Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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- Rawicz 1× ep/1048078
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~r u. ■ i i. - 380 - Bei bitjca Bescheide brruhigte ich «ich jedoch nicht, er ncucrte vietuehr da» bezäg ich« Gefach beim Cultus-Ministeri» und erhielt nun heuch folgende» Bescheid: , Berlin, de» 5. November 1872. „Nach <kw. Wohlgeboren Eingabe vom 20. v. M. werben die jüdischen Schüler dedortigen Gymnasiums von Zhne» in einer besinderen Lehranstalt der Synagogengemeinde und lediglich privatim*) in der Religion unterrichtet. Da Sie hiernach zu dem Gymnasium in einem nüheren Berhältniß nicht stehen, kann Ihr Gesuch, in den von Seite» de» letzteren den jüdische» Schülern zu ertheilenden Censuren über deren Fleiß und Fortschritt« in der ReligionSlehre ein Urtheil abzugchen, nicht genehmigt werden. Dir CXsuchsanlage erfolgt zurück." (gez.) Falk. Zch werde, so Gott will, in nächster Zeit schon — selbstverständlich unter Zugrundelegung eines anderen PetistumS — mein Gesuch bei der Staatsbehörde erneuern. Zn solchen Dingen haben jüdische Geistliche da» prophetisch« Wort zu beherzigen D31? "21 bn „Gönnet euch keine Ruhe!" Rabb. vr. Cohn. A. Au» der Provinz Jftftu, 1b. November (Orig.-Eorr.) Der höchst beklagenswerthe Unglücksfall in der Synagoge zu Ostrowo ft «int mit dem leiblichen Unheil, den schauerlichen Todesfällen und Verletzungen, leider noch nicht abgeschloffen zu sein, soniern es droht auch eine Saat von Verdummung und Aberglauben daraus hervorzugehen, die dem keineswegs au Ueberfüll: geistig« Klarheit laborirenden Publikum unserer Gegend verb üblich werden könnte Man spricht von Vorahnungen und »unkeln Beklemmungen, von den Tönen des Schofar, die diesmal gar nicht hatten gelingen wollen und dumpfen Klange» hernorgrbrochen seien. (Wir unterlassen es, di« wetteren genaueren Mittheilungen unser» Herrn Correspondenten zu veröffentlichen. Wir hoffen, daß die Sache unt dem ersten Schreck, mit dem man nicht streng in'» Gericht gehm darf, abgethan sein und die „Saat" nicht wetter wuchern wird. Anderenfalls würden wir keine Rücksicht nelnnen und die Versuche, un» aus Galizien auch studirten un!» promovirten, ins Hochdeutsche übersetzten Chassidismus und lkabbalismus einzuschmuggeln, ohne Schonung blosstellen. Red.) Oesterreich. <Le»b«rg, Ende Oct. Lus Anlaß mehrerer verheeren, den Feuersbrünstr im Städtchen und Dörfern unseres Landes hat sich auf Anregung unseres Rabbiners Nathanson ein Comitt von 25 Männeru behufs Sammlung von Spenden constituirt. Der greffe Rabbi Nathanson hat es sich nicht nehmen laffm, in einem der Bezirkt, in welche da» Eomitä *) Hierin liegt der Schwerpunkt der Sache! Der lluterricht in der jüdischen Gemeinde - Religionsschnl« wird all Privatftnnd« betrachtet; nach der jetzig« Gesetzgebung kann daher der Minister nicht anders entscheiden. Solange der jüdische llnterricht nicht in organisch« Verbindung mit der betref enden LehranstaU gebracht wird, kann ein« Note darüber nicht in das Schul >e«gmß komm«. Snder» daher in Rawicz. (Siehe Nr. 4S.) (*uch in Magdeburg liegt der Fall ander«; da fordert Herr vr. Nahm« in erster Reihe, .daß der jüdijche ReligionsaMericht gleichzeitig in d« betr. stüdtishen Schullokalen ertheilt werde, und alsdann in richtiger «onsequenz di« Ausnahme in die tkensnr.) Wir woll« dm Her« «insender nitjt von weiten» Schritt« abrathm, aber ein Resultat steht bet »eretnz rltem Borgeh« nicht in