Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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15 lange irische Maggy", und da bi» ich nun, und sehen müssen wir was für den Doktor zu thun ist." „Ach Gott ja!" sagte Jutta eifrig, während Bertha schwieg, „der Doktor darf nicht gehängt werden". „Rettet ihn, rettet ihn um Gotteswillen." „Hier ist vom Hängen keine Rede", entgegnete ihr erfahrener Schwager, sie kännrn ihm nichts anhaben, seine Unschuld stellt sich gewiß schon beim Juryverhör heraus und er kömmt loS, ohne daß wir unS hineinmischen. „So lange können wir ihn doch nicht im Gefängniffe lasien, wagte Bärchen zu sagen, man muß doch etwas für ihn thun können", und da Bertha ihm mit den Augen winkte, fuhr er muthigrr fort: „Herr Deermore, Sie haben doch gewiß Einfluß und kennen die hiesigen Zustände gut, verwenden Sie sich für ihn." „Alles was für ihn zu thun ist, sagte Henry barsch, t sind einige Zeitungsanzeigen, welche alle an dem Abende Anwesenden auffordern, als Zeugen zu erscheinen, gegen eine gute Belohnung natürlich, um zu erklären, daß der Doktor nicht der Angreifer gewesen. Dazu aber gehören zwei bis dreihundert Dollars und die kann ich doch nicht für einen - mir Fremden auslegen." Bärchens Gesicht war immer länger geworden, und zuletz: wischte er sich sogar mit seinem Kleide die Augen, weil ge feucht geworden. Nach einigen Nachdenken schim er aber einen Entschluß gefaßt zu haben, denn der alte Schelm kehrt« auf sein Gesicht zurück, er erhob sich und sagte: „Weg mit den Wriberkleidern und all dem Plunder, ich will wieder wenigstens ein Stück von einem Manne sein, und dann werde ich von Haus zu HauS schnorren gehen, um das Geld für den Doktor zusammen zu bringen." JJtaum waren jedoch diese menschenfreundlichen Worte seinem Munde entschlüpft, als es ihm auch vorkam, als ob die Zimmerdecke sich auf ihn herabsenke oder ein kolloffaler Berg ihn niederzudrücken droh«. Die zweihundertpfündige Jutta hatte ihm nämlich eine Umarmung zugrdacht und sich mit der ganzen Wucht ihre- Gefühls auf ihn geworfen. „Bärchen I rief sie, Bärchen mein Freund! Ihr seid ein wahrer Ritter. Arm in Arm mit Dir, fordere ich das Jahrhundert in den Schrank." Moscheh und Henry sahen diesem Gefühlsausöruch gleichgültig zu, während die komische Situatton Bertha zu einem » Lächeln zwang. Merkwürdiger Weise war ihre frühere Aufregung, die nicht einmal bemerkt worden, gänzlich verschwunden. Lärchen hatte sich auS der etwas schweren Umarmung los gemacht und öffnete die Stubrmhür, um auf sein» Jf Kammer zu gehen und sich umzukleiden. Bertha folgt« ihm eilig, und erreichte beinahe zugleich die Hausflur mit ihm. „Bärchen! Sie sind ein braver edler k Mensch, sagte sie, ihm warm die Hand drückeud, aber Sie; sollen nicht schnorren für Ihren Freund. Hier sind unge» J führ.. fünfzig Dollars ersparte- Geld, für das ich meinem Vater am Rosch Haschana .eine Freude bereiten wollte. ' Nehmen Sir e> und befreien' Sie Ihre» Freund damit, aber lass« Sie ihn nicht erfahren, woher da« Geld kömmt", ft,tr sie «ft zitternder Stimme hocherrtchmch hinzu.! " Bärchen »ernetgl« sich fast rittmlich und küßte die schöu« > "Hand der Gederin, wobei «ln' heißer Tropfen an« sein« Augen auf den Arm der Schönen fiel, dann wandte er sich und lief die Treppe hinauf. „Er ist ein tteues Herz bei allm seinen Posten", murmelte Bertha und seufzte tief, als sie wieder in da- Zimmer trat, ob über Bärchen» tteues Herz, oder das eineS Andern, können wir nicht sagen. Man hörte bald darauf Bärchen wieder die Treppe herabkommen unr die Hausthür öffnen. Hieröei mußte er aber Jemanden «ingelastm haben, denn gleich nachher wurde au die Thüre dei! Parlsrs geklopft. (Forst, folgt.) Jini dem Wiener Gerichtrsaale. In einem > keinem, vornehmlich von Demokraten besuchten Gasthause fand ich auch der Hausirer Samuel W. mit seinem 14jährigen Töch erchen rin, um ein frugales Mal — Butterbrot und Kartoffeln in der Schale — mit derselben einzunehmen. Bald hatten sich einige Stammgäste eingefunden, die Vergnügen daran si.nden, dir Judenfamilie zu verhöhnen; das Mädchen bat in tändigst den Vater, er möge sich beeilen, um weiterzugehen. Doch Samuel W. sagte in größter Aufregung: „Fürcht' dich nicht, mein Kind, es geschieht dir nix; Hunde, was belen, beißen nix." Kaum hatte der Jude diesen Satz ausgesprochen, als auch schon der Schuhmacher Konrad M. dem Juden zurief: „Lumpenjud, w:r gibt dir an Hund ab, schau, daß ich dich nit ordeutli rinibriß!" Samuel 25). replicirte: „Wenn Sie sind nix ein Hund, haben Sie sich um die Hund nix anzunehmen; wenn Eie wollen beißen, sind Sie wieder ja ein Huud, wie kenn' ich mich auS?" Nach diesem fein pointtrten Dialoge kamen deutlichere Argumente. Kunrad M. versetzte dem Juden eine Ohrfeige mit der Bemerkung: „A Angab', daß di auskennst, Jud." Das 14jäl,rige Töchterchen des Juden weinte bitterlich; Samuel W. w schte selbst mit seinem blauen Taschentuche eine Thräne aus den Augen, zahlte seine Zeche und verließ da« Gasthaus mit ten Worten: „Ka Raufer und ka Säufer bin ich nicht, aber, Gott sei Lob und Dank, ein ehrlicher Mann, der zu Gericht gehen und das Gesetz rufen kann." Der Wirt, und viele Gäste, die früher unthätig den Vorgang mit ansahen, rafften sich auf, riefen den Juden heran und nannten idm ihre Namen, damit er sie als Zeugen für sich anrufe. Samuel SB. überreichte eine Klage, in welcher er mit der größten G>:chistrnhaftigkeit den Borgang erzählte, und die damit schloß, da« löbliche Gericht möge ihm Genugthung verschaffen. Da« Gericht ordnete auf den 31. December die Schluß- Verhandlung an. Um 10 Uhr war die Stund« bestimm^ Kläger uyd Liugen war«, pünktlich erschienen und hatte» im Borsaale di»knrz vor 12 Uhr gewartet, zu welch« Stund« -d« Geklagte erschien. 1 ' (Fortsetzung folgt.)