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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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36 Ebenfalls am Chanuka wurde das 2üjährige Zubiläum der f. Z. vom Hrn. Landrabbiuer ve. Meyer gegründete» BereinS „Ehewrath Bachurim" gefeiert. Selbstverständlich nicht ,hi,e Festmahl. Bon den Toasten, welche im allgemeinen die übicken und sozusagen selbstverstänRichm waren, erwähne ich der von Hrn. Hirsch auf den kandrabbiner ausgebrachten. Rech dem eben erwähnten Verhältnisse wird der auswärtige Leser freilich gerade diesen Toast auch für ganz selbstverständlich hatm — dem ist jedoch nicht so. Zerwürfnisse oder Mißverständnisse halten es mit sich gebracht, daß Hr. vr. Meyer stck vor etwa 15 Zähren von dem Verein zurückgezogen und ihr, seitdem fern gestanden hatte. Die Einladung desselben zum Feste war eine nur der Höflichkeit angemessene, der Toast jehoch in der Weise, wie er motioirt, und wie er von dem Gr feierten erwidert wurde, besiegelte eine Versöhnung, obgleich die Antwort die Mißverständnisse nicht überging. Auch das wcre nach außen hin nicht sehr erwähnenswerth, daß aber gerade Hr. Hirsch, sonst nicht nur principiell ein Gegner deS Hin. vr. Meyer, sondern ein Mann, der diesen oft genug ossen und öffentlich angegriffen hat (man könnte sich vielleicht fof.ar noch etwas stärker ausdrücken), daß dieser in so anerkennenden Worten das Wirken des Rabbiners pries, daS erinnert an Salomo's Wort: „wenn Gott an den Wegen eincs Mannes Wohlgefallen findet, so versöhnt er auch seine Gegner mit ihm". Daß dies andererseits Hrn. Hirsch ebenso zur El re gereicht, braucht dem Leser nicht gesagt zu werden. Eine dritte, ganz kleine und stille, aber nichtsdestoweniger erliebende Feier fand nach Ausgag des Sabb. Wajiggasch statt. Sie galt „unfern" Mohel, Herrn Hirsch Oppenheimer, der an dem Tage die tausendste „Brith Milah" vollzogen hatte. Es war auswärts, und Herr Oppeuhejmer kan erst um 11 Uhr Abends zurück. Da hatten sich denn de: Rabbiner, Vorstandsmitglieder und sonstige speciill« Freunde in dessen Wohnung versammelt und begrüßten den Heimkehrmder mit ihren Glückwünschen und Ueberreichung einer warmen pfundenen und in einfachen Worten, wie eS dem Sinne des Gefeierten ganz entspricht, tiefgefühlten Dank aussprechenden Arreste. Zu derselben heißt es: „wir glauben in Zhrem Geiste zu handeln, wenn wir beabsichtigen, eine Stiftung in'S Lrben zu rufen, die dahin wirkcn soll, armer» jüd. Wöchnerin»» in hiesiger Stadt und Provinz beizustehen, die kosten für das mKj3*TJD und event. für die Milah, namentlich aber auch für Ausbildung junger Mohelim zu bestreiten. Diese Stiftung soll Zhren Namen tragen zum ewige» Gedächtniß." Hr. Oppenheimer versieht nicht nur die Function cineS Mohel hier und in weiter Umgegend — wie sich wohl schon von sebst versteht, mehr als unentgeltlich, nämlich mit größten U) bei dieser Gelegenheit de» Umstand hervorheben, daß sich die christlich« Sitte der Weihnachtsbefcherruug in Wien allmälig auch ir. jüdischen Familien einzubürgera beginnt. Noch vor wenig Zähren w rd« es als auffallende Erscheinung eitirt, wenn i« d esem »der jene« jüdische» Hanse ein Ehristbamn zu sehen war. Zetzt ist derselbe schon in Hunderte» heimisch. Dir« ist um so «ehr zu verwundern, als die Weihnachtsbescherrung in Wien eine onhältnißmäßig junge Sitte ist. vor einem Bierteljahrhundert tu» dieselbe nur sporadisch, uad zwar in protestantischen Familien . o*. Erst in den letzten paar Jahrzehnten wurde die Sitte K»ch t» kach«lische» Familie» eingeführt, und