Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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liches Säigmachen ist es, der sät anderthalbhulibkrt ^c^rtn inmer mehr Denkende und nach Verstand es klarhät Ringende, rasch oder alloGUg, in OppoW«« g«chs'RrlphionH»berhnupt träbt. *Dl<nt wird» wohkwchUMn HürfeW^sß alle», was gegen die VäigVn vOgebrHt iHrAt«, fu nächst von d«r Auflehnung' gegen deik Sa^, dajfl i?fart durchKs 'mlb in allen Stückm den rechten Glauben haben müsse, um selig zu bavimt sän soll. Daß die Bekehrungssucht oft auch sehr wenig liebenswürdig und achtungswqrth aufty^t, braucht nicht grfatf zu werden. Gchlimmer noch fft MMsskand, daß durch dWsa«c csiÄdie ^'i»vWth*t ^lhr OchtchstM^vnd Bestes verlort.,' WeManEde» /Karncheitzigen BrVdestz und Schwestern" an M AMKng,' l^rsi^ietung versagen? Vfr darf in Abrede stellen, daß schließlich doch nur Religion solche Hingebung und Käst», ftUlÄf, SißtUch ^ich Jtitt /zuerst^'«ufspftzrimg änznflbßeil vermag? Aber die mfl solcher (wenigstens öffentlich) in Form des Zweifels, frälich auch des stattenden oder spöttänden, aus, so ist es doch von diesem , unkte auS wätcr gegangen bis zur völligen Bernänung alles - religiösen Glaubens, bis zur Forderung der Bernichtmtg' aflts! religiösen Lehren» und Fühlens. Es ist nicht uninteressant,! als än Beispiel der ersten Ansätze und Anfänge dieser Pole- J mik einige Sätze von Rousseau hier zu citiren. „Wenn j et. sagt derselbe, nur eine wahre Religion giebt, und Jeder- > riann schuldig ist, ihr bä Strafe der Derdammniß zu folgen, 1 Liebesthal fast immer unzertrennlich-verbundene Proselytenmacherä und Seelen - Jägerei oder -Rälerä vergällt alles Schöne und macht „gleich todten Fliege» das würzige Oä übeldustend und gährend". Nirgends mehr als hier zeigt sich die millionenmal gehörte Behauptung von der Identität von Christenthum und Humanität als gänzlich hohl und falsch! Und so sehen wir die christliche Welt heut in zwei Lager gethält; auf der einen Seite Indifferente, Christ-Ungläubige oder gar Religio»sfeindliche. aber human-edä- und tolerant¬ ° •f 7 ' v o 1 o 9 | qo€Z gar CTeiigiovsfeinoiicyc, aper yuman-eort» uno loicrai»- fo muß mau sän Leben darauf verwenden, alle zu studireu, } H^t«; auf der andern Orthodoxe, Proselytenmacher, Engzu ergründen, zu verglächen und zu diesem Ende die Länder zu beräsen, wo di« Bewäse für diese verschiedenen Räigionen sich vorfinden; denn in der Ewigkät gilt die Entschuldigung richtS, man habe sich aus das Urtheil sänes Seelsorgers ver- I affen. Es muß also der Handwerker, der von seiner Hände slrbett lebt, der Bauer, der nicht lesen kann, das zarte schüchterne Mädchen, der Kranke, der kaum im Stande ist, sän Bett zu verlaffen, alle ohne Ausnahme müssen studire«, »achfinnen, disputiren, reisen, die Welt durchwandern; die ganze Wät wird mit Pilgern bedeckt sän, die mit großen Kosten und unter langwierigen Beschwerden die verschiedenen Räigionen an Ort und Stelle kennen lernen, verglächen und herzige oder gar Fanatiker. Daß es daneben auch solch« giÄt, die „hier und dort kahl" sind, weder Glauben noch Liebe und Gerechttgkät haben, versteht sich von selbst, und ist frälich unter Juden auch nicht anders, da aber daran weder Juden thum noch Christenthum Schuld tragen, sonder« nur sittliche Verwahrlosung und