tlnsstcht, nützt stdenfalls der Ge» sammthttr winig. Nur ein« «enderung der Gesetzgebung kann helf«, wie wir im Seitartikel der Nr <2 dargethan hat«. (Rchi.) , die Stadt für sein« Thätigkett -etheilt, selber von . Hau« zu j Haus, von Thür« zu Thürr zu gehen. Kleider und Wäsche i sind in großer Menge gespendet worden und der. Dampfmühlen»! und Bäckerei besitz« Herr Tho« hat 600 acht» und ILpfündige Laib« Brot gespendet. » Da» zweite, viel gräßlichere Uebel uoch, da» hier wüthet, ist di« 6hol«a, welche au» Rußland zu un» herüberkam. Merkwürdiger Weise erscheint dies« asiatischen Furie gegen» üb« die menschlich« auf Gott »«trauende Hilfe mächttg« als gegenüb« dem Feu«. Sobald hi« dir ersten Err?ankungen vorfielen, schritt man zur Errichtung von Gesundheit»-Comitös, d«en «stes sich au» der Mitte des hiesigen Commis- und Buchhalt«-Vereins constituirte. Eine vom Obmann« und' Arzte dieses Vereiu», Herrn R. Bier«, verfasst« Belehrung über diätetisches Verhütten während d« Dau« der Epidemie wurde in 1000 Exemplaren mit deutsch« Sprach« uud hebräisch« Schrift vertheilt und affipirt. Den Tag über wurden Suppen und Abkochungen magenstärkendeu Th«'s vertheitt, in d« Nacht hielten Gemeindemitglieder Znspection und Wagen standen imm« angespannt, um Aerzte nach Orten d« Gefahr zu holen. Auch d« Handwerkerverein leistete in ähnlich« Weise nach seinen Kräften sehr Ln«krnnensw«1he». Noch ein dritte» Comitä war thätig und es scheint, das Uebel sei dem verrintrn Bestreben nach Rettung gewichen. Heute hat sich daß «ste RrttungScomttä aufgelöst uud dem Publicum die ftohr Nachricht von d« Möglichkeit dies« Auflösung «durch ein Manifest mttgetheitt. Da» ebl« Polenchum Hot sich auch bei dieser Gelegenhett in seinem ganzen Glanz« gezeigt. Während die israel. Hilfscomitä's jüdische und nichtjüdisch« Aerzte gleicherweise zu Patienten riefen uud honorirteu, hat d« hiesige Magistrat aus den Stadtrenten christliche Cholera-A«zte mit je 10 st. Diäten täglich honorirt, von Aerzten jüdisch« Confeffion wurde kein einzig« vom Magistrate beachtet. Und doch zahlen Juden wie Christ«, nur erstere gewöhnlich verhiltnißmißig mehr, in die Stadtrenten. (Wahrh.) Staniaka», (Galizien) 28. Oct. D« Skandal-Moostre-Procrß,Karmelin" ist heute durch gerichtlichen Spruch beendet. Es handelt sich bekanntlich (»gl. Rr. 44 unt« Wien) um ein cootplottmäßig von den Behörde« durch Karmelin betriebenes Verfahr,», Militärpflichtige zu Bestechungsversuchen zu »«leiten um ste nachh« bestrafen zu könnnen. Der Haupt, angeklagte. Mannet Marpule», ist zu einem Jahr schw«en Kerk«», 36 Andere, Juden, Beamte niedersten Grades und Bauern, find zu FreihettSstrafen verschick»« Dauer verurtheilt, 30 freigesprochen ««den. „N. fr. Pr." und viele and«e österreichische Blätt« bringen mehrspaltig« Berichte üb« die B«handlungen und eingehende Beleuchtungen d« ganzen Angelegenheit. D« Spruch de» Gericht» wird formell correct gefunden, aber einstimmig girbt die Preffe ihr Votum dahin ab, daß da» Verdikt d« öffentlichen Meinung ganz ander« Leute treffe, als die vor Gericht gestellten, daß auf die Behörden, auf MUitär- und Ctvilpersonen in Stand und Rang ein schwarzer Schatten fall«, uud daß die Co«uption uud das Corrumpiren nicht dem eienden Karmelin zur Last falle, sondern denjenigen, die sich fein« Gemeinheit bedient haben. Ksf. (Mährm.) Zn dem eine Stund« von uns entf«aten Dorfe Christrndorf, welch«- von Eyangelischen und Katholiken bewohnt wird, stiftete d« Bauer Zohann Kretschmar