jetzt ist pe bei de» smstliche» E-usrssionen allgemein." («um. de« Eins.) pecuniärerr and persönlichen Opfer» sondern er ist auch' überaus thätig als Vorsteher der Ehewra «adischa «nd ia jeder Mizwah hi »gebend, wie es dem ächten Israelit« geziemt. Möge ihm noch eine lange Wirksamkeit vergönnt sei»! W. Leipzig, 22 Zanuar. Die vor» Ausschuß de» deutsch-israelitischen Gemeindebundes veröffentUchte Broschüre: „Die Einordnung des israelittschen Religionsunterrichts in die Volksschule" ist von demselben an die betreffenden deutschen * Cultusministerien und Landtags-Schulcommissionen, an d, Vorstände der BundeSgemeindrn, an. die Redaetionen der jüdischen und der bedeutendsten politische» und pädagogischen Blätter, sowie an einige hervorragend« Privatperson«« gesandt worden. Es dürste interessirrn, zu erfahren, daß die genannte Broschüre sich bereit» eine» thcilweisen Erfolge» zu erfreue» hat, insofern nämlich, wie Uns von gutunterrichteter Seite mitgetheilt wird, der Herr CultuSminister vr. Falk sofort Veranlassung nahm, sie dem Referenten für Schulsachen im preußischen Kultusministerium zu eingehender Berichterstattung zu übergeben. ES steht demnach zu erwarten, daß „Thesen und Gutachten" das Zhrige dazu beitragen werden, die in Rede stehende Angelegenheit in denjenigen deutschen Staaten, die damit noch im Rückstände sind, ihrer Erledigung im Sinne vollster religiöser Gleichberechtigung baldigst entgegenzuführen. * Araatfurt «. M., im Zanuar. „DaS Museum", belletristische- Beiblatt zur „Frankfurter Presse", hatte in Nr. 5 einen Arttkel über die Abstammung der Zigeuner gebracht, der in anscheinend tendenziöser und sogar guasi-wissenschaftlicher Form nachzuweisen sucht, daß die Zigeuner — Zuden seien, oder daß ein Theil der letzteren sich in jene urrtamorphostrt habe. Diese Ansicht widerspricht den Annahmen der gründlichsten Sprach- und Geschichtsforscher, welche fast übereinstimmend die Zigeuner au» Zndien stammen lasse». Wäre indessen die Vermuthung deS Museum» in der Thar auf reale, wenn auch irrthümliche, Gründe gestützt, so möchte sie ruhig «»gehört und geprüft werden. Aber der Artikel ist «ia Ausstuß jener, jetzt in fast unübersehbarer Reihe auftretrnden Versuche, in scheinbar wissenschaftlicher und nicht gehässiger Form dm Zudm möglichst viel Bise» nachzusagm und anzuheften. Und so wird in dem fraglichen Aufsatz« der „Beweis" hauptsächlich so geführt, daß die bekannten üblm Eigenschaften der Zigeuner als für die Zuden' charakteristisch hingestellt werden — die weitere Schlußfolgerung ergiebt fich dann freilich von selbst. Vergebens verwahrt die Redaktion deS „Museum" den Verfasser de» Aufsatzes gegen die Tendmz „daS Zudenthum und seine Bekmner verhöhnen zu wollen"; wir räumm ein, daß sich hier juristisch weder di« Znjuri« noch der aniwu» ivjurianäi werde beweisen lassen, aber darum tiuschm wir uns doch ebmso wenig über dm Erfolg — gleich viel ob beabsichtigt oder nicht'-!-'- wie darüber, daß ein großer Theil des Publicum« au» solchetr Aufsätzm nicht« als Feindseligkeit gegm Zuden schöpft. Gemeine und plumpe Ausfälle sind dem gebildeten und artfgeklürtm Publicum gegenüber unschädlich, da es stch mit Un» willm davon abwendet, gerade die in Red« stehende Art ist | bedenklich und ein unangenehme» Zeichm der Zeit. Es ist; daher löblich, daß Hr. l)r. A. Salvmdi, Bezirtsrabbiuer in Dürkheim, eine Erwiderung verfaßt hat, welch« tu Rr. 14 j des geusuate» Blatte« erschleue» ist und die „wtffmschast- . lichen" rrzumente Schritt für Schritt widerlegt. (Daß

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