Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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421 I Lemberg, fctn 2. Dezember. Ganz unerhört in der Gehte der Judmheit dürste der Vorgang sein, mittelst besten der Neuwahl des Lemberger Cultusgemeindr-DorstandeS, h« am 26. und 27. v. M. statt fand, eine Pression auf Wähler ausgeübt wurde. So unverschämt hat sich der mnon nie aufgedrängt und sein Gewicht in Angelegeun gellend gemacht, wo, wie in religiösen Dingen, das efigehende Selbstbesttmmungsrecht unumgänglich näthig ist. Bon ihren Verwandten, den bisherigen Dorstandsmitgliedazu vermocht, haben sich sämmtliche Directoren der gm Banken vereinigt, eine Candidatmliste ausgestellt, ein Circular in 1700 Exemplaren an sämmtliche Zahler Temprlsteuer, das heißt, an 1700 Wähler auSgeschickt, den alten Vorstand Im Amte zu halten. Ulagt man schon in anderen Gemeinden oft mit Recht die Anmaßung der Geldprotzen, die aus Privatrücksichtrn Bettung der Gemeindeangrlegenheiten an sich reißen; so n diese Reichen dort auch wieder die Sache dadurch gut nachm, daß sie Humanitäts- und Wohlthätigkeits-Znstinen aus eigenen Mitteln gründen und so die Last ihrer schsucht erträglich machm. Hier nichts von alledem; hier n die Reichen die Macht an sich, um durch Bertheilung einträglichen Sinekuren an minder bemittelte Verwandte von der Sorge für die letzterm zu befreim, und es ist I noch die edelste Absicht, die sie hegen, wmn sie sich an Spitze des Gemeindewesens strllm. Hier bmutzte der ölte Borstand dm mächtigen Eimfluß vankdirettorm, welcher in einem capitalarmm Land« wie zim gewiß sehr hoch anzuschlagm ist, schickte Synagogeninde und Synagogendiener als Agitatorm für sich au», so zeigt 'rt sich, daß die nächstm Verwandten sich gegenwählm und wählm lasten: Der Herr Vater seinm Herrn Sohn, Der Herr Sohn seinem Herm Vater, Der Herr Bruder seinm leiblichm Bruder, Der Herr Schwiegersohn seinm Herm Schwiegemater, so weiter und so weiter. ' ' . (Wahrh.) Vermischte und neueste Nachrichten. Aerti». Der „Franks. Ztg." wird von hier geschriebeu: «,Zn unserm M^iem ist in dm letzt« Tagm ein patriotische» Schaustück aufgestihrt wordm. über welche» alle hiesigen Zeitungen inkorrekt berichtm,nämlichdieTrennung der deutschen Luden von der Allianre israölite universelle. Ei ist die» eine Nachwirkung de» deutsch-französischm Kriege», und wenn Diejenige^, welch« jhrm Patriotiimu» auf diese Art beweism wollm, nicht mehr zu der gemeinschaftlichen Kaste beisteuem wollen, so ist da» ihre Sach«, aber wahrhaft naiv ist eS, -wmn die Zeitungen übereinstimmend — also wohl auf Veranlastung der Leiter de» Lunde» — berichtm, daß die Alliance rsraälite universelle fortan dm Ramm „Bund der deutschm Israeliten" führen würde. Der Bund der deutschen Zsrarlitrn unterscheidet sich, wie da» schon im Namen liegt, wesentlich won dem alten Verein dadurch, daß er nur deutsche Juden umfaßt, während dem alten Verein Juden aller Nationen, und zwar die hervorragendsten Glieder dieses Stamme» in England, Frankreich, Sp mim, Holland und Italien angehörten. Ob es dem deutschen Vereine gelingen wird, so viel für unterdrückte GlaubeiSgenoffen zu leisten, wie der alte Verein geleistet, bleibt al zuwarten; auf jrdm Fall scheint uns diese Temnung kein hervorragende« Zeichen der Humanität, welche doch die Sttster dieses Bunde» auf ihre Fahne geschriebm haben." AerN». Die „Vussische Zeitung berichtet: Am Sountag hat in der Nähe von AltLandsbrrg ein Zagdunglück stattgefunden, das in dm betreffenden hiesigen Kreisen große Thrilnahme erregt. Herr Julius Markwald, einer der Chef« des hiesigen großen Wollgeschästs Israel Marcus Söhne, veranstaltete au' dem von ihm gepachtetmZagdrmiere bei Alt-Land-brrg eine große Jagd, an welcher u. A. auch der siebzehnjährige Sohn Max de» gmannten Herm und der Zäger-Lieutmant O. Theil nahmm. Eine von dem Letzterm abgeschoffene Kugel ricochettirte so unglücklich von einem Baume, daß sie d:n singen Markwald gerade vor die Stim traf und bi» in das l-ehirn drang. Ungeachtet der Bemühung« der geschicktester auf Requisition herbeigeeiltm hiesigen Aerzte trat nach wenigm Stunden der Tod ein. Leipzig, 9. Deccmber. Zn der gestrig« Sitzung wurde Hr. Kohner wieder zrm erst« Vorsteher Hr. Nachod zum Stellvertreter, sowie rie HH. Schinheimer, Werthauer und Lüstig, zu Gemeinderäthen gewählt. Aeuthe», (Obcrschlesim) Herr Rabb. vr. Rosmthal Hierselbst hat da» Rwisorat über die hiesig« jüd. Schul« erhalten. Aar»», 5. Tecember. Unser seitheriger Landtagsabgeordneter, Herr M. Edinger, der »egm seine« biedem Charaktert und seine» «mschmfreundllchm Wirk«» sich hier der allgemeinsten Achtung «rsteut, wurde gestem mit riner glänzend« Majoritä wiedrrgewählt. Mfag, 13. Dec. Die „Wahrhe hat mst No. Ü0 zu erschein« aofgehört. LuubeuSurß. Herr vr. S. Groß, der seine Ausbildung am Seminar zu Breslau erhalten, ist von der hiesig« Gemeind« zum Rabiiner erwählt worden. ArLstet, 8. 2)«cimber. Die gestern erfolgte Zahlungs- Einstellung der kaihollschm Bank „Union" macht ungeheure» Aufsehen. Fürst Crloff verliert allein eine Million, der Peterspfennig 1,100,(00 Franc», welche von dem päpstlich« Nuntius deponirt »»arm. Der gesammte katholisch« Adel Belgim» ist betroffen. fLangTand-D imonceanx, Dachau, Union undtuttiquanti — was würde »um sagm» wenn in jüd. Kreisen derartige» vorkäme f) Londs»», 5. December. Herr Simon Ascher, der erste Dorbeter' der großm Synagoge in London, ist nach 43jähriger Amttzthärigkeit vm einig« Tagen im Alter von 83 Zahrm gestorben. Madrid, 7. Der. Der König von Spanien hat den hiesigen Bankier David Weisweiller baronistrt. (Ärch. Zsr.) (Der Envähnte stammt aus Frankfurt a. M. und vertrat bereitvor Jahrzehnten das Haus Rothschild in Madrid.) Hkaris. Der israelitische Architekt, welcher dem Bau de» Tempels in der Lue äe I» Vietoire leitet, ist von Thier»