Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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404 leben. Durch die Anregung eines Mannes, und durch die besondere Muuificenz eines anderen ist ein Znstitut erstauden, das „ein Denkmal fester denn Erz" dastehen und der Nachwelt noch laut die Namen seiner edlen Gründer verkünden wird. - Gestern um 11 Uhr fand die Einweihung des isr. Blinden- Zustimts auf der hohen Warle bei Wien unter Theilnahme einer großen Menschenmenge statt. Der Feierlichkeit wohnte der Statthalter, die Bürgermeister und eine große Anzahl christlicher und jüdischer Notabilitäten bei. Herr vr. L. A. Franill bestieg die Tribüne und hielt die Eröffnungsrede, in der er nach einer kurzen Geschichte der Blinden und der Blind eninftitute aus dieses Haus und dessen bereits in Gott ruhenden Begründer Zonas Freihrn. v. Königswarter zurück kam, dessen große Verdienste um dieses Werk hervorhob, aller anderen wohlthätigen Spender zu diesem menschenfreundlichen Werke, wie Zhrer Kaiserlichen Majestäten, der Erzherzoge, des hochwürdigen Abtes v. Helfferstorfer, vieler Privaten, obenan der v. Königswarter'schen Erben, Erwähnung that und schließlich das Haus dem Schutze des Himmels empfahl. Hierauf vwlas der Schriftführer Herr vr. Wölflrr die Stiftungsurkwrse, welcher wir einige Stellen entnehmen: „Nachdem vr. L.A. Frankl, in richtiger Erkennttiiß des Bedürfnisses, im Zähre 1869 die Gründung eines Bltndea-Znstttuts angeregt hatte, war es Freiherr Friedrich Schey von Koromla, welcher zuerst durch Schenkung einer namhaften Summ« einen Fond für die angeftrebte Anstalt begründete. l2as Werk der Nächstenliebe, den Unglücklichsten der Mens«henkinder zugedacht, ging rasch der Verwirklichung entgegen. Zonas Freiherr von Königswarter gab mittelst Urkunde vom 10. März 1870 dem geistigen Begründer eines Blitrdm-Znstituts, Vr. L. A. F., die Zusicherung, ein Haus zur Erziehung von 50 blinden Kindern aus eigenen Mitteln zu erbauen und vollständig einzurichten. Der hochherzigen That dieses edlen Mannes folgten Stiftungen anderer Menschenfreunde, so daß die Erhaltung eines Blinden-Erziehungs-Jnstituts gesichert erschien. Die Wichttgkeit seiner Mission erkennend, beschloß vr. L. A. F. das Schicksal der so rasch geschaffenen Anstalt einem Vereine anzuoertrauen und bildete ein provisorisches Comitä, bestehend aus den Herren: vr. Engel, Frankl, Mor. von Königswarter, vr. Mauthner, Freiherr v. Schey, Gustav Simon, und vr. Wölfler." Hierauf wird über die Thättgkeit dieses Eomitös berichtet, und c lsdann fortgefahren: „Des vollendeten Baues sollte sich jedoch der edelmüthige Bauherr nicht erfreuen. lim 23. Dezember 1871 entriß ihn der Tod seinem segensreichen Wirken. Der Sohn des Verblichenen, Moriz Freiherr v. Königswarter, sowie deffen Enkelin Frau Fanny Merton, geborene Pfeiffw, widmeten in Ausführung jenes menschenfteundlichen Willens die Mittel zur Fortsetzung des Baues, der nun, mitte» in einem Garten stehend, reich ausgestattet seiner Bestimmung übergeben wird. Das Instttut besitzt derzeit folgendes von vr. L. A. F. aussck ließlich und mit rathlosem Eifer und mü vollster Hingebung gesammettes Vermögen: fl. 120,000 Papier-Rente; fl. 34 ,000 Silberrcnte; fl. 100 Tempel-Schuldverschreibung; ' 2 Stück