Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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21 „nichtchristlichen Rumänen" bi» zn Uesem Grade avancirm sollm. Diese Worte wiederholte Herr Manu im Plenum, da! erhob sich Herr N. Zoneoku, der Sprecher der Opposition,! um die Ungeheuerlichkeit des Ausdruckes „nichtchristliche Ru-! mänen" hervorzuheben. Dieses sei wohl rin von der Brüsseler ' Konferenz geschaffener Begriff. Es gäbe keine solch« Rumänen;! die Rumänen seien Alle Christen, und ein nichtchristlicher Ru-! mäne sei ein natürliches und verfaffungSwidriges Unding.! Herr Zonescu will nicht, daß die Juden überhaupt avanciren; j sie seien feige und muthlos. Diese Behauptung beweist er j durch den Umstand, daß „bei Sadowa die meisten Juden gej kämpft haben"! Dank dem gelehrten Wiffen des Hrn. ZoneScu I weiß nun die Welt, warum Oesterreich bei Sadowa unter-! legen ist. Diesen horrenden Blödsinn, deffen sich jeder Hirnj gesunde Mensch schämen müßte, wiederholte, getrru den Trai ditionen der Familie, Herr G. Bratiano, indem er alle Juden! für Bagabunden erklärte und den Kriegsminister aufforderte, alle in dem Heere befindlichen Zuden auSzustoßen und keine anderen mehr rekrutiren zu lasten. „Wir wollen", sagte er,; „den Juden keine Pflichten geben, aber auch keine Rechte." „Der Krieg-minister Floresco antwortete in ziemlich zweif deutitzer Weise. Er wollte anscheinend die Frage supprimiren,! ohne sich nach irgend einer Richtung hin zu compromittiren. ] Er gab also der Kammer zu bedenken, daß sie diese Frage > bei Gelegenbeit des Rekrutirungs-Gesetzewerde erörtern : können, und da werde sie bestimmen können, ob die Zuden j als „Einheimische" und folglich RekrutirungS- und Avance- '■ ments-Fähige zu betrachten seien. j .Hiermit wurde die DiScussion, trotz aller Proteste der Opposition, welche die Frage noch hätte auSdehnen mögen, geschloffen. Der Herr Minister hält; wohl eine deutliche 1 Meinung aussprechen können, ohne sich feige hinter dem; Schluffe der Diskussion zu verkriechen. Kein Redner erstand, um gegen die entwürdigenden Worte der Opposition Protest einzulegen und so da- Ansehen d«S Parlamentzu rehabiltttren. Die serbische Regierung hat nämlich ein ähnliche« Per- | langen in der Skuptschina mit Entrüstung und Würde abge- ' fertigt. Die Parallele fällt nicht günstig für die rumänische! Regierung auS." j Zn einem Leitartikel über diese Angelegenheit sagt daS genannte Blatt: „UnS geht jener opttmistische ZdealiSmu«, j welcher die im Oktober v. Z. in Brüffel versammelt gewesenen! Repräsentanten der Zudenheit den Beschluß fasten ließ, für die staatliche Gleichberechttgung ihrer rumänischen Glauben-- i genoffen einzutreten, völlig ab. Zn Wahrheit ist das traurige : Capitel von den rumänischen Zudenverfolgungen durch jene s Brüsseler Conferrnzen lediglich um ein leere- Blatt bereichert j worden. Zn zahlreichen Rothschreien kommt die Donau i herauf die Klage, daß die zunächst Znteressirten durch die Bej schlösse jener Versammlung keine-wegs beruhigt worden sind « und daß sie nach wie vor» gleich Vogelfreien zitternd, von * jedem neu anbrechenden Tage die Wiederholung der bekannten | Exceffe gewärtigen. Daß dieser schmachvolle Fleck von dem , Ehrenschild unseres Zahrhunderts verschwinde, daran haben * wir Alle, welchen, Dekenntniffe wir auch angehüren, ein drin» 1 gendes Znter<ffe. 1 Die HeimalSstätten des heutigen werkthätigen Zuden» , Haffesind nur unter jenen Volk-kreisen zu suchen, welche, von der modernen Cultur unbeleckt, in alter Rohheit ihr Dasein fortgeschleppt haben. Ein seltsamer Anachronismus. scheint zu walten, wenn die wackeren Czrchen in zügelloser Verwilderung zlöhlich ihr gelle- ,Hepp-Hepp.'"