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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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412 StUac, ton 5. December. Bei der gestern stattgefunden« n Repräsentanwahl der israelitischen Gemeind« erhielten die zwei o«n beiden Parteien aufgestellten Candidaten die meisten Stimmen, und zwar die Herren H. Heinemann und B S. Engel, außerdem wurden 3 von der orthodoxen Seit« imfgestellte Candidaten, nämlich die Herren A. Cohn, MosesGoldschmidt» S. Fleischmann und4von der liberalen Sette in Borschlag gebrachte Candidaten, die Herren I. Bing Martir Wiener, M. Liepmann und B. Tobias gewählt. Es hatten sich im Ganzen 255 Stimmberechtigte bei der Wahl betheiligt. Allüttche», 4. December. Bei der Constituirung des «rgänzttu Gemeinde-Collegiums hat der bisherige Borstand desselben, der jüdisch« Bankier Guggenheim«r, durch Wiederivahl ein« wohlverdiente Genugthuung für die Angriffe erhalte«, welch« ihm wegen seines Glaubensbekenntnisses von der ultr Montanen Parteipreffe zugefügt worden waren. Schon vorher hatte der Wahldistrict, besten Vertreter er war, den Mann dadurch geehrt, daß er dieses Mal mit einer weit größere« Sttmmenmehrheit al» vor drei Jahren gewählt wurde. Die systematische Verhetzung der jüdischen Mitbürger ist übrigens ein Grundzug des baierischen Ulttamontanismus. In der Press« wie in den Volksversammlungen wird das in der ungebildeten bäuerlichen Bevölkerung bestehend« Borurtheil gegen l-ie Jude» mit allen Kräften, und namentlich mit der Kr »ft der Lüge, zu verstärkrn und auszunutzen gesucht. So soll!« «uh der Kampf gegm die ftomm«, echt katholisch« Dachaus Bank einzig und allein von den Juden herrühren, welch« sich eine tugendsame und gottesfürchttge Concurrentin in der «Spitzeder vom Halse schaffen wollten. In einzelnen uftramottauen Blättern ist sogar mtt den derbsten und deut-, lichste» Ausdrücken eine neue Judenverfolgung nach mittel-, ^alterlichr Art hrrbeigewünscht worden. Gensd'armen und Zuchthars sorgen schon dafür, daß diese Bäume nicht in de« Himmel wachsen. Der „BolkSbote", deffen LebenSfaden immer dünner wird, droht der Stadt mit der Rache de- Himmels,. besonder» jetzt, wo der „Jude'', statt verbrannt zu werden, wieder zum Vorstände d«S Gemriode- Collegiums erwählt, wurde. Im „Vaterland" werden zwei Utramontan« namentlich bezeichnet, welche mtt ihren fortschrittliche» College» für ton,^J«den" gestimmt haben. Oesterreich. Ai«»». Ein hiesiges Blatt beschwert sich mit vieler Bitterkeit über den Vicrpräsidentm der Synode, Dr. Geiger in Berlin, »dl dieser seinem gegebenen Versprechen, di« Protokoll der Synode zum Druckt zu befördern, bis jetzt noch nicht nachgekommen. ES richtd bi« Frage an ihn: „Wtit welch«« Recht« dürfen Ei« den Gemeinden, welche die Synode beschickt jaden, dürfen Sie der Partei, deren Führer Sie sind, der gebildeten Wett, in der Sie als Fahnttäger des Fortschritts und der Reform gelten, die Beschlüffe an deren Zustaudekomme» Sie selber so eifrig mitgearbcit haben, so lange Zett vorenthalte»? Ist es Ihr« Absicht die Synode zu diSeredittren, so legen Sie dnfach das Ehrenamt, das Ihnen dieselbe übertrag« lütt, nieder, und sagen Sie sich von der Partei los, die Zhueu so lästig ^geworden ist. Oder schäme« Sie sich etwa d>r Berathungen, die da gepflogen, der Beschlüffe die da gefajft wurden, so sprechen Sie zum Jubel aller bigotte» Gegner d» pater peccari, daß im Himmel alle Engel über den rerkgen Sünder aufjauchzen, aber nithigen Sir nicht Ihre vormaligen Gesinnungsgenoffen durch ein erzwungenes Todffchwdgen eine vermdntliche Zustimmung auSzndrücken.". Dr. Geiger und der Präsident Prof. Lazarus «äffen ganz besondere Gründe haben, die Veröffentlichung der bdr. Protokolle sehr zu verzögern; denn es ist undenkbar, daß der Richtveröffentlichung nur Nachlässigkett zu Grunde liegen sollte. (Hebr. Lead.) F^rag, den 6. December. (Or.