Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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406 was ihn und seine Gefährten zum Uerbertritt bewogen habe, konnte ich nicht erkunden; so mußte mir die ganze Sache räth'elft bleiben. Ich sendete den Mann nach Berlin. Jetzt läßt sich leicht errathen, daß auch dieser zu den Sabotniks gehört hatte. Die im Zsraeltt bezeichnte Person selbst ist er jedoch wohl nicht gewesen, da er offenbar keine genauere Kenrtniß des Hebräischen u. s. w. besaß. Am Succath starb hier Jacob Same, 113 Jahr alt. Er war Kinderarzt, hat tausende von Kindern behandelt (die armen stets unentgeltlich) und am Leben erhaltm. Er war bis ans Ende im Besitze seines vollen Augenlicht», bedurfte keiner Brille, seine Zähne waren vollständig vorhanden, und er war noch im Stand« mit ihnen Nüffe aufzubeißen, nie war er erheblich krank gewesen und — er war stetS zufriedenen, heiteren Gemüths. Daher warnte er noch auf dem Sterbebette die Umgebung, daß fie vor Neid, Sorge und Mißmuth sich hüten sollten, denn daS sei gefährlicheals alle Krankheiten. Vermischte und neueste Nachrichten. Metz. „Univ. Isr." bringt eine Correspondrnz auS Metz welche, gegenüber den sonst stets klagenden und anNagenden Berichten, einiges Erfteuliche und Anerkennende enthält. Die Milttairbehörde hat ein großes Stück Land zur Vergrößerung des jüdischen Friedhofs abgelassen, was früher nicht zu erlangen gewesen war Der alte Friedhof, dm die Militärbehörde auS Unkmntniß in Bearbeitung gmommm hatte, ist auf die erste Remonstration in Ruhe gelaffm worden. Die Wohlthä tigkeitSanstaltm setzm ungeschwächt ihr Wirken fort. Trotz der Auswanderung hat man selbst am Laubhüttmfeste die Synagoge nicht schwächer besucht gefundm, als früher. Es müsim also nur geringzählige Familien fortgezogen sein. Die Anglo-Zewish Association erläßt einen Auft uf zu Beiträgm für die Zwecke der Förderung der Schulbildr ng unter dm Iudm im Ostm und besonders zur Sitz alting der Ackerbauschule zu Jaffa. Beigefügt ist ein Brief von Prof. Grätz an den Präsidmken der gmannten Gesellschaft, worin das erfolgverheißende Wirken der Schule zu Jaffa nach eiger er Anschauung geschildert wird. Die Mittel der Alliance, welche sowohl diese Schule, wie andere im Orient gegründet Hab« und das Bedürfniß, noch mehrere ähnliche Institute ins Lebe» zu rufm, erkenne, seien unzureichend. Es würdm die bestesenden Änstaltm, zunächst die mit Schulden behaftete Zaffrschule, geschlossen werden müssm, was in jeder Beziehung zu bedauern wäre. Die A. I. Affociation hat daher ein beonderes Comitä (Borfitzmder R. D. Sassoon in London) niedergesetzt, um zu fraglichen Zweckm speciell Beiträge und Fouls zu sammeln. Weitere Auszüge aus dem Memorandum, welches die Ersprießlichkeit des Zweckes darlegt, zu geben, ist wohl nicht nöthig. Die Sache spricht für sich selbst. Ae»-P»rt In einem Schreiben an dir „Iew. Tim." berichtet ein nammtlich Unterschriebener: Ich Hane mich zum Einti itt in die Compagnie A. des 22. Regiments der Miliz geme det, um meine Pflicht zu erfüllen. Ich wurde ballotirl, rwälilt, beeidigt — da eröffne» mir auf einmal der Capitän, die Compagnie habe vor 3 Iahrm beschlossm, keinen Juden aufzr nehmen, wäre er auch hier Inländer oder Eingewanderter , — er eröffne mir dies im Namen der Eompagnie, damit