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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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420 1 diesÄ Paragraphen in Zukunft Vorsteher und Repräsentanten haben" aber auch unter den Juden Principim-Linke, diese cultuelle und rituelle Angelegenheiten durch ihre Stimmabgabe reichten ihren orthodoxen Brüdern die Hand, das Band der in Widerspruch mit der ausgesprochenen Meinung des Rabpolitischen Gesinnung verknüpft sie mit ihnen, und solchergebimn feststellen können; Männer also, die vielleicht gar keine j statt entstanden die Politik-RechtSgläubigen. Sie sind eigent- Kenntnisse von dergleichen Dingen haben, denen vielleicht alle- , lich von der Rechtgläubigkest sehr weit, richtiger ganz mt- Religiöse veraltet gilt, würde es auf solche Weise beikommen j fernt, aber der Politik zu Liebe ist ma» gar orthodox,*) gekönuen, Bestimmungen zu treffen, die von der größten Trag- > nirt ja gar nicht, die Religion bleibt dabei'dennoch vor der wette sind. Die Bedeutung, die dieser Paragraph für daS! Thüre. friülich« Fortbestehen der Gemeinde in ihren wichtigsten Jnstitutionen hat, hat denn auch einen sehr lebhaften Kampf zwischen der conservativen und fortschrüllichen Partei bei der Wal st von Vorstand und Repräsentanten Ende November und Anfang December hervorgerufen; sie ist zu Gunsten der letzterer ausgefallen. Akt«««. Von den kürzlich gewählten 9 Mitgliedern des Repräsentanten - Collegiums der hochdeutschen Zsraeltten- Gm rinde in Alwna hat Herr R. L. Engel die auf ihn gefallene Wahl abgrlehnt und wird demnach eine Neuwahl erfortx-rlich sein. Die Constituirung der beiden Körperschaften der Gemeindevrtwaltung der hochdeul>chen Zsraltteiigcmeiude hat stattgefundm und die Bureaux sind gewäblt worden. Vorsitzender des Aeuieindevorstandes ist Rechtsanwalt Jul. Heymann. Im Repiäsentanteu-Collegiun, wurde zum Vorsitzenden gewählt Zacrb Bing. Für die einzelnen Verwaltungszweige sind folgt ude Commissionen, welche aus einem oder nuchreren Borstehe m, Repräsentanten und Gemeindebürgero -usammengesrtzt sind, gewählt: 1) Commission für die HauptuudCassmverwaltung. 2) Armen-Commissiom 3) Schul- Comuüssion. 4)Synagogen-Comuiljsion. 5) Begräbniß-Commission. 6)Bau- Comnission. 7) Die CultuS-Eommisfion: diese wird.nicht in der iSSeise der übrigen Commissionen gewähtt; dieselbe besteht nämlich aus dem Ober-Rabbiner als Vorsitzenden, 2 Rabbinats-Affefforen und 2 vom Ober-Rabbiner vorzuschlagenden und durch Gemeindebeschluß zu ernennenden Gemeindeburgern. Oesterreich. X. 6. A«s N»ß«r». 1. Dezember. (Orig.-Cor.) Diefis Jahr gab es vor den hohen Feiertagen Gsd. nicht 'wie im vorigen Jahre von pikäntm Dingen zu erzählen, man hat sich in den Synagogen würdevoll betragen, Parteistrettigketten störten nicht die Weihe der heil. Zeiten. Auch ein Fortschritt, der ixgistrirl zu wrrden verdient, denn nach der im vorigen Jahre von hochfrommer Seite kundgtgckme Rauflust ließ sich eine Steigerung deS Kampfeswuth erwarten, gar mancher Stuhlrichter hatte schon Vorbereitungen getroffen die kleinen Revolutionen nieder zu halten, und war vielleicht im Innern untriftlich, einer so guten Gelegenheit, seine Taktik zu zeigen, verlustig worden zu sein. Man tolerirt stch wohl noch nicht gegenseittg, aber man hat auch nicht mehr Lust in, Kampfesreihe zu treten, und selbst dir gegenseitigen Schimpfereien sind nur roch schwache Rachklänqe