Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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28 d) wenn an Orten, wo fei« Arzt ansässig ist, der Bürgermeister oder Dorfschulze' im Bereine mir zwei erfahrenen Mämtern auf Grund glaubhafter, namentlich anzuführender Zeugen bescheinigt haben, daß da« Ableben bereit« vor 30 Stunden erfolgt 'sei, und daß fie persönlich augenfällige Leichen der Verwesung an der Seiche wahrgenommen haben. $. 4. Zuwiderhandelnde werden nach' g. 30? Nr. 1 u. 2 brt Strafgesetzbuche» für den Norddeutschen Bund mit Geldbuße bl» zu SO Thaler oder mit Hast bestraft." Wenn auch diese Verordnung den streng orthodoxen Luden*) al» zu hart erscheinen darf, so glauben wir, daß sie «enigstiu» den Weg anbahnen wird, daß die Seiche mit mehr Schonung der Erde anvertraut wird, al» e» bisher hier der Fall wir. Und daß die Beerdigung erst nach 30 Stunden erfolget darf, finden wir insoweit richtig, al» hier, bei der strengen, jüdischen, orthodoxen Richtung, schon Beerdigungen kaum <i Stunden nach erfolgtem Tode vorgekommen find. 13. Lanuar. Eine brennende Frage unsere» Bolköschulwesen» ist zur endlichen und zwar glücklichen Lösung gediehen. Unsere städtischen Behörden hatten auf Grund einer umfass mden und gründlichen Vorlage unsere» verdienten Bürge, meister» Reimann die Errichtung einer comuumalen Volksschule mit simultanem Charakter beschlossen, an welcher Lehrer und Zöglinge aller Confesfionen zugelaflen werden sollen. Die königliche Regierung in Posen hatte aber ihre Genehmigung zu dem Projekte versagt, and hierbei insdesondere hervorgehoben, daß die Anstellung von Lehrern jüdischer Consesston zu Unzuträglichkeiten Än laß' geben würde, da di>- Unterricht»gegenständ in dieser Beziehung sehr schwierig zu be>,renzeu sein würden. Hierbei hak fich die Stadt^emeinde nicht beruhigt, vielmehr den Weg de» Rekurse» beim Unterricht» ninister De. Falk beschriften und an denselben persönlich eine Deputation entsendet. Die Entscheidung desselben ist nuu. . ie n der letzten Sitzung der Stadtverordneten bekannt' gegeber wurde, erfolgt, der EulruSminister genehmigt im Principe die Simultanschule und die Zulaffnng von Lehrern aller Consessionen. erkennt lobend die Bestrebungen der städtischen Behirde in dirser Reorganisationsfrage an, »erheißt derselben förderlichst Unterstützung, ordnet eine Auseinandersetzung zwischen d-m bisherigen Lchulsocietäten und den Kirchengemeinden und demnächst der Ersteren und der Commun« an, und hat somit den Weg zu einer längst fühlbaren Reformmaßregel geöffn-a, die sicher zum Helle unserer gesellschaftlichen und kommunalen Verhältuisse dienen wird. , (N.-Z.) 9 14. Lanuar. (Or.-Corr.) Am vergangenen Dounerstag fand hier eiue seltene Feier statt, von der ich Lhnen um so lieber berichte, al» keinerlei Symptome abergläitbischer Furcht oder fanatischer Ausschreitung dieselbe begleitete ES handelte fich nämlich, um die Schließung de» alten überfüllten Friedhofes, der noch überdies Melle von der Sbidt entfernt ist. Zugleich wurde der zum neuen Friedhof befimmte und umfriedigte Platz dicht an der Stadt geweiht *) Wir müssen gegen diese vehau»U»ng prote-iren. Wahn und Ao-nietheit sind nicht gleich Orthodoriel <Ned.) und der Gemeinde von der Baurommission ' übergeben. Auf dem alten Frirthofe