ich meinen Namen zurückziehe, da die Compagnie unter keinen Umständen von ihrem Beschluffe abgehen werde. — (Also auch in der gepriesensten Republik, in dem Lande der Freiheit, und wie die Titel sonst noch lauten!) — Ein ergötzliches Stück amerikanischen Aufpuffens importirt die „B. und H. Z." aus einem überseeischen Blatte vom 2. November. Der Humbug lautet: „Die Regierung ist benachrichtigt worden, daß eine Colonie rumänischer Juden in Amerika gegründet werden soll, und Verhandlungen find angeknjlpft worden, um einen Strich Landes von 250,000 Acres anzukaufen. 40,000 Israeliten sollen auf diese Weise angesiedelt werden und andere Abtheilungen folgen, sobald die erst mit Erfolge sich eine Heimath gegründet haben wird." Ktzarkefto«. Die Erwählung des Herrn Mooses aus Charleston zum Gouvernor des Staates Süd-Carolina, giebt uns den ersten vom Volke erwählten jüdischen Gouvernor in den Vereinigten Staaten. Der Vater des erwählten Gouvernors ist Oberrichter des genannten Staates, und er selbst war seit einer Reihe von Jahren Vorsitzer des Unterhauses. Moses ist der Sprißling einer alten portugiesischen Familie, die seit vielen Jahren im guten Ansehen gestanden, und auch thättgen Antheil am jüdischen Gemeindleben genommen. Die unlängst von uns mehrerwähnten giftigen Artikel der Rep. Irans, finden daselbst noch Fortsetzungen. DaS Tollste von allem Tollen ist wohl die Behauptung, es sei ein Verbrechen seitens der Juden gewesen, ihre Nationalität gegen die siegreiche Obmacht und Civilisatio» Roms vertheidigt zu haben. Daß das Organ Gambetta's dies sagt, läßt die Behauptung noch wahnwitziger erscheinen. — Zn der Liberts haben jene Ausfälle einen geistreichen Abfertiger gefunden, Alb. Blanquet» Pseudonym: Chrysal. Wir citiren einen Satz, der leider auf viele judenfeindliche Lüeraten paßt. „Offenbar sind die Verfasser der Arttkel und der Redacteur des Blattes in ihrer tollen Jugend einmal Opfer eines schmutzigen Brillenhändlers oder eines Pfandleihers und Wucherers geworden, den sie schließlich nicht bezahlt haben. Daher sagen sie nun: so sind die Juden alle. Gerade so, wie jener Engländer, der an einem regnerischen Tage nach Florenz kommt, und in sein Notizbuch schreibt: in Florenz regnet es immerfort! Kurt«. Der Cassationshof hat eine sehr wichtige — , auch für deutsche Juden interessante — Entscheidung gegebene In Folge der neuen Gesetzgebung seil 1848 hatten die israelß Gemeinden Piemonts ihre auf den veralteten Statuten und Gesetzen fußende Stellung verloren, damit war zugleich das Recht executivischer Beitreibung der Gemeindesteuern gefallen. Sie hielten nun einen Congreß in Vercelli, auf dessen Antrag im Jahre 1857 ein neues Gesetz erging, welches die Gemeinden zur Besteuerung berechtigte. In Folge der Annexionen wurde dies Gesetz allmälig auf ganz Italien ausgedehnt Gleichwohl verweigerte ein Israelit in Ancona seit Jahren die Gemeindesteuer, vorgebend, daß er dem isr. Cultus nicht mehr angehören wolle. Er war jedoch Jude geblieben. Auf den Grundsatz „freie Kirche im freien Staat" fußend, hatte das Gericht in Ancona dm die Steuer einklagendm Vorstand abgewiesen. Der oberste Gerichtshof hat dieses Erkeuntniß aufgehoben und auf Verpflichtung zur Steuerenttichtung erkannt. — Wir werden einige Motive aus dem Erkmntniß nachtragen.