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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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39 »«ist noch darauf hi«, daß da« groß« Zntereffe, welche, diese Anschrift habe, gar nicht berührt worden sei. Es besteh« darin, daß gleichzeitig mit der Sündfluch ein SUaig erwähnt »ade, von de« man Anschriften und Denkmäler besitze, nämlich Ocham, und daraus hervorgehe, daß die babylonischen Denkmäler. namentlich die von Ur in Shaldäa, dem Stammsitz Abrahams, ein Alter haben, welches ihnen gegenüber die Pyramide« als Jünglinge erscheinen läßt. Feuilleton. Uxfichtdare ftfftlu. « Original-Novell« au* dem jüdisch - amerikanischev kede» von I. ft. Ltchtrndrri in NnvPoek. 9ü*tkt Oa$UO. Nachdem sie in ta WirthShaus getreten und Platz ze nommen. begann Moritz: „Nachdem Sie, liebes Bärchen, sich auf eine so schlaue Weise der Verhaftung entzogen, wurde ich den ganzen B««g entlang vou dem Polizisten gestoßen und gepufft, bi« wir im Stationshanse anlangten. Hier nahm man mir alle Papere und sonstigen Sachen ab, und sperrte mich bis zum nächsten Morgen in eine Zelle, die lebendig von allerlei großem und kleinem Ungeziefer war. Am ander» Morgen brachte nan mich in Gesellschaft eines Haufen Gesindel» auf das Gericht, woselbst ich mit Hülfe eines Dolmetschers über meine Herkunft, Srwerbszweig u. s. w. ausgefragt wurde. Bon Ihnen war auch die Rede und da glaubte ich, «ine Lüge sei erlaubt, und'leugnete, Sie je vorher gesehen zu haben. Man mußte während der Nacht in der betreffenden Straße, wo wir verhaftet «erden, strenge Nachforschungen angestellt haben, denn es wurden noch drei oder vier Männer zum Derhir mit mir gebracht, di« aber hartnäckig leugneten, von der Sach« die geringste Kenntniß zu haben. Ich habe seitdem in Erfahrung gebracht, daß sich diese Leute, vermothlich vor der Zeugenhaft fürchteten, die, Dank der Weisheit der Justiz, hier so eingerichtet ist, daß man den Zeugen eine« Verbrechens, wenn er arm ist und folglich nicht Bürgschaft leisten kann, einsperrt, »ft sechs Monate uud länger in Haft behält, ihn nicht besser als «inen Verbrecher behandelt und indessen nach dem Thäter sucht, der noch auf fteiem Fuße ist, oder gar Bürgschaft für sein Erscheinen vor Gericht stellt, und es sich deshalb wohl sein läßt, während des Zeugen Frau und Kinder daheim betteln und hungern kinnen. Darum vermuthlich leugneten auch alle hartnäckig von der Sache Etwas zu wissen, und ich war und blieb der einzige Anhaltspunkt für die, mit Recht als blind dargestellte Justiz. Mittlerweile kam ein abgesandter Polizist vom Hospstal zurück und berichtete die Lage des verwundeten als eine höchst kritische. Der Richter gab einen Befehl, den ich nicht verstand, und ich wurde krod aller Proteste meinerseits, wieder eingesperrt Heute Mittag nun wurde meine Zelle geöffnet, man führte mich in einen Hof, zwang «ich in einen Wagen zu steigen, schloß denselben hinter mir uud nach einer Reise von einer halben Stunde befand ich mich abermals in einem Hofe; es war der des Hospital«. Man führte mich mehrere Treppen hinaus durch Corridore und trat i»«» Zell« mit «ir rin, und hier fa^h ich den verwundeten mit oerbundeneia Kopfe und geschindeltem Arme auf einem Bette liegen. An