Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935685--1528-5371116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Schulrath vr. L. A. Frankl (Wien, Seitenstettengaffe 4) zu richten. Dagegen läßt da« Rothschild'sch« Hospital oirle sehnsüchtig auf baldige Aufnahme Harrende auf die Vollendung und Eröffnung noch lange warten.^ r. Mo« der Po«««, Ende December. (Orig.-Corr.) Ist e» als ein günstiges Zeichen aufzufaffen, daß die Inte' reff m der Ungarischen Israeliten seit nahezu einem Jahre schon ohne journalistische Vertretung und so in Gefahr sind, vor den Fernerstehenden unbeachtet zu bleiben? Abgesehen vor den ephemeren Erscheinungen, die kommen und nach kurzer Frist wieder zu bestehen aufgehört haben, haben thatsächlich we>«r die Congreßpartei noch die „Schomre hadat“ ein anständiges Organ für die Oeffentlichkeit. Zn Ungarn selbst körnte das als Beweis für den allmälig wiederkehrenden Freden aufgefaßt werden. Denn ist es äußerlich still, so folzert man, daß auch wohl der Gang der Dinge ein befriedigender sei, und die Zufriedenheit führt ja bekanntlich zumeist die wohlthuend« Ruh« im Gefolge. Ist dieser Satz auch im Allgemeinen richttg, so findet er doch im vorliegenden Falle keinerlei Anwendung, vielmehr muß der Grund der unnatürlichen Stille ttefer gesucht werden, wenn wir ähnlich« Zustände auch anderwärts antreffen. Die Prager „Wahrheit" hat ebenfalls zu erscheinen aufgehört, und duses Blatt war an der schwierigen Aufgabe der Frieden» sti^tung unter den ungarffchen Parteien nur in sehr geringem Maße betheiligt. Da» große Urbel, woran diese Blätter zu Gninde gehen, ist eben der Mangel an Theilnahme, an Gemirinftnn, an lebhaftem Eifer für di« gute Sach« der Gesammtheit, deren Vertretung die Journalistik darstellt. Besonder» hiw zu Land« ist diese Ikälte augenfällig wahrnehmbar, wo die Gemüther durch dar mehrjährigen stampf abgespannt und de» ferneren Hader» müde, sich von deu öffentlichen Vorgängen ganz abwenden, well der in der ersten Erregung erwartete und von allen Seiten al» sicher verheißene glänzende Erfolg bi» heute noch nicht eingettoffen ist. Und doch giebt es der Gegenstände so viele, die, aus der «ohlthuenden Anregung der letzten Jahre hervorgegangen oder neugrstaltet, der kräftigen Förderung und hingebenden Unterstützung gerade jetzt mehr al» jemals bedürfen, die auf den «teilnehmenden Sinn der jetzigen Generation hingewiesen sind, um der Zukunft zum Heil« gereichen zu können. Unser Gemtindeltben, da» früher mehr oder minder, besonder» in kleineren Orten,,«in sehr geeignete» Feld für Geltendmachung ter Herrschermacht der Vorsteher war, sollte durch das, trotz mancher Schwächen doch treffliche, Congreßstatut einer gedeihlichen Entfaltung entgrgengeführt werden; nun fehlt aber eine Stimme, die fort und fort mahnend, die Wichttgkeit diese» -Segenstand«» tu steter Erinnerung erhält. Ganz besonder» nnpfindlich ist dieser Mangel im Bereich« de» Schulwesen». Wohl besitzen wir einen Lande»-L«hrerverein, der zur Förderung de» Unterrichtswesen» erheblich beittägt und besonder» die materiell« Stellung und die Zukunft jder Lehrer in höchst anerkennen-werther Weise günstig zu gestalten bemüht ist. Allein so bedeutend diese Angelegenheit auch ist, die allgemeine Theilnahme nur vermag sie kräftig zu stützen, und dazu be- -arf e» eben de» lebendig einwirkenden und nicht ermüdenden Mahnrufes, der die Häupter der Gemeinden auf die hohe Aufgabe der Schule aufmerksam mache, der über die Würde dieser