Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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371 lustigen eine rücksichtsvolle Haltung. Daß der Vorstand, nachdem vor der Hand die Streitfrage durch die Regierung entschieden ist, diese Stellung behaupten und nicht» unversucht lasse» «erd«, da« di« Gemüt her zu beschwichtige» geeignet ist, hat, kürzlich erst Herr Luranda in einer öffentlichen Sitzung erklärt. Der Vorstand hat sogar da» ExeeutionSveriährm gegen die renitenten Steuerzahler — ei find ihrer nur etwa zwanzig — eingestellt und c» wird den dennoch fortdauernden Hetzereien zur Steuerweigerung hoffentlich nicht gelingen, den Vorstand zu allzustrengen Maßregeln zu drängen. Der Vorstand trifft übrigen« soeben Borbereiturgen für die Wahlen. Kür den sel. Baron Kö»ig«warter muß ei» Ersatzmann gewählt werden, der wahrscheinlich sein Sohn sein wird. AuSgelofi find di« Herren Bing, Neustadt, Sohn u-Hirschlrr. Di« erster« drei solle» eine Neuwahl abgelehnt haben. Die Orthodoxen werde« sich, wie ich hör«, an der Wahl nicht betheiligm. Warum- Da« begreife, wer kann. Würden sie ihre» Blick so auf da« Ganze gerichtet halten, ivie e« unsere Religion verlangt, statt immer nur ihr secesfioniftische« Streben zu verfolgen, so würden sie ohne Rücksicht auf den Erfolg immerhin chr Gewicht bei den Wahlen gellend machen. Die« um so wehr, al» ihr Antagonismus eigentlich doch nur gegen den Vorstand gerichtet sein kann. Denn was die Gemeiademitglieder betrifft, so finden sogar die vorgeschriltmsten Reformer bei ihnen da« freundlichste Entgegenkommen. Ich selbst bin an den hohen Feiertagen Augenzeuge gewesen, daß Börsenjobber, die allem religiöse» Leben fernstche», in ihrer Synagoge zur Thora gerufen wurden. Diese Leute wiffen denn auch freilich diese „Mizwa" mit reichen Spenden zu bezahlen. Aber wie verhält e« sich in diesem Punkte mit dem Schulchan aruch, der doch nur (?) gelehrte und fromme Tläoner, zumal an den hohe» Feiertag«, zur Thora zu nrren befiehlt? - — L Wie», iw Oktober. (Orig. - Corr ) Wie Sie vielleicht schon von anderer Seite erfahren haben werde», ist Herr vr. Badt, vom Breslauer Seminar, zum Colliborator und voran «sichtlichen Nachfolger de« Taubstu«mminf:ttut<direetor« Deutsch berufen worden. Er wird sein Amt Neujahr oder Ostern antreten Herr Deutsch beabsichtigt dann sich in« Privatleben zurückzuziehen und auf seinen Lorbeeren, dt« er in der Thal errungen hat, au»zuruhen. — Biel Aufsehen erregte» jetzt im Vorstand« die Debatte» wegen de« Rothschild'» schm HoSpitalS. Baron Rothschild hatte nämlich defür ursprünglich nur 200,000 st au«geworf«, mußte sich aber nachträglich noion« eolvno zu so bedeutend« Nachzahlungen verstehen, daß die verausgabte Summe jetzt 400,000 st beträgt. Dennoch fehl« noch zu dem gänzlich« Au»bau 65,000 st Herr Rothschild will aber von weiteren Zahlung« nicht« wissen und hat jedm Verkehr mit der bezüglich« Cormuisston de« Vorstände« abgebrochen. Andererseits weigert sich der Vorstand die bedeutenden Summ« für ein Spital z> zahl«, da» al« Rothschild'sche« siguriren wird. Man ist gespannt, wie die Sache «dm wird. Inzwischen hat übrigen« die Gemeind« die fehlend« Summ« vorgefchoffm. Frautreich. Wart». Der Abbü Bauer, vormal« al« besonderer Schützling Eugrnim« bekannt, und al» Prediger beim Ex-Hofe beliebt, dann während