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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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381 ' (in auf offener Straße stehende- Marmorkreuz, davom dortigen katholischen Pfarrer Anton Riedel, mii folgender Inschrift . versehen, am 22. d. feierlichst ringeweiht wurde: „Da« Kreuz Dem Juden zum Arrgerniß, Dem Heiden zur Thorheit, Uns aber Gotte! Kraft und Weisheit." An dieser Inschrift nehmen nicht Mo! Juden Aergemiß, sondern auch.Protestanten, die fich unter den Heiden gemeint glauben. 3Uüitn. Hto». Der Vatieanische Chronist der „Gazzetta d' Jbrlia" schreibt: Kürzlich hatte eine sehr reich« deutsch« Dam« bei« Papste Audienz, welch« außer den Titeln Baronin, Gräfin und Marchese auch den einer Herzogin von Lesignano führt nach einem Lehen, welchesie in Italien besitzt. Sie ist eine schön« Wittwe von 3b Jahren, im Besitz« einer jährlichen Rente von 12 Millionen Lire. Die Frau Herzogin von Lesignano ist dir Blühte de- Legitimi-mu- und der politischen Reactto», ihr religiöser Eifer ist so groß, daß sie freudig mit ihren kleinen weißen Händen den Scheiterhaufen nicht allein de- Johanne- Huß, sondern auch Dälliugrr'S und de- Pater- Hyazinth anzünden würde. Da sie jedoch weder Ketzer noch Altkatholikkn verbrennen kann, so begnügt sie sich gegenwärtig damit, Inden, Mohamedaner und Atheisten zu bekehren. Besonderhat sie ihr apostolischer Eifer den ersteren zugaoandt und sie hat gelobt, jede- Jahr dem Helligen Vater eine mtt Gold gefüllte Börse uud einen kleinen oder großen taufte gierigen Israeliten darzubringen. Diese- Jahr hat die Frau Herzogin ihr Gelübde vollständig erfüllen können, denn sie hat dem helligen Vater außer einer bedeutenden Sunutze Peter-pfeqnig« auch eine« jungen Israeliten zugeführt, welcher unter ihrer Leitung bekehrt worden ist. Die Taufe de-' Neubekehrten fand vorgestern unter großer Feierlich! eit in der unterirdischen Basilika der Peter-kirche statt. Man sagt» die Herzogin habe die Absicht, sich nach dem Orient zu begeben, um die Juden, welche zu Jerusalem wohnen, zu bekehren. Pius IX. hat der glauben-eifrigen Deutschen ein prächtigr- Geschevk gemacht. Ebesteht in einem Kästchen au- Ebenholz mtt Silber verziert, in welchem ein Madonnenbild, ein eleganler Fächer von ausgezeichneter Arbeit, ein Gebetbuch und Specke von Damast für den Thee von 6 Personen sich befinden. Numättini. Antarest. Der „Euriernl de Jassy" bringt einige interessante Daten bezüglich der Bewegung der Bevölkerung in Rumänien. Tiefdetrübend muß «S für Jeden fein, diese Zahlen zu lesen; sie bilden für uns ein gewichtiges wrmsvto war», eine ernste Warnung. Wir dürfen uns nicht darüber täuschen: noch in der Kindheit unserer Existenz als selbständige Nation, bevor wir noch die Mündigkett erreicht haben, zeigt unser Bolksorgaoi-mus diejenigen Symptome auf, welche die alten an der Grenze de- Greisrnalterangllangten Völker, welche Rom und Griechenland, kurz vor ihrem gänzlichen Verfall« an sich trugen. Wir sind offenbar in einer Periode, de- Sinkens, nachdem wir kaum eine kurze Spanne des Lebens durchlaufen haben. ,inJ Da- Mißperständniß zwischen den Todes- und Geburtsfällen bei uns wiederspiegett da- Bild zerrütteter Gesellschaftszustände und falscher politischer und ikoiromischer Wirthschaft. Nicht dir Spärlichkeil der Unterhaltung-mittel im Berhältniffe zu unserer Bevölkerung bringt diese grösst Morlatität hervor; sondern vielmehr der Ueberschuß der ersten» über die letztern. Es wirken bei uni alle lasterhaften und anormalen Grgentendenzen gegen die Vermehrung der Ptpulalion. Die dünn« Population führt zu : Trägheit, zur Ausschweifung, zur Abnahme der Ehen; d es legt dev Keim zu allen Krankheiten und zur Fäulniß aller socialen Elemente. Es wäre ein Leichtealle diese S-mptome statistisch bei unnachzuweisen. Sie äußerten sich nianentlich bei der herrschenden Bevölkerung; denn bei den Juden muß di« angebo.'ene Arbeitslust, dageschloffene Familienleben, die Galten« und Kinderlieb«, die Reinheit der Sitten daentgegengesetzte Ergebniß liefern. Der Artikel beit „Euriernl de Jassy" lautet: „Unser Land gcht mtt schnellen Sihrttten dem Verderben entgegen, wenn wir die Statistik der Sbwbtfälle und Geburten bettachten. So gab es nach den statistischen Annalen im ganzen Lande im Jahn 1866 S terbefälle . . 158,275 Geburten . . . 130,857 Plus der Zterbefälle. . 27,118 und wenn man die 24,034 an Cholera Verstorbenen von obiger Zahl abzieht, so bleibt noch rin Ueberschuß von 3384 Sterbefällen. In Bukarest stellen fich die Zahlen wie folgt: Im Jahre 1467 Im Jahre 1868 verstorben 5,973 verstorben 5,033 geboren . 3,776 geboren . 4,864 Man könnte glauben, dierühre aus allgemeinen klima» tischen Verhältnissen audem vorherrsihen viel» epidemischen Krankheiten, au- Gründen her, btt nichi: i« Menschen, smedern außerhalb deflrlben ihren Ursprung haben. Dagegen siwicht jedoch der Umstand, daß die jüdisch« Bevölkerung ein anlxrct Resultat ergiebt. So in Bukarest gab es bei den Israeliten r Im Jahre 1867 Im Jahr« 1868 Geburten. . 408 «Keburten. . 464 Todte . . . 221 Tobte . . . 348 Mehr-Geburten 187 216 In Jassy in Jahre 1872 1030 Geburten 446 Todte 584 Mehr-Geburten. Die größere Sterblichkeiten der Christen kann daher keinen äußeren Ursachen z „geschrieben werden, da dieselben ebenso auf dtt Juden wirken würden. Dtt Ursache ist vielmehr in dev Sitten, den Gebräuchen, in der Lebenitweise zu suchen; darin unterscheiden sich dtt Christen von den Juden. Denn nicht nur ist dtt Sterblichkeit größer bei den Rumänen allein, sondern bei allen hiesigen christlichen Nationalttäten. So gab eS ii Iaffy im ersttn Halbjahre 1872 Todte Geburten Mehr-Berstorben« Bei den Orthodoxen 959 642 335 „ „ Katholik« x 55 34 21 „ „ Armeniern 8 4 4 „ „ LipovanS 13 9 4 In Bukarest im Jahre 1867 Bei den Orthodoien 5102 4101 1001 „ „ Katholiken 353 151 196 „ „ Protestanten 164 73 91 „ „ Armeniem 43 37 6 v

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