Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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7 „Wo stpü btnn Bärchen?" fragte sie nochpurl». al» ihr Niemand ankwortet«, „ich habt ihn Doimerfkag"züm letzten Male gesehen." „Wie du nach deinem Schooßhündchm »erlegen' bist," antwo lete jetzt Moscheh, „wer weiß, jetzt in den Hund-tagen vielleicht haben H die Buben eingefangtn und schlagen es todt." , MohlMohl" sagte Anita geziert und drehte den dicken Locken 'opf auf die Schulter, so nach Moscheh hinüberschielend, daß ilre Augen quer im Kopfe standen. „Du machst schon wieder dein« gemeinen Witze, die doch in Amerika schlecht angebracht find, und in einen Parlor gewiß nicht passen, ekann »em armen Menschen doch Etwapassirt sein." „Es ist mir ebenfalls unbegreiflich," sagte Henry, „warum er mi tz oerlaffen und nicht zurückgekehrt, er ist ein so guter Wärt-r und erheitert mir meine schlimmsten Stunden." „Ich mag ihn auch recht wohl leiden," mischte sich Bertha in'» Siespräch, „er ist zuvorkommend, höflich und spricht immer die di olligsten Sachen; ja ich muß gestehen, ohne einem Andern zu mH« treten zu wollen, seitdem Bärchm im Hause ist, herrscht «in grnz andere» Leben darin." .Siehst du wohl?" sagte Jutta zu ihrem Manne, mit der eben beschriebenen Kopfschwenkung, „stehst du, daß ich Recht habe. E» klopft an der Haosthär," unterbrach sie sich und «ilte au» dein Zimmer um zu öffnen. Alfie die Hau-thüre geöffnet, stieß sie jedoch einen grellen Schrei au-, daß alle in ihren Sitzen aufsprangen, Juttc stürzte im selben Augenblicke auch wieder zur Stubenthür« herein, und ihr auf dem Fuße folgt« der Gegenstand ihrepanischen Schrecken». Dieser war aber auch buchstäblich danach angethan, einem wenizer zaghaften Wesen al» Jutta einige Furcht einzuflößen. Da- oder die Eingetretene sah einer mtt weiblicher Kleidunq behängten Hopfenstonge zum Verwechseln ähnlich, rin« Figur, sechs Fuß hoch, mit altem Hute und altem grünen Schleier, dreifach um das Gesicht geschlagen, dann ein alte- Kattunkleid, dadie Taille schlotternd umhing, weil «S zu kurz war, mit handbreüem weißen MuSlin besetzt; dabei schwankte besagte» weibliches Wesen so bedeutend im Oberkörper, daß man glauben mußte, der obere Thal würde jeden Augenblick abbrechen und in die Stube fallen. Etwas AohnlicheS» aber Schreckliches geschah denn auch, denr die Gestalt erhob ihre Arme, nahm ihren Kopf mitsammt Hut und Schleier herab unter den Arm, worauf sich der kopfose Rumpf nach allen Setten verbeugte. Die Wirkung war fürchterlich, alle Anwesenden stießen, wie auS einem Munde «inen Angstschrei aus. Jutta verhüllt« sich das Gesicht mtt beiden Händen, und die arme Bertha verbarg ihr Köpfchen im Schooße ihres Vaters. Di« Gestalt hatte kaum die Wirkung ihrer Aktion wahrgeuommen, als ein homerisches Gelächter aui dem kopflosen Rumpfe ertönte und eine grelle Diflonanz zu dem Xngstgrschrei der Frauen bildete. Dieses Lachen klang so^bekannt und so männlich, daß Jutta zuerst wieder aufzublicken sich getraute. Schon kam ein zweiter Kopf, an Stelle des erfen langsam heraufwachsend, zum Vorschein und das mit grauen Bartstoppeln besäete Gesicht