direktor erwählte, war dessen CtrÄeu systematisch darauf gerichtet, die Schule zur Pflanzstätte seiner materialistische» Anschauungrn zu inachrn; und zu solchem Zwecke hielt er und mit ihm die übrige Bnivaltung e« für erforderlich, das Band, welche« die Schule mit der Gemeind« verknüpft, mehr und mehr zu lockern, so daß jene schon jetzt ihrem Ursprünge sich entfremdet hat. — Sie wurde im Zahre 1815 durch da« Legat eine« in London lebenden Hamburger«, Namen« Baruch Abraham Goldschmidt, mit einem Stiftungsfond« von 2000 Pf. St. begründet. Außer vielfachen Unterstützungen von Privatleuten hat sie seit dem Zahre 1820 eine jährlich« Subvention von der deutsch israel. Gemeinde erhalten, da sie dieser eine» erhebllche« Theil der ihr obliegenden Sorge für den Schulunterricht armer jüdischer Kinder abnahm. Der Ge- «eindevorstand hat ihr zuerst im Zahre 1820 1200 Mk. Ert. bewilligt; die Subvention wurde von 1844 an auf 2000 TOt Art. erhöhet; jedoch ist der Schulverwaltung zugleich zur Vorschrift gemacht worden: „1) Die der Schule gehörig» Zmmobilte» und Hypofidtn werde« dergestalt verclatchcktrt, daß bet jeder ferner» Ln««»utatian der Lausen« der Vorsteher erfoedert wird. 2) Die Schul« verpflichtet sich, dem positiv-religiöseu und hebräischen Unterricht mehr Ausdehnung zu geben, als bisher.« Der Schulvorstand hat sich mit diesen Bedingungen durch, aus einverstanden erklärt. — Nachträglich habe ich zu bemerke», daß die Schule von Anfang an in der engsten Verbindung mit der Gemeinde stand; 1820 wutchen von Seiten der Gemeindevorsteher Commiffarien zur Schule ernannt, da' mit diese in ein geregeltes Berhältniß zur Gemeinde gebracht werde. Zm Zahre 1854 ist denn noch eine Erhöhung der Subvention auf 3000 Mk. Ert. pro novo emgetreten, um dadurch eine Erhöhung des Gehalt« für den Direeror vr. Rö« der einen Ruf r ach auswärts erhalten und abgeschlagen hatte, zu ermöglichen. In Folge des oben erwähnten, im Zahre 1843 mit der Gemeinde geschloffenen UebereinkommenS wurde» sowohl den, de: Schule gehörige» und zu Schulzwkcken be nutzten, auf dr n Zcughausmarlt belegenen Erbe, wie auch dr» zur Zeit der Schule gehörigen und später lange Zahre hindurch von ihr erworbene» Hypothrkposten bündige Elauselu angelegt. Als im Zohre 1850 die Statuten der Schule ilvidirt wurden, wurre darin folgender Passus aufgenom nun: Zu ihrer (d. h. stmmtlicher Capitalien der Schule) Umschreibung ist die Genehirigung der beiden, zur Schule coinun'ltirtrn Vorsteher der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde erforderlich und ist den betreffenden Dokumenten eine dahin lautende Clausel hinzu jufügen. Nach Maßgabe der geschilderten Vorgänge blieb nun da« Berhältniß der Schule zur Gemeinde bis gegen Ende der 60er Zahre. Die Gemeinde zahlte der Schule alljährlich die Subvention und die Schule genügte, der Form „och, in Ertbeilung des hebräischen und religiöse» Unterrichts. (Schlich folgt.) Oesterreich. Wien. Lu, 12. d. MtS. fand iw Betsaale dcS isr. Blindeninstitut« der erste TrauergotteSdienst für den verewigten Stifter IonaS Freiherr» v. Königswarter statt. — Nach der jüngst von Z. ZecteleS unter Benützung der Nesulta e der Volkszählung v. Z. 1869 lebten aio 31. Drcember 1869 in Wien 40,230 Zsraeliten; darunter 20,479 auS den im ReichSrathe vertretenen Ländern, von denen jedoch nur 4813 in Wien heimatsberechtigt waren; ferner 17,541 auS den Ungarischen Landen, von denen aber nur 2773 io Wim politisch zuständig waren, endlich 2210 auS dm meiste» Staaten Europa'S, im Orient und in Amerika gebürtige Ausländer, von denen nur 2M die Naturalisation iu Oesterreich- Ungarn und daS HeimaiSrecht in Wien erworben hattm. V. Jim* Jlugar«, 18. Zanuar. (Or.-Corr.) Nach den heftig'» Kämpfen der letzten Zahre ist jetzt eine wahre Stagnation eingetreten. Freilich giebt eS Uebelstäude genug, di« einer Abhülfe bedürfen, aber man fürchtet dm in der Asche glimmenden Funken de« altm Hader« wieder anzufachm. Darum tmkt jeder» daß hier Schweigm Gold sei. Die Regierung I»trachtet ebmfall« die jüdisch« Frage al« eia noli wo tangere — und so kann man sagm, daß hier zu Laude iu juäairi» alle« hübsch ruhig und still ist. Ein Gegenstand, bei dem bekanntlich die Gemüthlichkeit aushört, »ämUch die Augeleginheit de« jüd. Schulfond«, scheint auch ganz «ingeschlafen zu sein i Dt« Landeikanzlet und die 26 Gemeiudediftrirtr gebm auch kein Lebenszeichen von sich, freilich fvügt \