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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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407 Ko»sta«ti»opek Der Großvezier hat dem griechischen Patriarchen befohlen, dm Erzbischof von Zanina abzusetzen und nach Constantinopel in's Gefängniß zu schicken. Derselbe hatte nämlich die Griechen zur Plünderung der Juden aufgereizt und dadurch, nach der Meinung des Großveziers die türkische Regierung in Europa in Mißkredit gebracht. (Habazeleth.) Aastimore, den 12. November. Herr William S. Rayner, einer der gebildetsten und reichsten hiesigen Israeliten, hat ein prachtvolles, in einer gesunden und romanttschen Lage stehendes Gebäude zu einem israelittschen Waisenhause geschenkt. Das palastähnliche Haus liegt in einer geringen Entfernung von der Stadt, ist durch eine Pferdeeisenbahn leicht zugänglich und besitzt alle Erfordernisse, die es zu einem Waismhause geeignet machen. Ein großer Garten und Spielplatz umgebm da» Gebäude, und der hochherzige Geber hat mit bedeutendem Kostenaufwand« dasselbe höchst dauerhaft und geschmackvoll renoviren lassen. Allgemein wird der Werth des Geschenkes auf 30 — 40,000 Lstrl. veranschlagt? Da bereits ein Fond» von § 18,000 vorhanden ist, der durch hochherzige Gaben der hiesigen Israeliten in den letzten Monaten angewachsen ist, so ist zu hoffen, daß mit dem nächsten Frühjahre da« Waisenhaus eröffnet werden wird. Niemand hätte geglaubt, daß dieses Institut so bald einen gesicherten Bestand erhalten würde; und Herrn Raymer gebührt in hohem Grade die Anerkmnung und der Dank aller Menschenfreunde. Auch Madame Rayner, der edlm Wohlthätertn vieler Armen, muß rin Theil des Verdienste« ihres Gemahls zugeschrieben werden. Balttmore besitzt nun zwei großarttge Wohlthätigkeitsanstalten, nämlich da« israelittsche Hospital im Sußerstm Osten und daS Waismhaus im äußersten Westen der Stadt. (H. Tim.) Meckke»d»rg-Fch»eri», 13. November. Zum erftenmale hat in dem hmte eriffneten Landtage ein Israelit, der Eommerzienrath Salomon, einen Sitz eingenommen. W«i«z. Die nach der „Iüd. Volksztg." von uns in Nr. 47 gebrachte, von Rabb. vr. Lehmann gehaltene Grabrede betreffend« Nachricht wird im „Isr." als unwahr bezeichnet. Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. Original > Novell« au« »*m jüdisch»amerikanijchen Leben »an 3- A. Lichtender? in Ncw-Y«rk. (Sortfcgung.) „Bärchen, Sie sind ein niederträchtiger Schuft!" unterbrach ihn der Doctor hier, „diese abscheuliche Betrügereien haben Sie wohl im Zuchthause gelernt?" „Aber Herr Doktor, sagte Bärchen beschwichtigend, das nennt man ja in Amerika nicht betrügen, da« heißt smart sein, und wohl Ihnen, wenn Sie es auch so machen, sonst prophezeie ich Ihnen, daß Sie in ihrem Leben zu Nicht» kommen." „Einerlei, fiel Moritz ein, lieber Hunger leiden, als solche Klugheit an de» Mann bringen, ich aber werde Ihnen und allen diesen smurten Leuten beweisen, daß man es mit Ehrlichkeit auch in Amerika, wenn auch nicht zu Vermögen, doch zu Achtung bringen kann. Bärchen! fuhr der Dortor sanfter fort, Sie sind ein armer Teufel, wie ich auch, und schon darum mag ich Sie leiden. Sie sind voller Humor und loser Streiche und haben mir auf dem Schiffe manche Stunde erheitert, ich möchte Sie gern als meines Gleichen betrachten, und Ihr Freu», sein; ja wir können in diesem Lande uns vielleicht gegensiittg unterstützen, und unser beiderseittgrs Ungeschick bekämpfen, aber ehrlich müssen Sie sein! Sie müssen alles vermeiden, was Sie nicht vor dem Gewiffen verantworten können. Laffen Sie andere Leute auf diese Weise mart sein, wir wollen dumm bleiben und nicht» wenigsten» nicht in dieser Weise amerikanisch werden. Wollen Sie Bärchen?" „Ja ich will Herr Doctor! sagte Bärchen gerührt, ja und Sie haben recht, und ich bin ein Schlemiehl, drr einen Freund wie Si>:> nicht verdient. Sogleich trag« ich dem armen Menschen iit Uhr wieder hin, und sage ihm, ich sei gar kein Kauh'n." Bärchen rechte dem Doctor die Hand, die dieser herzlich drückte und Bede wandten sich zum gehen, als Bertha «intrat. „Ich muß tausendmal um Verzeihung bitten, sagte Sie, daß ich so lang: abwesend war, eS war nicht meine Schuld, mein Vater ist etwa« leidend, (hier erröthete Bertha leicht) und bedarf melier Pflege." . „Aber Sü sollten noch nicht gehen, Herr Dvetvr, sonst möchte ich glauren meine Abwesenheit habe Sie beleidigt." 1 „8noo$r< mein Fräulein, sagte Moritz warm, ich muß für die Aufm» ksamkeit danken, die Sie einem Ihnen g«az Fremden erwies m, aber erlauben Sie, daß ich mich mit diese« Herrn entferne. und Ihnen viele Grüße für meinm lieben Reisegefährten ruftrage." Moritz hielt treuherzig die Hand hin, und Bertha legte zögernd ihre feinen Finger hinein. Einen lan zen Blick, ja fast zu lang« für eine erste Begegnung, senkte der Doctor in das prachwoll« Auge Berthas, welche das ihr«! nur eine Secunde aufschlug, und dann erröthend, jäh ihi Hand aus der des Doctor« zurückzog. „Wollen Sie uns nicht am Samstage besuchen? bis dahin wird auch der Vater wieder wohl sein, und Tante und Onkel werden ich gewiß freuen Sie wiederzusehen," und hiermit öffnete Beitha dem Doctor die Thüre, der sich in diesem Augenblicke reckt tölpelhaft vorkam. Am Fuße t»r Treppe schaute sich Moritz mehrmals um, aber schon stanr die geschloffene Thüre zwischen ihm und seinem neuen Himmel. Ein tiefte Seufzer drängte sich au« der Brust des jutiftn Mannes, und der nebenhergehende Bärchen bemerkte: „Nn darüber brauchen Sie nicht zu seufzen, lieber Doctor, denn bei Der könnte ich den ganzen Tag sitzen, ohne eS müde zu wi rden, oder erleichtert zu seufzen, wenn ich von ihr käme. Einen ganzen Tag sage ich Ihnen." Ich auch! dachte der Doc:or und seufzte zum zweiten Male. (Schluß des dritten Kapitels.)

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