gästige Rohhät, so gehört daS nicht hierher. Wir haben in den änzelnen Theilen dieser Abhandlung gar nicht auf das Iudenthum hingewiesen. ES ist ja ganz überflüsfig, unfern Lesern zu sagen, daß unsre Religion nie den Anspruch auf „Allänsäigmachen" erhoben und so alle selbstständig untersuchen. Dann gute Nacht Handwerke, Künste,! i°“ »W« ""mieden hat. Bäonen wir-also auch zum Drilliche Wiffenschaftrn und alle bürgerlichen Berufszwäge! S kann nur noch eine Beschäftigung geben, dir mit der Religion, und nur mit Mühe wird der, welcher äne recht starke Gesundhät besitzt und säne Zät wohl angewendä, seinen Verstand recht gebraucht und än hohes Alter «rächt hat, endlich an sänem späten Lebensabend wiffen, woran er sich zu halten hat." Man sieht also, an wächen Punkt die Negation angekvüpft hat, und wie wät sie über die ersten Ansätze hinausgegangen ist. Und wer sieht nicht, daß die heutige, oft wahrhaft fanatische Feindsüigkät gegen Religion immer noch an die kacholische UnfehlbarkätSlchre und an protestantisch-rechtgläubige Verketzerungssucht anknüpft und aus diesen ihre Nahrung zieht? Zu den ttaurigen prakttschen Folgen der Lehre vom Allänsäigmachen gehört wätrr die Proselytenmacherä, die Bekehrungssucht. Gräft diese heut nicht mehr zu den Mitteln der äußersten, rohesten Gewalt, mag eS auch dahingestellt bleiben, ob diese Besserung nur durch die Einsicht in die mangände Kraft und Macht herbägeführt ist, oder auch durch eigene bessere Einsicht, so ist doch diese, dem gläubigen Christen durchaus inhärirend«, Bäehrungssucht darum nicht minder än Uebä. Ein Uebä oft zunächst und zumeist für ihn selbst. ES ist ja demjenigen, der sich unbefangen in die Seäenstimmuug äneS Mitmenschen zu versetzen wäß, oft mitlädcrregrnd, wenn er änen sonst liebevollen und liebenswürdigen Gläubigen sieht, der sich in der That härmt und quält, weil än Jude, oder än ungläublicher Christ, dem er nun äumal Achtung und Liebe nicht versagen kann — ewig ver- Schlusse lediglich das Thatsächliche. Der Jude braucht nicht gegen säne Räigion indifferent zu sein, um dem Bekenner jeder Räigion, so er im Uebrigen rechtschaffen und achtungswerth ist, Anspruch auf säne Liebe und Achtung auf Erden und auf Seligkät im Jensäts zuzuerkrnnen. Grade dem orthodoxesten Juden liegt jeder Gedanke an Bekehrung von Richtjudrn vollständig fern. (Eher ist änigen reformfreundlichen Rabbinern die Lust am Prosrlytenmachen eigen!) Das Iudenthum lehrt: „möge jedes Bolk im Namen seines Gotte« wandä» (d. h. in säner Religion sein Häl suchen) wir wollen im Namen des Ewigen »nsreS Gottes wandeln" (d. h. unsrer Lehre treu bleiben. Micha 4, 5.) Wir erwartm, wie grade diese Stelle im Zusammenhang« klar zägl, ruhig die endliche Erkenntniß der Wahrhät. Und so wie im Glauben ist es auch in"sttr Liebe: der Israelit, der einen andersgläubigen Armen ilntkrstützt, äne „confessionslose" Anstalt gründet, änen nichtjüdischen Kranken pflegt, hat dabä in Wahrheit auch nicht änen Schimmer des Nebensgedankens, änen Menschen zum Iudenthum zu bekehren, ihm dazu äne Fingerspitze zu reichen I Höchstens will er Borurtheil und Haß belehren und bekehren. Und das ist än Vorzug des IudmthumS — d. h. seiner Lehre, nicht säner Bekenner, auch von dem Dünkä find wir frä — den keine Sophistik in der Welt ihm strettig machen kann.