Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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370 Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stellt», 7. November. Zn Beziehung auf die angeordiete Abkündigung de- Hintrittes de- Prinzen Albrecht in den Synagogen haben wir nachträglich von 2 Setten Co xespondenzen erhallen, welche darüber Nagen» daß di« Stö.u Regierungen das treffende Rescript den jüdischen Ortsgeistlichen nicht direct, sonder» auf Umwegen haben zugehen laslen. Wir können diese Beschwerde nicht berechtigt finden. Dü Behörden lassen die Dinge den Dienstweg gehen. Sowie der Minister auch dringende Angelegenheiten nicht oireet an die einzelnen Regierungen^ sondern an den Oberprästdenten gehen läßt, so laffen jene wiederum di« Beriügung durch die Localbehörden den Betreffenden mittheilen. Ob der Rabbiner am Regierungssitze wohnt, oder in einem Dorfe, ändert an der Sache nichts. Den einzelnen evangelischen Geistlichen in Berlin sendet der Oberkirchenralh sein« Rescript« sowenig bfcntt ins Haus, wie dem Dorfpfarrer, der Superintendent ist die Millelinstanz. (Es müßte denn eine Privatangelegenheit tetreffen). Darin, daß die Regierung mit Cyuagogen-Borstiiden, Rabbinern u. s. w. nur durch di« Posizeibehörden (P)lizeidirectionen und Landräth«) verkehrt, liegt allerdings eiw — Geringschätzung »aber es ist einmal eine andere Mtttzlbehörde nicht vorhanden, wir haben in Altpreußeu kein« isr. Confistorien, Landrabbinate oder dergl. Der von einem,der HH. Corespondcut betonte Umstand, daß die Regierung > sich ja aorbehalten habe, die Rabbiner zu bestätigen, ändert an den Sachverhalt nicht-; die Regierung ist darum doch nicht dev» unmittelbar Vorgesetzte Behörde. — Die von uns gegebene Anregung zu einer Petition wegen dejüd. Schulwesens ist in der „JHIn. Zeit." in sehr wo-wollender Weise besprochen worden. Der Artikel, ist dar» durch sehr viele Blätter gegangen. Erwähnen-werth ist aber gewiß 8er Umstand, daß er auch in dem Pariser (Rithol.) „Univers", daS Blatt de» famosen veuillot, Aufnahme gef linden hat. Der Schlußsatz lautet nämlich, (wir übersetzen, jetzt au» dem Franzöfischen zurück): „Es ist sicher, daß, so large der Religionsuntericht nicht aus unser» Schulen überharpt verbannt ist, die Zsraeltten zu diesem Zwecke ebensogut wi: die anderen Bekenner anderer Religionen Staalsuaterstitzung erhaltm müssen. Die» ist eine Forderung der Girechtigkeü" — Es ist wohl das erste mal, bemerkt Rev. Zs:., daß „Univers" di« Sach« der Zuden verficht. AanUmrg, im November. Der neue Anbau der Talmud- To ra- Schul«, für Herrn Sally Lervisohn's alleinige Rechnung zuin Andenken an seine vor 10 Zähren verstorbene Tochter ausgeführt, wurde am 29. v. M. von demselben der Schul« Direktion übergeben. Zugegen waren der vom Vorsteher-Collexium der israel.-Gemeind« deputirte Herr Nathan Levy alil Präses der Schule, der Rabbiner, der Schulvorstand, die Gattin des edlen Gebers uud dessen nächste verwandte. Herr Levysohn sprach in kurzen Worten sein« Freude darüber aus, daß «S chm bei Lebzeiten vergönnt sei, ein so segensreiches Werk vollführen zu können, er gedachte dabei seiner verstorbenen Tochter, zu deren Andenken da» Gebäude gestiftet worden, urd schließt mit dem Wunsch«, daß da» Znftitut auch ferner grreihm möge. Hierauf sprach Herr Levy demselben den Dank des Gemeindevorstandes, der Schul-Direktion, wie auch de» der ganzen Gemeinde au», dem sich der Rabbiner S. in einer Ansprache anschloß. Die Einrichtung des neue» Gebäudes ist eine in jeder Beziehung zweckmäßige nnd praktisch«. Hltzd»iK, 30 Oktober. (Orig.