Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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403 — heimer Sprengel schwebenden Wirren: „Die Sache in Betreff der Rabbineranstellung in Hilde-Heim ist noch immer unerledigt. Wir haben bis jetzt auf unsergegen die Fortdauer des Landrabbinats gerichtete Eingabe beim Oberpräsidium keine Antwort erhalten, ob in Folge deS gewöhnlichen Beamtmschlmdrians, «der weil man die Sache wirklich ernstlich prüfenwill, weiß ich nicht; die Gemeinde H. spuckt Feuer, glücklicherweise ist es jüdische- und kein griechische-. Zn einer Eingabe an daS Öberpräsidium hat man nicht vergeffen, die gewöhnlichen Insinuationen über Zndifferenti-muS u. s. w. reichlich einfließen zu lassen. Inzwischen befinden wir unS im Zustande unserer Vorfahren, „da Mn König war in Israel," und wenn wir auch nicht unter Feigenbäumen und Weinstöcken sitzen, so befinden wir unS doch dabei ganz wohl.^ Co weit Herr Prof. Stern, der Leiter der Agitation gegen da- Fortbestehen de- Landrabbinati. In den dieser Mittheiluog vorangehenden Zeilen hatte Stern erklärt, daß er da- Iudenthum nur als die Zwang-jacke betrachte, in welche der Zufall der Geburt ihn gesteckt habe, hatte die Beschlüffe der Synode mit dem päpstlichen Syllabus verglichen, die Beschneidung für einen Faustschlag in da- Angesicht der modernen Bildung erklärt, und ten niederschlagenden Eindruck constatirt, den selbst Geiger'- Auftreten auf ihn gemacht hat. Wer sich nach diesen Geständnissen noch wundert, daß sich Herr Prof. Stern bei dem Interim wohl fühlt, daß er den Rabbiner nicht vermißt, der wäre allerdings schon sehr sonderbar. Auch die Anklage wegen Zndifferentt-muS hat Stern durch sein Verhalten glänzend widerlegt, er ist gar nicht indifferent, sondern mit aller Macht bestrebt, da« Iudenthum, die Zwangsjacke des Zufallder Geburt, lozu werden, Andere davon zu befreien. Deshalb übernimmt er jüdische Aemter, um den Feind in der eigenen Feste aufzusuchen, dr-halb agittttrt er gegen die Wiederbrsetznug de-LandrabbinatS. DaS Iudenthum leidet dadurch» die Kenntniß desselben schwindet bei Jung und Alt, da die Synagoge und Schule ohne Leitung ist; aber daist ja ganz trefflich, daß der Zwang-jacke die Nähte platzen. Nein, Prof. Stern ist gar nicht indifferent, ebensowenig wie Pharao und Haman es warm. Di« Hilde-heimer habm sich im Ausdruck vergriffm. Käthe», 3. Dezember. (Orig.-Eorr.) In der Nr. 48 der Wochenschrift ist die Wahl des Fabrikantm Isidor Herz in Jeßnitz zum LandtagSabgeordnetm mit dem Zusatz berichtet, daß er der erste Jude im Anhallffchm Landtage sei. Dielst ein Irrthum. Bor 2 Iahrm ist hier gewiffermaßm ostentativ, um die Hinfälligkeit einefrüheren Anhalttschen Gesetzes, wonach ein Jude zum Landtage nicht gewählt werden durfte, offmkundig darzuthun, eineunserer hiesigen Gemrindemitglieder Hr. Commissionsrath G. Friedhelm mit 66 gegen bloS 2 Sttmmen in dm Landtag gewählt worden. Es wäre auch dir-mal wieder geschehm, wmn seii Gesundheitszustand ihn nicht gezwungen hätte, eine Wiederwahl abzulehnm. — Es | ist ein eben so erfrmliches Zeugniß sür das gute Einoeruehi men, in welchem wir hier mit unseren christl. Mitbürgern leben,! daß diese Woche der dritte Israelit, Emil Meyer, zum Stadti verordnetm gewählt wurde, obgleich nach Berhältniß der hies.! Gemeinde zur Größe der Stadt und Anzahl der Ltadtverord-! retm nur ein Israelit Anspruch darauf hätte. Freilich ist es eine