Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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4 die» wem sie auch mich selbst betrifft» doch zugleich eine so! weittragend« Bedeutung involvirt, daß sie alS einer allgemeinen Renntnißnahm« werth erachtet werden dürste. — Am 17. Ooober d. I. wandte ich mich an den Herrn CultuSminifter, um demselben in ausführlichem Expose die Bedeutung der jüdischm Exegese des Mittelalters darzulegen und an rtr Hinweis auf mein auS handschriftlichem Material construittes Raschi-Werk hieran die Bitte zu knüpfen, mir aus Staatsmitteln eine Subvention gewähren zu wollen, um die inItalien angesammelten hebräischen ManuScripte untersuchen »nd literarisch verwerthen zu können. Hierauf ist mir durch das Reskript des Herrn CultuSminister vom 19. d. M. eine Brihülf« von 200 Thalern gewährt worden» mit der Bedingung , daß ich den hebräischen Originalen, welche ich zu ediren xabsichtige, eine Uebersetzung, sei es in deutscher oder in lateinischer Sprache, beigebe oder auch eine solche separat veröffrrtlich«. „Rur auf diese Weise", heißt es in dem erwähnten ReScript wörtlich» „kann die deutsche Wissenschaft, deren .Interesse ich zu vertreten habe, auS Ihrem Unternehmen den wünschenSwerthen volle» Nutzen ziehen, da wie Ihnm nicht unbekannt ist, bi« jetzt nur einige wenige deutsche Gelehrte christlichen Glaubens eine ausreichende Lenntniß der neuerer hebräischen Sprache besitzen, um die in derselben abgefaßte i Originalwerke benutzen zu können." — Eie werden» hochverehrter Herr Redakteur, gleich mir Freud« darüber empfinden, daß zum ersten Male in unserem Baterlimd« der jüdischen Liurratur eine solche Berücksichtigung zu Th< il geworden ist. Bin ich et im Stand«, so werde ich s. G. w. End« k. M. meine Reise antreten, um während «inet längeren Aufenthalt« die handschriftlichen Schätz« in, Rom, Parma, Florenz, Mailand und Turin durch Auwpsir' näher kennen zu lernen. Ich bin so glücklich, bereits der fördernden Theilnahm« mehrerer hervorragenden Gelehrten sicher zu sei». So schreibt mir Professor Fleischer in Leipzig: „Sollte Ihr Wunsch sich verwirklichen lassen» in Parma- Florenz und Rom handschriftliche Studien zu machen, so kann ich Ihnen vielleicht durch einige Einführungtbrief« an dorttg« Gelehue von Nutzen sein." In gliche« Sinn« habe ich Zusagen von den Professoren Delitzsch in Leipzig und Nöldeke in Siraßburg, ebenso von Dr. Steinschneider in Berlin erholter. — Da di« in jenem Land« angehäuften Handschriften di« grnz« jüdische Literatur bit zum Lutgange det Mittelalters umfassen» so werde ich gern« diesem oder jenem an mich zelangenden Wunsch« für eine speciellere Einsicht in eine näher zu bezeichnende Partif Nachkommen und will daher hierauf bezügliche Notizen bi« zur Zeit meiner Abreise mit Berg,lügen erwarten. vr. Berliner, kl. Frankfurterstr. 11. (Die Redaction kann vorstehenden Brief nicht abdrucken lasser, ohne in einem Zusatz« der hellen Freud« über di« mit« gecheckt« Thatsach« Ausdruck zu gebe«. Ja et ist dat Erstemal, daß in Preußen etwa« für jüdisch« Literatur geschieht, nacht «m z. v. in Oesterreich schon oft Staattsubvention für jüd. Grlehrte bewilligt worden ist. Zugleich freut unt di« dem wackeren, fleißigen vr. B. geworden« Anerkennung nichtjüdischer Gelehrten, denn der Minister hat natürlich vorher Erkvudtgung etagezogen und gewiß nicht gerade bet Juden. Dt« gewährt« Unterstützung, obgleich schr anständig an sich, reicht nun aber längst nicht aut — möchten einige reich« Gla-tbenSgenofsen ein« Ehre