Donau-Regulirungs-Loose; Baar-Cassa fl. 6539.19; ' Jahresbeiträge von 490 Mitgliedern fl. 5055. — | Ten Plan zu dem Gebäude lieferte der Architekt Wilhelm Etiaßny, welcher auch den Bau leitete und überwachte rc." Wahrlich diese Zahlen sprechen am besten für die Opferfreudigkeit unserer Mitbürger! — Nachdem die Urkunde verlesen worden war, betrat Sr. Erellenz der Herr Statthalter die Trbüne und hielt eine kurze sinnige Ansprache. Er und gewiß noch Diele hätten dm Widerspruch nicht begreifen können, der zwischen den Worten der Bibel: Es werde Licht! und den Geschöpfen bestehe, denen nicht Licht ist, den Blinden. Dank dem Forffchritte ist aber auch diesen das Licht aufgegangen, in dem edlen Wirken wohl'hätiger LLute, deren Munistcenz er zur Nachahmung empfiehlt. — Alles bisher Geschehene war im PtüfungSseale deS neuen Institutvor sich gegangen; nun begab die feierlich gestimmte Versammlung sich in das erste Stockwerk, in den Betsaal, dessen Einweihung Herrn Rabb. vr. Güdemann oblag. Auf das vom Eantor Sulzer mit seiner bewundernswerthen ewig jung bleibmden Stimme abgesungme Ma towu entzündete Herr vr. G. die „ewige Lampe" und knüpfte daran eine sinnvolle Bettachtung. — Nach Absingung einer zu dieser Feier verfaßten Hymne hielt vr. Zellinek die Weihende. Der vom Eantor Sulzer darauf vorgettagme Psalm 21 bildete den Schluß der Feier im zweiten Stockwerke. Man begab sich nunmehr ins Vestibüle, vor die Öffnung, in die der Schlußstein eingefugt werden sollte. Herr Abt v. Helfferstorfer sprach einige schöne Worte, darauf wurde unter den üblichen Hannnerschlägm der Stein, der die Stiftungsurkunde enthält, eingefügt. Ueber demselben befindet sich eine Marmortafel mit dm sinnigm, mit F. (wohl Frankl) Unterzeichneten, Worten: „Hier ruh« in Nacht versenkt der Grundstein diese« Gebäude« „Seinen Bewohnern schließt ewige Nacht auch den Blick, „Senken wir denn der Lehr« Grundstein in Herzen und Geister, „Daß der Erkenmmß Licht, ihnen die Sinne erhellt. Mit der Schlußsteinlegung endete die erhebmde Feier, und es erübrigt uns nur noch, einige Worte über das Haus und desfm Einrichtung beizufügen. Dasselbe, in prachtvollster Lage mitten in einem Garten gelegm, hat Raum für 50 Zöglinge und besteht aus zwei Stockwerkm. Zm erstm finden wir die Lehr- und Wohnzimmer, worunter namentlich der Prüfungssaal eine besondere Erwähnung verdient. Zhn schmücken die lebensgroßm Bildnisse des Kaiserpaars sowie der Gründer der ersten Blinden- Znstttute in Frankreich und Oesterreich, Zohann Hauy und Wilhelm Klein. Oben an dm Wänden sind Bibelsprüche, die sich auf die Blinden beziehen, verzeichnet. Die Räumlichkeiten sind lustig, gesund und practtsch eingerichtet. Möge dieses neue Werk der Humanität fortbestehen für lange Zeiten und seiner edlen Zwecke bestens walten! Zstr«§, 28. November. Seit einiger Zeit begegnen wir in ausländischen Organen sür Zntereffen der Juden und des Zudenthums Berichte über Feindseligkeiten, welche in verschiedenen Orten Böhmms, selbst in der Nähe Prags gegen Zuden verübt sein sollen. Uns ist von derlei nichts bekannt worden, und wir ersuchen unsere ausländischen Collegen bei der Aufnahme solcher Berichte vorsichtig zu sein. Es giebt gar viele schreibselige Leutchm, welche aus jeder Schlägerei, die in irgend