eine« Tische neben diesem saßen sechs Männer und ein siebenter, den ich für einen Arzt hielt, was er auch war und zwar der Gerichtsarzt oder Coroner, stand am Lager des verwundeter. und hielt dessen gesunde Hand in der seinigen.!)er Verwundete war bei voller Besinnung, konnte aber nicht reden. Der Coroner sprach deutsch und wiederholte seine Fragen dann in englisch. „Wenu Sie oerneiaen wollen, sagte er zum Kranken, heben Sie einen Finger der Hand, wollen Sie aber bejahen erheben Sie zwei, verstehen Eie mich?" Der Krank« erhob zwei Finger und )a» verhör begann, dem ich, da, wie schon bemerkt, der Cordner meinethalben Deutsch sprach» Wort für Wort folgen konrte. Da« Resultit dieser Untersuchung war, daß ich augenblicklich in Freih:it gesetzt wurde. Nur ärgerte es mich, daß man niich vorher gefahren, und mich jetzt, den weiten Weg zurück, laufen ließ. Wer der Mann ist, der so schüudllch zugerichtet, konrte man nicht ausfinden, da er aller Papiere beraubt und sprachlos ist; ein versuch zum Schreiben schlug fchl. „Das ist ter Herr der bei Deermoores war", sagte jetzt Bärchen hastig und zeigte auf ein elegantes Cabriolet, das Schingle kutschicte und in dem Herr Stonehill saß, welche« im Schritt an »em Wlrthshause vorbei fuhr. „Ein widerwärtiges Gesicht", sagte der Doctor und schüttelte sich leicht, „was mag der wobl bei Deermoore ge wollt haben? So wenig ich von diesem Manne gesehen, den möchte ich ni<$; leiden", setzte er hinzu. ,Ach wetz nicht, entgrgnete Bärchen, es ist ein hübscher Mann und steht au« wie alle Leute, auch scheint ec seinem Anzüge nach, reich zu sein." - „Lassen Sir uns noch einen Augenblick zu Herrn Deermoore gehen", sagte Moritz bittend. „Bei Leibe nicht, entgegnet. Jener eifrig, das ivire da« Gewagteste, I,as Sie unternehmen können, Sie würden sich dadurch alle Aussicht auf Bertha rauben, denn es ist gleich Nacht und wenn Borchu gesagt ist, geht der Frosch-Spektakel wieder an. Darum muß ich Sie auch verlassen und meinen Krankenwirtirdienft wieder antreten. Aber zuvor will ich Ihnen ein kleines Pflaster auf Ihre Herzenswunde lege». «Heben Sie inir aber die Hand darauf, mich nicht zu verrathen." — Schweigend reichte ihm der Doctor dii: Hand. „Seher Sie dieses Geld, das sind fünfzig Dollars, sagte Bärchen triumphircnd, ivissen Sie wär eS mir gegeben? Bertha Deecmoorr, gab es mir, um Herrn Doctor Moritz aus dem Gefängnisse zu erlösen." Der Doctor griff uach Bärchen, dieser war aber schon zur Thür hinaus, und hielt diese hinter sich zu. Nachdenklich setzte sich Moritz wieder an den Tisch und stützte den Kopf in die Härde. (F. f) Eiu »»glücklich gewählter BibelvrrS. Der bekanntlich nicht sehr bibelfeste Papst hat in seinen Weihnacht* allocutionen auch die Prrffe reff», die vermeintlichen ver treter derselben, die Juden, bedacht. Dabei nun citirt er Irsaia« 1, 3: „Der Ochse erkennet seine«-. Herrn, der' (*ffl die Kripr> seine« Eigcnthümer«; Israel aber weiß da« nicht." Wenn nun Ge. Heiligkeit von den journalistischen Ochsen redet, die sich stoik glauben, «oeil da« Horn da« Zeichen der Stärke ist. so ist dir».- Deutung offenbar ganz falsch. Israel erkennet ja nicht seine,» Herrn; di.r Ochse ist also — ein ganz anderer. (M. D )

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