Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935653--1435-5371033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

evangelische Confession gedacht wird. Manche Kadett find Naiv genug zu,glauben, preußische Gesetze aber Versüßungen rechneten auch sie, die Juden, unter di« „konfesstoncn," aber „nicht zu gedenRn." Daß geschieht »ohl mitunter in ein« Z, ItungsarttkA, we»n z. B. «a HvWliPing, von.Gaben und Spenden L dergl. aler Confe'ßskStkkn die 9lAt ist, ab» nie gebrauchen bi» dato preußische Behörden die officirsten B«zeöch»tt»ß»» t» U Maßr Welse — ds» «ft« «ach ßür nicht Recht, wücAe Irrthum »regen; sie reden von den Iudctr gar nicht. Regulcuio Nr. 3 handelt „üb» die Aufnahmeprüfung an den ikönigl. Schullehrer»Leminaneii." Hier sind» sich zur« erstenmale, in jj. 4, eine versteckte, verschämte, verblümte, Anspielung auf jüdische Aspiranten. Es heißt da: ,,d» Mel» du,^ sind beizufüge» 1) da» Taufzeugniß (Geburtsschein.)" Als» stad auch Ungetauste zozulassen. DaS ist Alles. . $. 9 zählt auf, wa» die Aspiranten in Religion wissen müsse» und zwc r 1) die Evangelischen, 2) die lkathotischen. Jude» brauche» also gar nichrS zu wissen; dagegen müßten sie, laut Absatz f, die aus die Pflanzung und Ausbreitung de» Khriftenth bezüglichen Data kennen; nach Pos. k aber auch 20 der gangbarsten Lirchenmelodien — vielleicht wird jedoch weder dieses »och jenis valaugt. Xoa liguet! Die Juden sind todlgeschwiegen, lediglich getauft brauchen sie nicht zu sein. Das vierte Regulativ enthält „Lshr-Ordnung und Lehrplan für die lkönigl. Schullehrer -Semiaarien" — nicht'rin Wort, welches wir hi» erwähnen könnten. DaS fünfte ezldlich erwähnt endlich Jude» ausdrücklich. Es enchält-chir Pri fungsordnung für 1) Bolksschullehr», 2) Lehr» an Mittelschulen, 3) Rectoren. §. 11 der Abth. I. bestimmt: Jbei Pri fuag jüdischer Kandidaten blldet di« Religion keine» Wst» fuagSgegrnstand*). Dann 8 8 d» Abth. H.: „Zwischen dies m Gegenständen steht dem Examinanden di« Wahl frei, jüdische Candidatrn können dieselbe jedoch nicht auf da» Gebiet des ReligionSunt»richtS lenken." $. 12. „Der Eandidat hat ... in Religion und Geschichte — ein jüdisch» Kandidat in Deutsch und Geschichte — folgende Bedingungen zu erfüllen" u. s. w. — Wir haben nun Alles extrahirt. Dennoch wollen wir d» Sache noch eine Lichtseite ab;ugewinarn suchen, optimistisch k tont prix sein. Minister Folk hat bei den einzelnen gebotenen Gelegenheiten sich d» Gleichberechtigung der Inden in Schuldinge» günstig gezeigt, bei den neuen Regulativen hat » sich jedoch in den Schrank« d» altpreußischen Gesetze (bald hätten wir gesagt: de« altpreußischen Rischus) halten müssen, welch« eben da» Iudenthum übeall au »schränken, den Juden nur in Verbindung mit ein» Nqation zu erwähnen gestatten. „Juden können, sollen, brarchen, dürfen rc. r. nicht." Die neue Echulgesetzgebung •) Dieser Passus berührt sveeiell bas jüdisch« Seminar zu Hannover, an I«u bisher bi« Prüfung der »bimrienten vor der Slegierungseammisfian sich auch aus «eiigia» «rsirecki, nxshald aber bi« Semtnar-Sommissian di« > tnttasiung»»rüsung vargenommen und die Zeugnisse ertheilt Heu. ziel« die» ««^ s« «äre, »i, der Landrabb. vr. vie^r und «eetor Horwttz s. Z. in Berlin erörtert habe», und »ie jede« «i^ichtigea klar ist, de« Inslitut« dt« >rt an di« Würze! gelegt. Di« Lehrer habe» bei der Prüfung der Schüler nicht» mehr zu sageul 5,000 Dhlr. Staats-Subvention lassen sich, »enn entzogen, durch Wohllhäter