Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935658--1467-5371061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

396 Unsere Aussicht«« sind jetzt ans ein Minimum reducirt; die mäßige Beihülst ist pttncipiell von einigem Werth, kann aber feiner: armen Aspiranten beweg«, nach Cassel zu gehen, und bemttelte Jünglinge widmen sich dem jüdischen Lehrerberufe nicht. (Wenn mir auch di« Richtigkeit der Bemerkung de« Hrn. Sorrespandente«, besonder« nach unserer alten Bekanntschaft mit den tzrerhältnifsen, zugestehen, so können wir doch nicht vethchlen, daß «tr das Mintsterialrescript nicht mit Mißver» gnügen gelesen habe«. Cs zeigt immer de« Umschwung der Ding« an. Weiland Wühler hätte den Gedanken, jüdisch« Aspiranten au« Staatsmitteln zu unterstützen, gar nicht zu fassen vern ocht, und die Herstellung jüdischer Seminarien ist hier doch iu Aussicht gestellt, Kineswegs abgewtesen! Mehr kann der IRtntsstr für den Augenblick noch nicht versprechen. (Red) M»» JMfttmtarf. Der Rechenschaftsbericht des isr. Watsenverrins ,,Wilhelmspflege" weist nach, daß das Bereinsverrckgen nah« Ms ans Hunderttausend Gulden gestiegen ist. De Anstalt beherbergt und erzieht 24 Waisen, 4 taubstumme Kinder, die di« Taubstummenanstalt'besuchen; reicht den israel. Schulamtszögkingen im Seminar Und in derPrüparandenan talt Kost und bereitet noch di« der Schul« entwachsene» tz ortbikdungsschülerinneu für wtiblicheBrrufSar betten zur Enverkung ihres Lebensunterhalts vor. Der Vorstand des Verein« Dr: Adolph LeUp, Oberkirchenvorsteher und Stadtrath in Stuttgart, ist der unermüdete Erhalter und Förderer der Lnstalt; er ist in Wahrheit «in ordoraw enrotrii. Icker Menschenfreund muß Ihm ein „Vergelts Gott!" zurufen. ‘ Aetgrad , den 20. November. (Ortg^Sorr.) Wie ist as möglich, jüdtschersotts allgemeine Achtung und Licke ckn Seiten unser« christliche» Mitbürger zu erwarten, wenn die« chrtstl. Bollslehrer Schriften in di« Hände gegeben «erden, di« nichts ul» Haß, Verachtung, Neid, Mißgunst und Lorurtheile gegm Juden predigen. Der srtttel ^«r höher« Unterricht Und die preußischen Juden" umer Schulnachrichten in de« Schulblatt der Mangel. Seminar« Schlesiens liefert den best« Beleg, daß der Judenhaß und der Neid über ihn» Wohlstand noch lange nicht aufhörm »»de». -tachdem der Verfasser dck betr. Artikels statistisch mchweist, daß all« höhen» Btldungsanstaltm verhältutßmäßig am meisten von Juden frequrntirt werden, kommt er zu folgendem Schluß: „Weittws di« Reichst« stad in Preußen die Juden, ihn« folg« die i evangelischen, und dies« erst di« Katholiken. „Die.Zuden selbst dagegen verbergen diesen Thatbestand gern durch chn «tgeathümlich« Schlußfolgern»^ m. Was lediglich und allein Folge ihrer finanziell besseren . Lage ist, erklären sie <:u« ihre» groß« Bildung «triebe. Den», leider muß ck gesagt werd«, fie schlag« an» Allem und Jedem Kapital für ihre Bortrchfltchkeit." Als» nur, weil der Jude materiell dazu im Stande ist, läßt er seine Kinder di« höher« Blldnngsanstalt« besuchen «nd nicht au» Lick« zur Bildung. Wie aber, wen» ich de« Berfaffer Nachweise, daß es hier und an andern Ort« jüd. Eltern ged<, die notorisch arm, und doch bestrebt find, ihn» Kinde« eire höhere Bildung angcketh« zu lass«, Elte«, die vom früh« Morgm bi» zu« spät« Abend