Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935653--1436-5371034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
369 am ÜU9IUIUI mm pme ocnspni tce jun« Die Statistik weist ttnft die bedeutsame Thatsache nach, daß von den mehr all 4 Millionen Juden, die über ganz Europa verbreitrt leben» der bei weitem größere Theil unter den Völkern slavischer Religion seinen Wohnsitz aufgrschlagm hat. Zm Westen unsere» Erdtheil» unter vorherrschend romanischer Bevölkerung, sind die Juden dünn gesürt; sie nehmen schon zu in der Mitte unter den Germanen und erreichen da» Maximum ihrer europäischen Verbreitung im Osten unter den Slaven, wie au» nachfolgender statistischer Zusammenstellung hervorgeht. 1) Romanische Gruppe: Oi.HcdM. (ItaMtutT, Frankreich. 9,558 36,500,000 Italien.' 5,376 26,500,000 Spanien. 9,200 16,300,000 Portugal. 1,622 3,850,000 Deutsche» Reich . . Deutsch-Oesterreich . Niederlande . . . Schweiz . . . . Dänemark.... Schweden, Norwegen Belgien. Britische» Reich . . 25,786 83,150,000 2) Germanische Gruppe. 9,901 41,200,000 3,588 13,000,000 596 1700,000 752 2,600,000 694 1,800,000 13,771 5,900,000 534 4,900,000 5,732 31,00(^000 $Mra. 50,000 40.000 6,000 1,000 97,000 482,000 150,000 61,000 4,000 4,000 5,000 1,000 45,000 35,668 104,100,000 755,000 3) Slavische Gruppe. Rußland.100,186 Galizien, Bukowina. . 1,514 Ungarisch« Grönländer . . 5,205 Rumänien.2,197 Türkei.6,300 Griechenland, Serbien . . 1,654 70,000,0002,071,000 5,000,000 511,000 12,800,000 437,000 4,700,000 400,000 11,000,000- 115,000 2,300,000 9,000 117,155 105,800,000 3,543,000 Berechnet man die Verhältnisse, so findet man, daß in der romanischen Gruppe noch nicht vier, in der germanischen schon 21,6, in der slavischm dagegen 30,2 Zuden aus die Quadratmeilr kommen. Kür di« locale Verbreitung der Zuden in Europa wird hiermit aber noch nicht die richtige Vorstellung gewonnen, da fie in dcr germanischen Gruppe wesentlich dichter «ach Osten hin — wo da» slavische Element zunimmt — fitzen; in der slavischm umgekehrt, habe» sie mehr den Westrand inn«, so daß die Hauptzon« ihrer Intensität in einem Strich« liegt, welcher sich von der Donau bi« nach der Ostsee erstreckt, und Rumänien, die ungarischen Länder, Galizim und Bukowina, da» Königreich Polen und Westrußland, Posen und die Provinz Preußon umfaßt. — Der Brocmtsatz der Zuden zur Einwohnerzahl der drei Grupp« überhaupt, zeigt noch weit schlagender, wie fie im slavischm Ost« da» Maximum ihrer Verbreitung erreich«. Dam, währmd fie in der romanischm Gruppe wenig üder 0,1 Procent, in der germanischen 0,73 Procmt ausmachm, erreichen sie in der slavische» 3,3 Proceor der GrsarnmtbevölkermH. Sind die Zud« auch stark über da» platte Land verbreitet, so zeigt fich doch unter ihn« die Tendmz, nach d« größer« Städten zu zieh«, wie in Deutschland auch, indem gerade hier dm jüdisch» Neigung« für Handel rc, ein weiterer Spielraum al« auf dem Lande geboten ist. E» wohn« in Ofm 10, in Prag 11, in Preßborg 5, in Großwardcin und Pest 17 Proc:nt Juden. Zn Czernowitz 22, in Krakau 38 und in Lein der; 40 Procmt. Di; letztere Stadt ist also fast zur Hälfte jüdisch und in der Thckt ist der Handelsverkehr hier fast ganz in jüdischen Händer. Was Wien betrifft, so zählte die eigenlli-ie Stadt, mit Ausschluß der anstoßenden Vorstädte 1869: 617,514 Seel«, daimnter 545,000 Katholik«, 19,400 Proiestanten, dagegm 40,200 Zuden oder 6,6 Proeent Auch hier (st die Vermehrung eine rapide, die der christlich« Bevölkerung übertreffmde. Diese Vermehrung der Juden ist dmn arch schon von den Statistikern aufmerksam b«bachtet worden, namentlich ihre Anhäufung in dm großen Städten. Ihre Zahl in Warschau z B. betrug 1868 schon 86,672 Seelen, während sie 1863 risst 65,000 ausmachte. Dmffche Städte zeizm auch eine Zuncihme. Nach dem vor restlich« Werke von vr. Schwabe: „Die Resultate der Berlik er Volkszählung (Berlin, 1869)" gab eS am 23. December 1867 in Berlin /licht weniger als 3,98 Procent Zud« (27,566 Seel«) und zwar lebt« dieselben zumeist in der imtrr« Stadt, wo Handel und Wandel am stärkst« vertreten rnd wo die engst« Gassen sind, während sie auffällig die frei«, luftigen Vorstädte meiden. E» hängt die» gewiß in erster Linie damit zusammen, daß die Zuden, vorwiegend Handel» 'eure; dem Centrum de» Verkehr» am nächst« sein wollm und müssen, andererseits kann darin aber wohl auch rin orieatalsscher Anklang gefunden werden, eine Hinneigung zu eng«, düster« Quartieren, wie sie im ganzen Orient gärig und gäbe find. Die meisten Zuden hat das Spandauer Revier, dann folgen in Berlin die Königs- und Friedrichsstadt. Am stärkst« gegenüber den andern Confession« komm« sie zur Geltung in Berlin mit 17,7, im Spandauer Revier mit l',7, in Friedrichswerder mit 7,3, in der Königsstadt mit 7, und in Att- und Neu-Cöln mit je 6 Procmt. In Moabit, Wedding, Tempelhofer Revier, also an der Berliner Peripherie, erreich« sie noch nicht einmal 1 Procent, vergleicht man die Religionsverhältnisse von 1864 mit 1867, so Hab« sich die Zfrrelit« am stärkst« vermehrt, nämlich mit 13,53 Proc«t, währmd sich die Evangelisch« um 10,31, die Katholik« nur um 7,69 Procent vernnHri. haben. — Ungemein stark ist ihre Zunahme in Rumittrien, wo 1849 erst 11,000 existirtm, 1869, also 20 Zahl« später, aber schon 400.000! (Heber diese letzte Zahl vgl. Nr. 33 d. Bl.) Statistik »et aifrssloartlr» Schaldesmb« i» Prrahe». E» befand« suf i» Sommer 1871 in sämmllichm höherm Schul« de» Stacke» (in Gymnafim, Piogymnastm, Realschulm und höher« BIrgerschul«) zusammen 115,630 Schul«, von den« Protestant« 88,838 «der 72,5 Procmt Kalholik« 21,711 „ 16,8 „ Zuden u. s. w. 10,071 „ 8,7 „ von der Grsan mtbwölkerung de« Staate» mach« die Protestant« 65,6, Katholik« 33,1, Zui« 1,3 Procmt. Auf je 10,000 Protestant« komin« 53,31 Schüler in Gymnafim und 2!! in Realschulen; auf je 10,000 Katholik« 28,21 Schüler in Gymnafim und 7 in Realschulm; auf je 10,000 Zud« 315,194 Schüler in Gymnafim und 121 in Rmlschulm. (Aus dem Daheinr-Kalmlrer.)