-Corr.) Die Brtheiligung an der Wahl von 7 Gemeindevorstehern seitens der Mitglieder der Neu-Synagoge war am Sonntag ein« sehr bedeutend« zu nennen, von den 320 Mitgliedern betheiligten sich 226. Gewählt find: Julius Reitler, Eftaim Lö bl, Rudolf Reach, Moritz Grab, Ignatz Hock, MarcuS Gerstel und Wilhelm Glogau mit 223 Stimmen als Sygnagogenvorsteher. Beschlossen wurde, den Prediger Dr. Tauber wieder auf 3 Jahre aufzunehmen, und die Synagoge zu r-noviren. Herr Eimon Jacob Bunzel Zuckerhändler wurde als Ehrenvorsteher wieder gewählt. Staniöka», den 1. December. Bekanntlich bestanden in den älteren 18 Krdsen Galizien» — nachmal- Ostgalizien genannt — vom Jahre 1769 bis 1806 jüdisch-deutsche Normalschulen, zu deren Erhaltung die dortigen Juden verschiedene Beiträge ldstden. Nach der im Jahre 1806 erfolgten Auflösung dieser Schulen wurden im Jahre 1808 die bi» dahin in Ersparung gebrachten Kapitalien d«S Ost galizffchen jüdischen Schulfonds im Gesammtbdrage von 256,628 Fl. dem ostgalizischen katholischen Normalschulfonds dnverleibt. Im Jahr« 1859 reclamirte der israelittsche Cultusvorstand in Leinberg diesen ausschließlich der ostgalizffchen Judenschaft gehörigen Schulfonds, und in Folge a. h. Entschließung vom 4. Juli 1860 wurde im Jahre 1864 der Betrag per 117,200 Fl. Oe. W. als Aequivalent de» jüdischen Schulfonds wirklich ausgeschieden, und wird dieser, mittlerweile durch Fructtsicirnng auf circa 140,000 Fl. Oe. W. angewachsme Bettag jetzt zur Subventionirung der wenigen confesstonellen jüdischen Schuld» v«rn»endd. Der Landesausschuß, in dessen Mitte die 500,000 Juden gar kdnen Repräsentanten haben, kam in jüngster Zdt auf den Gedanken, diesen zwdfellos jüdischen Schulfonds seine» Charakters zu entkleiden und ihn dem galizischen und Krakauer Normalschulfonds einzuverleiben. Zu diesem Behuft hat torselb« dem Landtage unter den übrigen Vorlagen auch den Entnmrf eines derartigen Gesetzes zur Beschlußfassung unterbreitet. Wie wenig du solcher Anttag beim Landtage auf Opposition stoßen würde, läßt sich um so lttchter voraussehen, als dem dnzigen Vertreter der Judenschaft so viele Judenfeinde, wie Torostewiez und Krzeczunowicz, entgegenstehen und die bei jeder Gelegen hdt bewiesene Antipathie gegen die Jclden zu den sogenannten „Eigenthümlichkeiten" Galiziens gehört. Angestchts dieser drohenden Gefahr haben sämmtlich« jüdische Cultusvorstände Ostgalizien» — jener Lemberg'» an der Spitze — dm energische Petitton beim Landtag« überrdcht, in «vrlcher sie die handgreifliche Ungerechtigkeit dieser projectirten Antastung ihres ausschließlichen Eigenthums Nachweisen und um Verwerfung deö ftaglichen Anttages bitten. Der ffrarlittsche Cultusvorstand in Lemberg entschloß sich, auch an da» Ministerium sich mtt der Bitte wenben, damit in ähnlicher Wdse, wie dies in Mähren im Jahre 1869 geschehen, der gedachte SchulfondS in dgene Verwaltung der Juden übergeben werde. (N. fr. P.)

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