darin sehen, daß Hr. vr. V. sein« Mission auch erfüllen köunel Wir «ollen nicht etwa eine Subscription eröffnen, wir sind dazu nicht aufgefordert, und es paßt nicht. Zur Vermittelung sind wir jedoch mit Freuden bereit!) Stettin. Ende December. Wenn wir am Jahresschlüsse einmal wieder auf die von uns angeregte Petition in Betreff deS jüdischen Schulwesenzurückkommen, so geschieht diet sowohl um die Angelegenheit in Erinnerung zu bringen, als auch um den sich dafür Znteressirrnden zu sagen, daß sie nicht etwa „eingeschlafen" fist. Die Vorbereitungen nehmen Zett in Anspruch; da da- Unterrichttgrsetz nunmehr doch nicht so schleunig, wie es den Anschein hatte, zur Berathung gelangen wird, so kann die Vorbereitung mit Bedacht geschehe». ES wird jedoch zweckmäßig sein, hier einigen Mißverständnissm entgegen zu treten, welche rheilt in öffentlichen Blättern theils privatim ausgesprochen worden find, wir bemerken demnach: 1) die Sache kann weder an den Reichstag gebracht, noch von dem Gemeindebund« betrieben werden, da eS sich um rein preußische Schulangelegenheiten handelt. Ob man die Petttion an den preußischm Landtag oder an da- EultuS- Ministerium richten soll, bleibe noch unentschieden. 2) ES ist durchaus nicht unsere An- und Absicht, daß die Petttton von Rabbinern ausgehen, d. h. unterzeichnet und überreicht werden solle, sondern von Gemeinden resp. deren Berttttern. Der Entwurf aber soll von einigen Rabbinern ausgearbeitet werden, weil nicht abzusehm ist, wer eher und näher dazu berufen und geeignet wäre, als solche. 3) Der Schwerpunkt der Petition soll keineswegs in dem obligatorischen Religionsunterricht liegen, wie man vielfach angenommen hat. Selbst wenn die bekannte Verordnung des Ministers Falk, der zufolge kein Schüler mehr zum Besuche bestimmter Religion«- stunden gezwungen werden soll, nicht vorhanden wäre, würden; wir nicht begehren, daß der Staat israrlittsche Schüler in die Religionsstunde tteiben solle. Wir verlangen nur hauptsächlich: ») dieselbe Anerkennung für den jüdffchen Religionsunterricht, wie für den christlichen; d) daß dt« Reltgiontstunden an Staattschulen so gelegt werden, daß di« jüdffchen Schüler ohne schädlichsten Zeitverlust ihren Religionsunterricht genießen können und ähnliche« damit Zusammenhängende o) möglichst« Berücksichttgung der jüdischen Ruh- und Feiertag« für die jüdischen Schüler. Specificirtet können wir hier nicht angeben A. Aus der Provinz Hessen, 13. December. (Or.-Eorr.) Die „Ostdeuffche Zeitung" erhielt dieser Tage einen Artikel, in welchem unserer Provinz der Vorwurf gemacht wird, daß nur zwei Gemeinden dem Gemeindebnnd« beigetreten find. Wir können von Posen selbst nicht die Gründe mittheilen — diesem wundersamen Gemeinwesen, da« eigentlich nur ein Eomglomera» dtSparater Element« ist (dat gilt von jeder großen Gemeind«. Red.) — möchten aber darauf Hinweisen, wie nicht jgerade die schlechtesten und schlafenden Gemeind« sich bisher fern gehalten haben. Ostrowo — wo der Spuck jetzt zu ruhen scheint'— und Pirschen, — wo dt« Btthhamidrasch-Partei wühlt, um an'« Ruder zu kommen nur zu dem Zwecke, um da« Almemor wieder in di« Mitte zu rücken — sind beigetrete». Beide z«ichnen sich weder durch Jntrlligenz noch durch gedankliche« Erfassen der Aufgaben de« Judenthum« au«. Run muß zugestanden werden, daß in diesen und den anderen „indifferenten" Gemeinden jeder „Macher" den Anschluß leicht bewirken kann. Ander» llegt e« da, wo der Sinn für veffere«, für Schule und Synagoge, sich zu regen begonnen hat. Da treten so