Anstalt wachen und Verunglimpfung verhüten soll, daß nicht Glinde Po,leisucht, unüberlegter Eeparotismu» sie durch Herab Würdigung dem Verderben nahe bringen, daß nicht die krasse Ignoranz das Heft in ihre Gewalt bekomme, wie die» unlängst in der „glaubenshüterischen" Gemeinde zu Raab bei der Wahl des Schulvorstande» in höchst bedauerlicher Weise geschehen ist. Nur indem wir dem Gebäude in seinen einzelnen Theilea Aufmerksamkeit zuwenden und es aus eigener jtratt vor Schaden und inner» Gebrechen schützen, vermögen wir ihm auch nach Außenhin die gefällige Erscheinung zu geben, welche freundliche Zustimmung hervorruft, können aber feindselige Angriffe eben im Bewußtsein der eigenen Stärke auch erfolgreich abwehre». Ein solch gehässiges Verhalten seitens der klerikalen Journale hat in letzter Zeit viel von sich reden gemacht und verdient um so eher an dieser Stelle erwähnt zu werden*), als es grade am besten dazu dient, die Veranlaffung dazu in das schönste Licht zu stellen. Graf Adolf Pejacsevich hat der Gemeinde in Ruma eine Synagoge geschenkt, dies erregt den Unwillen des klerikalen „Magyar Allam", der den Grafen mit Borwürfen überhäuft, seine Wohlthaten nutzlos, ja sträflicher Weise an die Iudm zu verschwenden. Derartige Acte der edeln Toleranz wir die That des Grafen P. find in letzter Zeit nicht mehr selten, erst vor kurzem hat ein Herr v. Szallassy die Gemeinde in CSüz auf ähnliche Art beschenkt. Ist dies Durchdringen der Id« der Gleichstellung der Israeliten auch recht erfreulich und vielleicht zum Theile auch dem schönen Anlauf zur kräfttgen Selbstfortbildung zuzuschreiben, so zeigen die häßlichen Folge», dagegen höchst lehrreich, wo und »vrr unsere äußern Widerfach« sind, und iveisen uns auf eben dasselbe RampfeSmittei hin, das Jene jetzt in Anwendung zu bringen anfangen, auf die Stimme der Oeffentlichkeit. *)S vor. Nr. Red. N««ä«inl. M«t«rest. Wir haben im vorigen Blatte eine kleine Episode au» d« Kaaimerverhandlung üb« den Militärdienst d« Juden erwähnt. Wir tragen nun den Bericht d« „N. Kr. Pr." üb« die betreffende Debatte nach. „Die Zudenfrage, welche jttzt noch die einzige Agitalions- »vaffe und die gefährlichste d« Opposttton ist, wird d« Regierung Gelegenheit geben, ihre Einsicht und Aufrichtigkeit zu bethättgen. Die ang«egtr Emigrations-Frage har in manchen Rreiseu, wo fanattsch« Eif« nicht den Verstand gänzlich v« blendet hat, einer gesund«en Anschauung den Juden gegen üb« Entstehung gegeben. Man konnte sich unmöglich verhehlen, daß d« Wegzug jene» Eleinentes, aus dem sich fast alle Handwerk« de» Landet rekruttren, eine wahre Ealamität für da» Land bilden würde. Sollten dah« die Jude» (wie es mir al» wahrscheinlich bestätigt worden ist) jetzt mit einer Petttion sich an di« Ramm« wenden wollen und um die Gewährung d« ihnen entzogenen Rechte ansuchen, so dürste die Regierung im Stande sein, da» Votum d« Ramm« zu beeinfiuffen, und eine günstige Erledigung der Petttion zu erwirken. Der Minister Epureano ist judenfreundlich. „Daß die Opposition diese Zudenfrage auszunützen gewillt ist, beweist die Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. d., in welch« da» Gesetz de» Avancement» in der Armee zur B«handlung kam. Zu Arttkel 4, welcher bestimmte, daß man zu UnterosficierSgrade nur nach fechSmonatlichep, Dienste befördert werden könne, war in den Sektionen die Frage auf die jüdischen Soldaten gekommen, und hatte sich der Brricht- , «flott«, Herr Manu, dahin ausgesprochen, daß auch die