-Geschrei erheben, die ritterlichen Polen in wüstem Haß ihre Zuden. anklagen in di« Welt schleudern, die Rumänen in das ganze Zahrhundert cimpromittirenden Skandalen mit bestialischer Wuth über schuldlose Mitmenschen sich Herstürzen, um sie unter den gemeinsten Vorwänden die rohe Faust ihrer Barbarei spüren zu lasten. Und das sind in Wahrheit Anachronismen, d e in das politische uud intellektuelle Leben der Neuzeit hineinimsten, wie der Wilde in die Freiheit. Es ist von ganzem Herzen gurzuheißen, daß die in Brüste! versammelten Repräsentanten der europäischen Zudenhest die Nothwendigkeit betonten, „die jüdische Bevölkerung in Rumänien im Wege des Unterrichts und der Erziehung geistig und moralisch zu heben". Allein was ist mü dieser ideologischen Formel für dm monmtanm Rothstand erreicht? Wird der Brotneid und die Bestialität der ivalachischen Zudmfeinde dadurch verringert? Diese selbst sind es, die „geisttg und moralisch gehoben" werten müßtm, um ihrer Ausschreitungm mit Schamgefühl und Entsetzm sich bewußt zu werden. Dazu aber ist vorderhand kiine Hoffnung. So dün st rS uns dmn bester, man reiche!den rumänischen Zudm bilfreich die Hand, indem man ihnm die Mittel gewährt, dm vulcanischen Bodm zu verkäste», auf dem sie stündlich den nicht-würdigsten Attmtatm auSgesetzt sind. Fürchte man doch nicht, wie eS die vrüsteler Repräsentan tm gethan, ihrm „PatriottSmus" zu beleidigml Soweit wir di« Stimmung kennm, ist derselbe nur in sehr bedingtem Maße rorhandei» Und wie könnte es auch andersein? Welche hihe.-e Mission, um dermtwillm es verlohnte, sich dm »einvollstm Leidm zn überantwortm, verfolgt dmn dieses Rumänim? Wmn die deutschen uud französischen Zudm von warmen PatriottsmuS beseelt sind, so haben wir ein Berständniß dafür. ES ist ein erklärlicher Stolz, ein Deutscher oder ein Franzose zu sein. Aber ein Rumänier? Der Ehrgeiz, mit Bojaren und stupiden walachischen Bauem g«. meinschastlich an dem nämlichen lahmen Staat-karrm zu ziehm, und zwar unter täglichm Schreckm zu ziehm, ist doch wahrlich sehr problematisch. Die Zustände in Rumänien sind eine Schmach des Zahrhundert», und so lange man sie zu ändem keir andere« Mittel ausfii dig macht, als in philanthropischm Versammlung ebmo wohlgemeinte als effectlose Resoluttontn zu fasten, wird nichts übrig bleiben, als dir beklagenswerthen Opfer ihrem Schicksale nach Möglichkeit zu entziehen." Vermischte und neueste Nachrichten. Der vor Zahre-frist zum GerichtSrath in Metz beförderte vr.Lewino ist gestorben und hier, in seiner Vaterstadt beerdtgt worden. Die Betheiligung aller Con fesstonm am Lelchmbegängniß war sehr groß; Rabbiner vr. Stein hielt eine treffliche Grabrede. (Z. B ) G«l«ar. Seit etwa 12 Zähren hat sich hier eine bis jetzt noch kleine israelitische Gemeinde gebildet. Da dieselbe, noch nicht tm Stande war, einm Begräbnißplatz zu erwerben so war man gmöthigt, vorkommmden Fall-, Leichen nach