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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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14 tnrnbc genau schildern, bis er endlich auch seine Unterstützung versprochen hatte. Und wirklich, Tags darauf kam «in Schreiber vom Grafen an den Cultusvorstand, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß der Graf bereits «in Haus gekauft hätte, welches am schönsten Platze im Orte liege, und dieses Haus mit dem Grunde schenke er, der Graf, der Gemeind«, um dort ihre neue Synagoge zu bauen. Gleichzeitig versprach auch der Graf» den Plan für die neue Synagoge durch seinen Baumeister anfertigen zu lassm und den Bau nach Kräften uwerstützen zu wollen. (Pesth. jüd. Ztg.) (Aber, bemerkt der Corr. der „N. Fr. Pr.", noch ist dir Welt nicht so verderbt, daß eine solche That ungerächt hingehen kann, der Rächer lebt, der fromme schwarze M. Allam, er ist es, der den Magnaten schlägt, weil er dem Juden wohlgetjan, und diese, weil fie dm Magnatm heimtückisch zu einem solchen Werke verleitet haben. „Wir wollen gem glauben", sagt der edle Zionswächter, „daß die gegm die Judengemeinde an dm Tag gelegte große Gnade des Grafen mtweder in üb nspanntem Humanismus oder in aristokratischem Sport ihr M itiv hat".) Kßck,r-de-A«»ds (Schweiz). Die hiesigen Jsraelitm we Theten einen neuen Friedhof ein. Da das Wetter eben sehr sch echt war, räumte die mangelische Gemeinde ihre Kirche zur Abhaltung der Feierlichkeit ein, der Pfarrer wies dem Rabbiner von Vesoul (früher in Colmar), welcher die Predigt halten sol te, seine Kanzel an und erwirderte die Rede desselben durch eine Ansprache, welche die Sympathie der christlichm Bevölkerung gegm ihr israel. Mitbürger hervorhob. (Rw. Zsr.) Warschau, Polen hatte am Schlüsse des Jahres 1871 eine jüdische Bwölkemng von 814,923, davon 391,648 mcnnlichen unn 423,225 weiblichen Geschlechts. Davon kommen auf Warschau 47,304 w. und 41,934 m. Die Einnahmen der jüd. Gemeindekasse betrugen 43,990 Rubel. Cs gübt hier 52 Synagogen und Bethäuser. Petersburg. Der Bau einer Synagoge stößt hier immer noch auf allerlei Hindernisse. Schon vor 3 Jahren ist den hier wohnenden Juden die kfferl. Erlaubniß hierzu erlheilt worden, allein — es ist kein paffender Platz ausfir dig zu machen. Das bestehende Landesgesetz verlangt nämlich, daß Synagogen nicht in, einem Umkreise von hundert Klaftem von einer christlichen Kirche erbaut werden dürfm. J i dem kirchcnreichen Petersburg ist ein dieser Bestimmung entsprechender Bauplatz gar nicht leicht zu finden. (Ein Gesuch an den humanen Kaiser dürfte vielleicht diese Schwierigkeit heben.) 3?«m. Aus einem Rechenschaftsberichte des israelitisckm Coiisistoriums der Stadt Paris, welcher sechs Jahre (1866 —71) umfaßt, theilen wir zunächst die Summen der gesammten Cinnahmen und Ausgaben währmd dieser Zeit mit. Jene betrugen (rund) 3,680,000, diese 3,800,000 Frcs. Das Deficit stammt größtmtheils aus dem Kriegsjahre her. Tie Ausgaben für Wohlthätigkeiisanstaltm beliefen sich auf 1,400,000 Frcs. — Betrübend ist der Umstand, daß die Zahl der Jsraelitm, welch« wegen Lerbrechm bestraft worden find, gegm früher gewachsm ist. „Wir müffm daraus schließe», fügt der Bericht hinzu, daß di« einfache und patriarchalische Lebensweise, welche unfern Stamm stets ausgezeichnet bat, von der allgemeinen Strömung nicht unberührt geblieben is ." (Nach Un. Jsr.) - Der im vor. Jahr« gefaßte, beklagenswerthe Beschluß des israel. WohlthätigkeitsoereinS, deffm Spitze gegm in Paris wohnend« Fremde, d. h. Dmtsche, gerichtet gewesm war, ist in der Generalversammlung am 8. De» cember aufgehoben wordm. HtustareA. Wmn wir auch schon daran gewöhnt sind, von den rumänischen Judenfeinden allerlei unsinnige Behauptungen zu vemehmen, so übersteigt doch ein: am 21. December in der Kammer gefallme ziemlich alles bisher Geleistete. Bei einer Verhandlung über das Militärgesetz sprach Jonrscu gegen die Einreihung von Juden in das mmänische Heer. Sie seim zur Vertheidigung des Landes unbrauchbar. „Als Beispiel kann uns das benachbarte Oesterreich dimm. Nach den kürzlich gemachten Statistiken ist constatirt worden, daß bei Sadowa die meisten Juden waren. Und sie wissen, auf welche Weise sie Oesterreich vertheidigt haben." Solchen Blödsinn spricht ein rumänischer Professor im gesetzgebender Körper aus, und solche Mmschen wollm Gesetze berathen! Jaffa. Der Bau der Eisenbahn von hier nach Jerusalem ist definitiv einer mglischm Gesellschaft übergebm und wird alsbald beginnen. (R. Fr. Pr.) Marokko. Eine Bande von Rebellen oder Räubem wurde unlängst besiegt, 40 Rädelsführer hingerichtet und der Pascha wollte diese 40 Köpfe einsalzen lasten, um sie dem Kaiser zu smdm Zur Vornahme dieser scheußlichen Operation I wurden die — jüdischen Fleischer in Tanger gezwungen und mußten sie, da man ihnen mit dem Tode drohte, obendrein am Sonnabend vollziehen. So berichtet ein Schreiben an die Alliance aus Marocco und seyt hinzu, daß der italienische Consul allein gegen dm Act protestirt habe. (Arch. Israel.) - Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. Original-Novelle aus dem jüdisch-amerikanischen Leben von 3- N. Lichtenberg in New-York. Eechtes Sapitrt. „Der Doktor hatte meine Manipulation bemerkt, schwieg aber natürlich dazu — Nachdem alle fortgegangen, erhob ich mich und eilte im Galopp nach Grandstreet in das Hotel des Doktors, dort thrilte ich dem Wirthe Alles mit, der aber die Achseln zuckte, es einen bösen Trubel nannte und auf den Vorwitz der Grünen schimpfte. Mir rieth er, mich einige Tage versteckt zu haltm. Ich blieb deshalb bis heute in Krauenkleidem, die er mir gegeben bei ihm in der Küche beschäftigt; aber ich sah ein, daß auf diese Weise nichts für dm Doktor geschehen kann, und beschloß, mich in meiner Kleidung auf die Straße und hierher zu wagen. Um mir einm Privatspaß zu machen, höhlte ich einen Kürbiß aus und setzte ihn auf den Kopf, schnitt in das Kleid Löcher für die Augen und marschirte so, siebm Fuß hoch durch die Straßm. - Dabei hätte es mir freilich recht schlecht ergehen könnm, denn.die Leute starrten mich an, die Buben verfolgtm mich,..und ein Polizist machte Mime,'sich mir zu nähern, als ein Knabe ihm zunef, so viel ich verstand: „Laß sie gehm, es ist die

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