nahmen die Gemeindemitgllrter gleich nach dem feierlichen Morgengottesdienste einzeln von den Gräbern der Angehörigen, der Rabbiner aber in einer ergteifenden Ansprache im Namen der Gemeinde Abschied, Aus dem neuen Platze wurden Psalmen recitirt und der Rabbjner sprach über da» wahre Leben, anknüpfend an da» Gebet oc» hohen Priester» am Lomkippur für die Bewohner Sarons. Am Nachmittag fand in der Syitagoge feierlicher Gottesdienst mit Tovtenfeier und Predigt statt, und am Abend vereinigte ein einfache« Mahl in ernster würdiger Stimmung die Mitglieder der Gemeinde. E» hatte fast der größte Theit derselben in anerkennenSwerther Pietät an diesem Tage gefastet. Zur Bolletidiütg beS Werkes'hatte die Gemeinde circa 3000 Thlr. aufzubringen incl. eines Capital» von 500 Thlr. als eisernen Fonds zur Lustandhaltung de» alten Friedhof«. Ln einem Labre, in dem bereit« für Reparatur der Synagoge 1500 Thlr. und für da» Badehau» 300 Thlr. verwettbet tourten, ist diese Ausgabe für eine Gemeinde von 100 Mitgliedern immerhin schon sehr bedeutend. Nichtsdestoweniger belohnte der Vorstand den fördernden und anregenden Eifer des Rabb. vr. Caro mit einem Ehrengeschenk, das tarn» selben am Schlüsse der beschriebenen Feier überreicht wurde. Kksterreich. it.'> Men. C» ist eben da» Schicksal her meisten Menschen, verkannt zu werden, und jo werden sich wohl auch die jüdischen Aerzte Wien» darüber zu trösten wisse», daß ihnen dieses allgemeine Menschenschicksal bet einem christlichen Staude» collegen passtet ist — bei dem Stadtphyfikus Herrn Dr. Nüster nämlich, der durchaus keinen Luden als Armenarzt anstellen lassen will, „well er — ipiiMima rexba — bei einem jüdischen Arzte nicht jene», Mitgefühl voraussetze, da» der Armenarzt für die arme, christliche Bevölkerung hoben mfiffe". Gut gebrüllt, Stadtphyfikus! der konfessionelle Herzenibefund, den der geistvolle, kommunale Diagnostiker da aufgestellt bat, wird nicht verfehlen, in Fachkreisen. Sensation zu machen, mau wird»,,zum Mindesten von je-h-ap wissen, was, man von,§ jüdisch«, . Doctorherzen^zu . halten,hat, Bei allem Respekt vor der diesbezügliche» Sttchtphystkatspvtscheidnng, durch die der. genannte Artikel als entschiede» gesundheitsschädlich bezeichnet wird, glaube, ich hoch Voraussage» zu.dürfen, daß sich über da» in Aureguug gebrachte Thema manche interessante Controoerse entspinneu wird. Unter Anderem kötnite es wohl dem Einem oder dem Andern eimallen, zu behaupten, «r ,setze, bei dem geehrten Stadtphyftku» Herrn „l)s,,,--tusser nicht jene psychologischen Fähigkeiten voran», die,ein Mensch haben muß, um die Bevölkerung verschiedener Consejfiouen ^vou. der Richtigkeit seiner judenseiodltchen Behauptungen' zu überzeuge».; .. S. Au» de» Ahrndtm« jUtift, 6. Lanuar. <Or>-Corr.) Der iu dem benannten Kreise gelegenen,Gemeinde, Heringumiestec wurde,a« Sabbach-Ldännstn„wie aw gleich.darauffolgenden Somuag ein lang entbehrter Genuß, zu Thell. Die dortige Gemeinde , hatte., anläßlich des auf depi betreffenden Sonntag fallenden LahreStqges, de» im Borjahre yerstorbrnen Mischen Gelehrten L 8. Borge» den Horicer Rabbiner vr. tzhreutheil berufen, die Gedächtnißrede zu halten. Derselbe mußte de» EabbathS wegen schon Frettag. daselbst eiutreffen, : und dieser Umstand bot der Gemeinde willkommmen Anlaß,