ersehen, aber nicht di« de« Snninar «ntzigene «eltuug, »aerkdnnun,. «»toritüt. Da da» ftagl. Seminar sich aus »es«»« berufen kann, so finden vielleicht di« neuen Miniftertal- Bersiguugen keine «mmadun, und es bleibt bei« «lten" — vorltusig, »och «in« — <S»lg«nsriftI ab» wird UnS zu uns»em Rechte »»helfen. Abwarten also!? Nimmermehr!. es ist Gefahr im Verzug»; keinen Monat verlieren, sondern Fordsru, Verlangen, Befchwsede Vorbringen! Wir yßben efcfcn schm»» Stand- 99 ist nicht blos de» IZMstan», dckß wir Dinge »»langen, dl« man bisher in Preußen gckr nicht kannte; (vergleiche utlter „Besoul/^) nicht blos die Gewohnheit, daS Beharrungsvermögen, zum $*til auch d e eütschledrtil Abseißttttß d» zefetzgcbcnden Faktötm sind zu überwinden, wir haben gegen unS in »»nserer eigenen Mitte: die Unkenntniß, die Unthätigkeit, -den M< und Mißverstand und daS Uebelwollen, ja di« Feindseligkeit. „Die größte Schwierigkeit liegt auch nicht außer, s»nd»n in un» selbst, wo die extremsten, im unwissenden «ad volltönendsten Phrasenthum wurzeluden Bestrebungen weit au»einand»g«hea," so schrieb unS dieser Tage ein Freund in Hinblick auf die Schulfrage». Unkenntniß ist da» erste Uebel. Ist unter je tausend Gemeindevorstehern wohl mehr als je ein», d» di« neuen Regulative ansieht? Man liest in der Zeitung, daß Falk liberal ist und seine Schöpfungen liberal und sein Streben liberal, man stimmt in da« allgemeine liberale Halleluja ein. Daß oieser Liberalismus die Juden rbenso ignorirt, wie vorher der Pietismus — da» weiß man nicht. Run sollten die Rabbin« es wissen! Aber wer wird Schulregulative lesen? Darüber kann man nicht gelehrt schreiben, kein „Wörtchen" sagen; keinen geistvollen Vortrag halten, die He»n haben allmonatlich ganze zwei Predigten zu halten, daneben noch so viel zu thun, auch für deS Namen» Unsterblichkeit zu sorgen. — Wir haben bis jetzt noch wenig Entgegenkommen gefunden, wir sagen heute nicht mehr darüb«. DaS ist die Unthätigreit; man könnte «» auch etwa» gröber bezeichnen. Dazu uzw hpr Unpexsthnd, dxr sich freut, daß da» Gesetz gar nnhr von den Juden spricht. So ist'» ja RechA dltint mur das ist .Konfessionslos", da« ist Religionsfreiheit. Daß di«! neuen Regulativ« noch durchweg confessionell sind, wird übersehen oder wenn man darauf hingewiesen wird, so heißt es j wohl: uuii so haben wir -Freiheit, unS läßt d» Staat ge- ' währen. So ungefähr, wie wen» jemand auS ein» anstänj digen Gesellschaft hinaus, auf die Straße geworfen wird und l^ich nun rühmt: ich habe die Freiheit zu gehen, wohin ich!^vill. — Dazu gesellt sich auch wohl noch orthodoxer Unverstand der beileio« nichts vom Staate will — außer gelegentlich etwas „örowod", wogegen «an nicht ganz unempfindlich — wir werden, heißt es da, alles allein machen, z. v. ein Seminar und wenn da nur dafür gesorgt wird, daß di« Zöglinge das Taschentuch um den Leib binden und da» Räppchen gleich augewachsener Epidermis tragen, so ist alle» gut. — Endlich die gradezu Feindseligen, welche di« Religion aus der Welt schassen uiöchten und sich dah» innig freuen,! wenn zunächst in ihrem Kreise bei den Inden, dem religiösen! Lehren und Lernen jeder Abbruch geschieht, i Ab» trotz alledem I Mit Allen, mit vielen, mit Wenigen nur vorwärts, an'S Werk! StsNpt der 3i)n. In runder Summ« leben i« deutschen Reich: Protestanten 28,100,000 oder 62,1 Procen l Katholiken 14,600,000 „ 36,3 „ Juden u.s.w. 600,000 „ 1,6 „

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.