Bärchens nickte familiär nah Jutta herüber. Henry hatte gleichfalls die Beräoderung bemerkt, und fuhr auf: „Schämen sollten Sie sich, Sie TaugenichtS! durch solch ur zeitige Narrenspoffen am heiligen SchabbeS ehrlich« Lmte zu erschrecken! Ist es Purim hatte, daß man Maskerade macht?" „Entschuldigt «ich hier Alle," sagte Bärchen, zum Tische, schreitend und seinen Pseudokopf behutsam darauf legend, der sich als ein harmloser au-gehöhller Kürbi». au-wie». „Seid, nicht böse, meine Verkleidung ist kein Spaß, es ist blutiger. Ernst, denn die Polizei ist hinter mir her." . ...., Jutta stieß mtt kräftiger Hand die Fensterladen auf und ein heller Sonnenstrahl fiel auf da» abgehärmte Gesicht Bärchens. „Die Polizei?" fragten Alle in einem Athem, und Moscheh setzte kaltblütig hinzu: „Er wird wieder Quadrille getanzt haben." „Za, wollte Gott es wäre so," sagte Bärchen und nahm den ihm von Bertha angebotenen Stuhl, „wollte Gott, e» wäre so, aber ich und der Doktor haben einen Zuden umgebracht!" Ein gellender Schrei ertönte durch da- Zimmer und ließ die Fenster erzittern, bleich und kraftlosank Bertha in die Arm« ihre- Vaters. Bärchen sprang zuerst bet und sagte beschwichttgend: „Fräulein Bertha, erschrecken Sie sich doch nicht so sehr, wir haben ihn ja nicht umgeiracht, wir sollen nur beweisen, daß wir eS es nicht waren. Kommen Sie doch zu sich, liebe- Fräulein." Ein Paar Thränen, die Moritz miz Diamanten aufgewogen haben würde, drangen unter den geschloffenen Wimpern des jungen MSdchenS hervor, und rollten über die bleichen, noch vorhin so sanft gerötheten Wangen. Aber diese Thrinen selbst hatten ihr auch einige Erleichterung verschafft, denn sie erhob sich unter Beistand ihrer Verwandten aus den Armen Ihre- Vaters und fragt« lautloS: „Was haben denn Eure Reden zu bedeuten?" „Wären Sie nicht so voreilig ohnmächtig geworden," entgegnete Bärchen, so hätten Sie es später nicht mehr nothwendig gehabt. Die Geschichte ist gar nicht so schlimm alsie ausfieht, ich habe noch genug von Litzen vom letzten Male und deshalb habe ich mich auS dem Wege geschafft." Und Bärchm erzählte die unS bekannte Geschichte seiner und de» Doktor» Verhaftung, während Bertha unruhig im Zimmer hin und her mehr wankte al» ging. „Also der Polizist führte unS in Armeslänge vor sich her," fuhr Bärchen fort, nachdem er die un» bekannten Ereignisse mitgetheilt, „mir wurde es warm denn der Abend war schwül, ich dachte deshalb darüber nach, mich meine- Rockes und der Weste zu entledigm. Das war eine etwa« schwierige Aufgabe, aber in der Dunkeheit schlüpfte ich recht langsam auS den Rockärmeln, und da der Polizist sich jedm Augmblick umschaute, um zu sehen, ob die Spötter, die ihm so viel Aerger verursacht, zurückblieben, so enttam ich in einem solchen Augmblicke, warf mich in cine Söffe und lag still, biS die suchmden Polizisten, natürlich ohne mich, zurückkehrtm. (Forts, folgt.) Lin Jude, -er beim Lruufir geschworen. »*« km SNtatr «erichtssaMe. (Schluß.) Präs.: Sie haben sich für «inm Katholiken äusgegebm? — Auge kl.: Warum soll ich mich für einen Katholiken ausgeben? Präs.: Sie haben es gtthan. — Angekl.: Wer kann mir dabeweism?