der seligen vlüthezeit eines „gewiffeu Blattes." Ein Aufflackern der Strettigkriten zeigte sich in einigen Gemeinden im vergangenen Sommer gelegentlich der Landragsumhlen. die Orthodoxen haben noch die Rede Jokai'S, welch: ihnen znm Sieg« verhalf, frisch im Gedächtniß, und aus Dankbarkeit schaaren sie sich unter Jokai's Fabne, sie . In mancher Gemeinde bleibt leider die Religion vor der! Thüre, wie z. B. in der Gem. Ng., diese bekennt sich zu kettier Partei, aber nicht aus Religion, sondern weil die Herren daselbst das Ding „Judenthum" gar zu unbedeutend finden, um sich zu einer Partei za schlagen. Der Rabbiner, ein Mann aus der allen Schute, erzielt mit seinen, Derajchoth , nichts, die Leute beachten nicht einmal, daß er iu, Schweiße seines Angesichtes die Verse aus der h. Sch. zu Dutzenden , verdreht und die Mideraschim unverständlich zu machen stch aus Leibeskräften anstreagt, eine regelrechte Predigt würde vielleicht auch keine magnetische Kraft für sie haben. Im nächsten Frühjahr soll daselbst mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen wrrden, sie wird ganz nach altem Ritus erbaut, dm guten Leutm wäre es auch anders ganz recht; würde der Rabbiner dm Almamor in der Mitte und dazu die Orgel wünschm, auch dagegen wäre keine Einsprache. Das ist der Jndifferentismut in ‘ voller Rüstung, man opfert die paar Kreuzer für die Religion, das ist aber auch daS Ganze. Solche Uebelstände zeigm sich mehr oder weniger in dm durch dir Freizügigkeit neu entstandmen Gemeindm, die aus aüm Richtungen der Windrose herbeigeströmten Mitglieder habm keinen Gemeinsiun, das Khillelebm. welches ihre Freihett beschränkte, schien ihnen eine Last, uud mtt de« Lieblingsvers, „ctn freies Leben führen wir" frei von Religio» zieh« sie in die nme Heimath ein. Für solche Gmieinden giedt es nur «iu Heilmittel; eine Bereinigung sämmllicher Gemeindm des Landes würde dies« auch auS ihrer religiösm Versunkenheit herausheben, es müßten ebm Mustergemeiode» »orhandm sein, dmm vachzueifern «in point d’ heniMur wäre. Die unglücklichste Idee, welch« dem Gedeih« des jüd. Gemeiulebms so uachtheilig ist, ist die von der falschoerstandmw Autonomie der Gemeindm, dir leider von Parteiführem der Orthodox« zur Ausbeutung ihrer Zwecke, angegriffea wurde, dadurch beharrt jede» Gemeiadchm bei seiner Zsolirthett, und hält die eingelebten verrottet« Zustände für allein seligmachmd. Eine Vereinigung d«S uug. Israel ist aber kaum zu, bewerkstellig«, selbst bei Gemeind« von gleicher Partmrichtung; di« «iuflußreichm Männer übemehmm sehr gerne das Borsteheramt, allein ihr Geld (davon schreibt sich grißtentHeils ihr Einstuß her) «acht sie noch nicht fähig, einer jüd. Gemeind« vmzusteh«, ein solcher Vorsteher glaubt gmug gethan zu Hab«, wenn er hie und da am Sabbat das BethauS mtt,1ettzem Besuche beehrt, sich zur Thora ruf« läßt, geg» Aufnahme eines Rabbiner». all« Hebel in Bewegung setzt „da ste sammt und sonders Pfaffen sind," in Wirklichkeit aber fürchtet er, der Rabbiner könnte mehr sein wollen als eipe Drahtpuppe des gestrmgen Her« Vorsteher», vielleicht gar auch Einfluß gewinnen, und die vorsteherliche Herrlichkeit vernichten. gab« ihr Votum durchaus keinem „Rechten." Das sind also in unserem politischm Leb« die „Dankbarkeits-Linkm," wir j *) StdigUfc und politische Ansichten lassm sich im Judenthum vollständig auseinander hatten. (Red.)

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