Thorheir, in solchm wichtigen Angelegenheiten peinlich > auf das berhältniß der Confession statt auf größere Tüchtig-! ,it und richttge Einsicht Rücksicht zu. nehmen. Aber eben - weil diese Thorheit vielerortm noch in Erwägung kommt, ist es erfreulich, sie hier recht schlagend widerlegt zu sehen. z>»r»st«tzt AuS dm Motiven des gegm den „Starkm' burger Botm" erlassenen ErkmntniffeS (No. 48) theilen wir dir entscheidendsten Stellen mit: „Der iniriminirte Artikel cr.thalte seiner ganzm Fassung nach eine öffintliche Beschimpfung der jüdischm Religion-gesellschast, indem er auS angedlichm Lehrm, Gebräuchen und Grundsätzen I-erselben die Verwerflichkeit de- Judenthums zu deduciren suä e, die Judm als eine Mmschmklasse hinstelle, welcht die Ede nicht halte, derm oberste- Princip sei, die Christen zu bttrügm rc. und welche die getrmesten Verbündeten behufS Umstürze» der bestehmdm Ordnung seim und Principim verfolgten, welcht nothwmdig zur Auflösung der bürgerlichm Gesellschaft führten. In diesm Dcducttonm liege aber unzweifelhaft eire Beschimpfung, da eine Religion-gesellschaft, welche solche Principim empfehle, in der That der allgemeinm Verachtung ai heimfalle. Es sei nicht anzunthmm, daß der Srttkel nur einzeln Lehrm de- Tilmud angreifk, da er seiner Spitze nach sich gegen die Iutm richte und dabei keine-wegzwischm Tal» mudistm und bibelgltubigen Judm unterschiedm werde, einmal im Artikel nur der Ausdruck „Schacherjudm" vorkomme, im Uebrigm ober immer nur im Allgemeinm von Juden die Red« sei und somit auch nur da» Judmthum als oerstandm angesrhm wer!»m könne." Ptetitu Bei Gelegmheit der goldmm Hochzeit des sächsischen ÄJr ig-paareS berichtet die „Pesther jüd. Zeig." folgmdm schönen Zug de» König» von Sachsen: „Die Einancipation und di« Gleichberechttgung aller Staatsbürger ist heute, Gott sei Dank, etwa- Natürliche- und Gav-Hnlichein jedem civilisirtm Etaal«. Anderaber war danoch vor 40 Iahrm, wo die Judm in Deutschland in sehr schlechtm und erdrückenden Berhältnisscn lebten. Im Jahre 1833 ,erfaßte der jüd. Gelehrte vr. Beer rin Gesuch der isr. Gemeinde zu DrrSdm an dm sächsischen Landtag (eigentlich an die „erste Kammer"), in welchem um die Gleichberechttgung der Israelitm mit dm anderm Staatsbürgern gebetm wurd< . Der berühmte Professor der Philosophie, Krug, brfüm«ortete und begutachtete diese» Gesuch, welcheauch gedruckt wurde. Bei der Landtagsoersammlung rief diese» Gesuch einm großm Sturm hervor; viele Depntirte wollten diese Bitt« ganz einfach abschlagm. Da trat damals Prinz Johann (der jetzige König von Sachsen) auf und hielt eine Rede zu Gunsten der Juden-Emancipation. Er sagte unter Anderem „So schmerzlich es mir ist, heutzutage im gebildetm Sachsin zu sehen, daß Judm, die so gut Mmschen wie wir sind, erst um ihre menschlichen Rechte bitten müssm, so frmt es mich andererseits, in dem Berichte der Deputatton so wahrhaft m mschmfreundliche Grundsätze aufgestellt zu sehen. Ich glaube, daß man dabei nicht nur Alle» zu vermeidm bat, was eine Beschränkung und Erdrückung hervorruft, sondern daß man auch nicht die Absicht verfolgm darf, durch neue Einrichtungen hie israelitische Jugend für ihren Glauben gleichgültig zu machen." Die Landtag-Verhandlungen hierüber dauer. t«n mehrere Tage und endeten zuletzt zu Gunsten der sächsischen Juden. Oesterreich. E—1. Wien, 2. Dez. (Or -Sorr ) Der gestrige Tag bildet einen Glanzpunkt in dem hies. israelittschm Gemeinde-