der Belagerung von Pari« ab» beritte' »er, mehr kunstrriterlich al« geistlich au«staffirter Aumönier sehr demerMch gewirben, will sich jetzt verhetrathm. Er ist unlängst in einer d, utschm Zeitschrift mit Pater Hyacinthe in Parallele gebracht morden, (jedoch nicht in sittlicher Beziehung, da« ist ohne Frage unzulässig,) er hat mtt diesem al« Redner rivalifirt- und theilt die« nun anch in Bezug auf da« Heirathm. Wa« gejt da« un« hier an? Nur nebmher, insofern al« Abbü Bauer «in gebormrr österreichischer Jude ist; im Jahre 1848 überbrachte er mit noch einem andern Wiener Student« dm pariser Commiliton« eine Fahne Damal« konnte er noch nicht ftanzösisch sprechen, seine Anrede wurde verdollmetfcht. (Srin Bruder spielte in der Wimer Börsenwelt eine Rolle uni, ist vor etwa 1'/, Jahr« — wmn wir nicht irren al» Jul« — gestorben.) Au« Anlaß der Metamorphose biefed geistlichen Konvertiten tragen wir die Notiz nach, daß ein vor etwa drei Monat« zum Erzbischof ernannter Mann, genannt Howard, oder gar Lord Howard, nach detaillirt veröffentlichten, nicht wider» legtm Bericht« öfrrreichischer Blätter, ebenfalls eia getaufter Jude au» Prag, Ramm« Austerlitz, ist. Di« Biographie deSselbm spielt sich jHoch. bedeulmd «xiwinalistischer ab, al« die seiner LandSaunn« Bauer. Wir lesen da von Schwindelei« in Prag, rinn: Verführung«- und Entführungsgeschichte in London, von € teckbriefm, Untersuchungshaft und 2 Jahr« schwer« Rerkrr«. Thut nicht«, der E^sude wird zum — Erzbischof ernannt Sein Weg dahin ging via BaptiSma und d« Hof der unschuldig« IsabeÜ a von Spanten, der« Beichtiger er gewe «. Zwei üsterreichüsche Exjud« und zwei Spaniertnn« und Ex-LandeSmütter. .Ein vierblättriges Rleeblatt bedmtet Wunderbaxliche«. Eil ist wirklich „etwa» daran." . , Hkari». Einige Journale haben berichtet, daß für die Armee ein protestantischer Milttürgeistltcher ernannt worden sei; darauf hin »»langt« jüdisch« Stimmmen auch die Anstellung eine« israelisch« Geistlich« für die Jüdisch« Soldatm. Indessen sch.-int die Angeleg «heit noch gar nicht in da» Stadium der Erledigung getreten zu sein. E« ist nur richtig, da« einflußreiche Protestant« für ihre Glaubensgenossen im Dienste einen protestantisch« Pastrr mtt denselbm Rechten, wie st« dm Katholik« zustehen, verlargt haben. Der Staat«- rath, dem dir Sach« vorgelegt wurde, besteht aber grißtentheU« au« Clerikilm, ein Mtglied soll bei der Berathung den KatholiSmu« sogar al« die „4>taat«religion" bezeichnet Hab« — kurz, die Forderung wurde abgelehnt. Dagegm soll (gleichsam halbofficiell) ein protestantischer Geistlicher zu Rundreisen bei dem protestanttschm Soldaten der Gmmison« zugelaff« worb« sein. (R«. Jsr.) Srtßtr». 8. T. 1. November. (Orig.-Corr.) Ln der Coafermz über hie rumänisch« Angelegenheiten haben Theil gmommen: Au« Frankreich: Crömleux, Isidor, Alb. Cohn, Goldschmidt, Leven, Derenburg, Rosenfeld, Erlanger, Netter. — Au« England: Fr. Goldsmid, vr. Mocatta. — Au« Berlin: Profess,>r Lazemi«, v. Liebermann, vr. Cristrller, Retchrnheim, M. Cohn. (Bleichrölier war doch auch genannt? Red.) —• Au« Wien: Koripert, Gompertz. — Au» Holland: vr. :lal au« Amsterdai», Prof. Goudsmtt au« Leydm. — Au» Amerika: Cons. Peixotto und Seligmann au« New-Uork. — Au« Brüssel: llinbb. Astrue, Bischofsheim. Laffm, Wiener Oppmheim, vr. Hanau, Prin«, Errrra,