-Corr.) Am jüngsten Sabbaih beging die hiesige Gemeind« eine erhebende Feier. ES galt, ihrem Cultus-Beamten H. Simon Danziger, einem allgemeinen verehrten Greise, nach bald 40 jähriger Wirksamkeit bei seiner Amtsniederlegung ein« wohlverdiente Ovation zu bereiten. Nach Zurükstellung der Gesetzrolle hielt tief ergriffen und durch Thränen unterbrochen der Greis eine Anrede, in der er auf sein hohe» Alter (derselbe feiert« an dem Tage grade den 79. Geburtstag) und auf seine nicht mehr vorhandene Zntegritit zum Dienste hindeutete. Darauf betrat der Rabbiner Hr. vr. Fränkel die Ranzel und rollte das Lebensbild de- Jubilars auf, in dem er, anknüpfend an das letzte Rapite! der Thora, nachzuweisen versuchte, wie da» unserem Lehrer Moscheh als ehrende Bezeichnung beigelegt Epitheton onuuu 71*139 auch diesem Gemeindediener zukomme, zumal er durch «ine Reihe von Vorzügen seine bescheidene Stellung zu heben verstanden. Zuletzt verlaß der Gemeinde Präses H. Banquir Lustig eine warm gehaltene Adresse, von der dem Zubilar «in Exemplar in Prachteinband überreicht wurde. Nach Beendigung lei Gottesdienstevereinigte ein heiteres Mahl die Mitglieder der Gemeinde im Saale de» Hüttl Freund, wobei es an ernsten und heiteren Toasten nicht fehlte und der Vorsitzende der Repräsentanten, H. Raufmann Reich, dem Zudelgreffe einm silbernen Pokal nebst einer Anzahl rumänisch«» Papiere al» bleibendes Zeichen der Anerkennung einhindigte. So hat die hiesige Gemeinde bewiesen, wie sie treue Dienste zu ehren weiß. .. . ,tl VtPtntlQ« .y.,K .* Wie«, 29. Oktober. (Orig.-Corr.) Mit der Beendigung der Sommersaffon hat wieder eine größere Regsamkeit in der Gemeind« Platz gegriffen. Glücklicherweise läßt sie sich als ein« friedlich« an. Obwohl die Orthodoxen gegen die Entscheidung der Statthalterei» welche da» Gesuch um Bildung einer besonderen Gemeinde zurückgrwiesen, Ken Rekurs ergriffen haben*), so zeigt doch der Vorstand gegenüber den Separation»« •) Die Entscheidung der Statthalterei Ist in österreichischen Blättern angesochlen worden; wir Hoden über die Rechtsfrage kein Urrhril. Ein Zeder wird ater einriumen, daß der Borftand nicht nur berechtigt^sondern auch verpflichtet ist, gegen Steuewenveigerer vorzugehen und die Entscheidung der kompetente» Behörde, die er zu prüten keinen Inlah hat, zur Geltung zu dringen. Senn dt« fteuerverweigernden Orthodoren, stau an die höhere Behörde zu recurriren und bi» dahin, unter Skechtsverwah» ruug ruhig weiter zu bezahlen, sich «egen der Steuer audpsünden lassen, so ist da» ihr Privatvergnügen, weiter nicht«! wahrhaft lächerlich ist e«, wenn der Eorrespoudent der .Jüd. Pr.- und de» »Israelit- — e« ist «in und dieselbe Person — fie deshalb zu erhabene« Märtyrern stempelt. Da heißt cl »örtlich: ,Um jeden Preis und mit dem größten Opsrrl- Die« die Devise der wiener Orthodoren in ihrem gegenwärtigen Vorhaben betress« der tonstituirung einer autonomen Gemeind«. Za, um jeden Preis! denn Ta« für lag werden fie mtt neue» Srecutionen und Pfändungen ihre« Eigenthum» für di« Sultutsteuer von Seiten de« humanen Vorstände« bedacht. Und doch — seltene rühmenswerth« «lusdouer dieser JehudimI Bei dem Allem zeigen sie »ich» di« geringste Spur von «nttnuthigung.- S« geht e« noch «ine halb« Sp«Ütt weiter. — Lächerlich habe» wir da» gmannt? nein, ei grenzt an Lästerung, di« durchfichtige Anspielung auf da« QT77 133*1UTTI^9 hier anzuwendenl wohlfeile« Martyrium, sich aus «in paar Kreuzer oder Gulden öfterr. w. autpsinde» zu lassen I Oder ist man auch bereit, de» Berliner Xeformgenossen, di« nun schon an 30 Jahre der Sesammtgemeind« Steuern entrichten, di« Märryrrrkron« zu flechten? eRtd.)