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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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5 viele Anforderungen an die Leiter, so viele neue Ausgaben und Aufgaben an die Mitglieder heran, daß der der Verhältnisse Kundige e« sich genügen läßt, wenn er im Innern der Gemeinde dem Besseren Raum schafft. Da- Hinaustreten, dar Erfassen der weiteren Verhältnisse muß einer späteren Zeit . überlassen bleiben. Eben die BorwirtSwollrnden sind jetzt dafür noch nicht reif. Bevor die Gemeinde für die allgemeinen Interessen deS IudenthumeS empfänglich wird, müssen erst dl« Einzelnen dafür Lerständniß erlangen. Und daß dieser langsame, aber sichere Weg betreten ifi, dafür bürgt, daß in den letzten zwei Monaten, soweit uns bekannt, in Krotoschin, Koschmin und Pinne Localcomitö'S der Alliance entstanden sind. Die Erfahrungen, welche die Begründer dabei gemacht haben, dürsten nnsere Ansicht in vollem Maße bestätigen. (Mit Veriffeutlichung dieser Corr. möchten wir freilich Lässigkeit gegen allgemeine Angelegenheiten nicht beschönigen helfen! Wahr ist eS jedoch, daß in vielen Gemeinden noch zu viel eigene, innere Angelegenheiten zu orbntn sind und daß dieser Umstand jeneS Isolireu und Fernhalten entschuldigt. Red.) Wekefeld, 22. December. Die „Wests. Zrg." schreibt: „Der RegienuigS-Präsident DeliuS auS Minden hatte im Aufträge des Ministeriums auch hier dir Frage zur Erörterung und Erledigung zu bringen, ob daS hiesige Gymnasium, bisher als ein „lutherisches" betrachtet, in Zukunft ei» „confesstonSloseS" sein solle. Am vergangenen Donnerstag sand denn unter dem Vorsitz« deS Herrn Regierungs-Präsidenten eine eombinirle Sitzung deS Magistrats und der Stadtverordneten Statt, in welcher die Frage dahin präcifirt wurde, 1) ob die Anstellung von Lehrern aller Confessionen am hiesigen Gymnasium zulässig sei, und 2) ob Mitglieder aller Confessionen in das Curatorium gewählt werden könnten. Beide Fragen wurden von der Versammlung mit großer Majorität bejaht. Da anläßlich eines geäußerten Zweifels der Herr Regierungs-Präsident sich dahin erklärte, daß unter „Eonfesstonen" nur die innerhalb d«S ChristenthumS bestehenden verstanden würden, wurde ein weiterer bezüglicher Antrag dahin entschieden, daß auch Juden in daS Curatorium d«S Gymnasiums gewählt und als Lehrer an demselben angestellt »erden könneu." Dasselbe meldet« die „Kr^Ztg." auS Lippstadt. Di« „Magdeb. Ztg." bringt hierüber Folgendes: Dt« Umwandlung der preußische« Gymnasien in solch«; tu welche« alle Confessionen gleich« Rechte genießen, wird von der StaatSregierung erfreulicher Weife in durchgreifender Art verfolgt. Wie der tu Bielefeld erscheinend« „Wächter" schreibt, befiudet sich der Regierungspräsident DeliuS auS Minden augenblicklich auf einer. Rundreise durch di« Provinz Westphalen, um den Städten, dir ein Gymnasium besitze», i« Aufträge d«S Ministeriums die Frage vorzulegen, ob sie auS dem Gymnasium den konfessionellen Unterschied verbannen, dasselbe also in ein paritätisches verwandeln wollen, ob sie ferner dem Staate das Rech« der direkten Ernennung des DirectorS und ersten Oberlehrers der Anstalt zugestehen wollten, fall« derselbe eventuell für daS entstehend« Defiüt eintret«. Wie da« genannte Blatt hört, haben sich bi« jetzt beinah« all« Städte mit großer