mit ihr«, klein« Wazm von Hau« zu Hau« fahr«, um kleine Abfälle als Lumpetz, Knochen u. s. «. zu kauf«, Elte«, di« «r noch nicht langer Zeit zu mir sagt«: „Wir wollen ackett«, daß uns da» Blut au» dm Nägeln kommt; aber unser Jung« muß etwa« Tüchtige» lern«!" Dem hochweism Verfasser kann ich ferner viele christliche Eltern Nachweisen, die reich« Ackerbürger find, die ein vermögen von 10,000 Thlrn. und noch darüber besitz«, den« ck aber im Traume nicht etufällt, ihr« Kinder es« höh« *' Lehranstalt besuchen zu lass«. Wer besitzt also den Trick zur — Bildung? Der Herr Verfasser scheint aber nicht nur eine so vorzügliche lirthettskrast, sondern auch Etwas von der Prophetie zu besitz«; ck riecht frellich der Artikel etwa» nach Juden- Verbrennung, Judenverfolgung d I» Banftaien. Ich will dm Verfasser selbst sprech« lass«: ' „Die Jude« wundem sich, daß der Seist der Neuzett ihn« noch nicht die Syinpathle der Völker, tn der« Mitte fie steh«, »«schafft hat; und doch ist gmk, W stsiale Ungleichheit, roetch« sich am Schürfst« iu der Frage dck Besitz«» ausdrückt, d« Hauptanlast zu»;. gegmseitigm verbittemug tu all« Schicht« der BevöMÄg.' Ist ck ei» Wund«, w«u ein Thetl derselb«, der jüdisch«, verhäüuißwtßtg so überreich mit Besitz ausgestatttt 'ist, kft' ck« dckstlb« daun «uh d» Gegensatz der Anden» geg« sich «ietfach hervoetntm steht? Die ferner« Verwickelung»'An grsellschastltchm Leb«, da» schm wir ja mit Augm, werd« in immer schrecklicherer Gestalt au« der fchrrimd« Ungleichheit dck Besttzck sich erheben^ (will der Verfaffer etwa Kommunismus?); und so köan« wir ck wohl erkenn«, daß für die Jude« die Sicherheit nicht mit dem Eapitale wächst, souder« ck eine» tiefe« Blick tn das Wes« der Prophetie eröffnet, wenn uns von derselb« gefügt «ick, daß die zunehmend« 'Jahre dt« Gefahr für die Iud« nicht vermindern, sondem km Gegenthetl zu ihrem höchst« Gipfel führ« würden." vis hierher der verfafstr. Nur nicht ängstlich, frommer Bruder! Wir leb«, Gott sei Dank, in einem Staate, wo das Auge dck Gesetzck wacht, wo Recht «ick Gerechtigkeit geübt, wo Icker'sich seines Vermögens unt Besttzck «rfrmm kann. W«a aber darauf hi« «ad da einmal di« Sttmme dck Neidck «ad dck Borurtheils ßch hönn läßt, so trägst du dt« Schuld, denn anstatt Lieb«, West du der Sam« der Zwietracht, anstatt die Gemüther zu besänftig», entfernst du sie von einander. - Wo bleibt di« wahn Lieb«? Raphael Veudit, ' Religionslehrer. Meudickurg, t« November. (Noch einmal die Sabbachfrier und die Wvchenmirkte.) Erlaub« Sie mir, daß ich ttt Spalt« der tfr. Wochenschrift nochmals zur Besprechung döesick Gegenstandes in Lnfprnch mhme. Seitdem Sie «tr'in Nr. 48, 1871 für diese so wichttge Frage Na«» gewährt«, ist auch von Nrustetttu aus dieselbe in der ist.!k3«chenschrift sowohl als in ander« jüdsschm Zettschrtftm besoroch« wordm; wir find als«, sowett mir bekannt P, schon 3 im Bund«, als Locker-, Rendsburg, Nenstetti«. (Es ist benits erinnert wordm, daß schon vor 7 Jahn» dt« meistm pommerschm Gemeind« ähnlich« Schritte gethau hob«. Rck.) Es Hst sich den» der hiesig« Gemelndevorstand auch bewogen gesuudm, sich nochmal» blttmd an 'bst Königk Regierung für Schleiüvig-Holstein um vesetttgnng dtesck verkchrs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.