Majoriät für paritätisch« Gymnasien ausgesprochen, selbst die speetfisch-katholischen. Vermischte und neueste Nachrichten. Kaueturg. Unlängst wurde hier in lleinerem Kreise ein schöne«, luder jetzt auch selten gewordene« Fest gefeiert, ein 8ijum (Schlußfeier) über die Tora. Bei der 25jährigen Jubelfeier des seligen Ehacham hatten nämlich die jungm Leute hierselbst dem Jubilar ein« Torarolle verehrt, worauf er ihren Wünschen zuvorkam und ihnen offerirte, wöchentlich einen Bortrag zu hasten und zwar die Thora der Reihe nach ihnen zu erklirr». Leider war dieser lehrreich« Genuß nur eine kurze Zeit den begeisterten Jüngern zu Thril; ein früher Tod endete da« Leben de« Lehrers. Ein würdiger Schüler desselben übernahm die Fortsetzung dieser Vorträge; eS ist dies Herr Di. Nathan, ein Mann, der in seiner schlichten Einkachhest und durch seinen tadellosen, musterhaften, echt religiösen Lebeniwandel belehrend auf Jung und Ast wirst. Während er an den Wochentagen als erster Lehrer an der Talmud-Thor» mit dem best« Erfolge seit 25 Jahren thätig ist, versammeln seine Sabbath » Vorträge, in welchen er di« Thora im Sinne und im Geiste seineruhmvollen Lehrer« lehrt, eine groß« Anzahl achtbarer Männer, di« »nt Begeisterung auf dessen Erklärung lauschen. Zu« zweitrn Male nun feierten diese Männer nach dem Tod« de« Chacham den Sijum. Bei dem Festmahle wurden Herrn Nach an eine Dankadresse, ein silberner Chanukaleuchter und andere werthvolle Gabe» überreicht. (Z. Pr.) 0tei»i i, Der hiesige Localverein der All. i«r univer. hat den Beschluß gefaßt', die Integrität seiner bisherigen Beziehungen mit der Alliance in Pari» aufrecht zu halten und jeden Anschluß an Berlin abzulehnen. Die übrigen oberschles. Verein« sind zu gleichem Vorgehen etngelad««.. Aeotofchl» Auf Anregung unsere« Rabbiner« ist hier ein Filialver-fn der „All. Isr. Univ." gegründet «vorden. Derselbe zählt berettS 75 Mitglieder. Märäi fch-Jiriedkaud, 26. December. (Orig.-Corr.) In Folge brr vom hiesigen Local-Eomite der All. Isr. univ. an die Rack bargemeinden ergangenen Aufforderung zum Anschluß find dieser Tage mehrere Mitglieder aus Deutsch-Krone, KallieS und Tütz dem Vereine beigetreten, und hoffen wir, daß von den Aufgefordeten noch viele diesem Beispiele folgen werden. — Daß auch da« hiesige Eomitr einen Protest gegen die in Berlin beabsichtigte Trennung eingesandt hat, sei bei dieser Gelegenheit hier mitbemerst. §zer»,'»ttz, 16. Dezember, vorgestern »ollzog sich eine für die hiesige Gemeinde wichtige Thatsach«, nämlich die Reuconstituirun» der Gemeind« durch die Neuwahl eine« neuen CultuSvorstiinde« (auS sieben Mitgliedern bestehend), sowie der übrigen Functonäre kür die nunmehr wieder ein Ganzebildend« Irdenschaft. Da« Srgebniß dieser Neuwahlen, bet denen die liberalere CultuSpartri einen vollstäadtge« Birg über die unbednitrnde orchodore davongetragen hat, erfüllt alle Parteien mit Befriedigung. Der SstburtStag der Kaiserin wurd« in der Synagoge von der einheitliche» Gemeind« gefeiert. Grieß, vr. Formigini, Verfasser einer hebräischen Uebersetzunii der virio» comedi», hat dem Könige ». Sachsen, al« „PhtloletheS" feinem cmfnter io Dante, telegraphisch zur goldenen lechzest gratulirt und auf demselben Wege alsbald de» Dank de« Jubilar« erhalten. -due. Isr.

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