Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang No. 45
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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erlauben, wenn auch Inden anwesend sein sollt«; n»>d ei warm deren wirklich mehrere zugegm, und — die Arche ist nicht eingestürzt. (Wir entnehmen diese beruhigmde Nachricht der Troppauer Zeitung.) Mari». Die neulich vorgmounnme Volkszählung, welche auch die Konfession berücksichtigte, jedoch jedem sreistellt!, sich für religionslos zu erklär«, hat doch nur 2500 Zndinidum ergeben, welche keiner religiös« Gesellschaft angehörm wollm und zwei, welche sich als „Freidenker'' bezeichn«. Leg« (rund) 1,730,000 Katholiken, 30,000 Israelit« 40,000 Protestant« verschiedmer vekmntnisse ein verschwinlrende» Häuflein von Religionslos« — trotzollÄem! ArLffek. Die am 29. Oktober hier zusammentretmde internationale Conserenz jüdischer Deligirt«, welche iber die zu Gunst« der rumänischen Iudm zu ergreifend« Maßregeln berathm wird, dürste nicht ohne vorwiffm des Fürst«, Bismarck in» Leb« gerufm wordm sein. Der Anstoß dazu ging von Berlin au», und zwar war es der Bankier Bleich» rüder, welche die Initiative ergriff und deßhalb Borschlüge iu London, Amsterdam und Brüste! machte. (R. fr. Pr.) 1£rftfef, 29. Oktober. Der Kongreß zur Besprechung der Angelegenheiten der Iudm iu Rumänim wurde heute erüffnet und zum PrLstdeutm Crömimx, zu Bice» Präsident« Goldschmidt (London), Sompertz (Wim) und Lazarus (Berlin) gewählt. Zn einer Rede gab Crömieux ein« Ueberblick über die Geschichte der Iudm 1» dm letzten 80 Jahren. — 31. Oktober. Die Konferenz hat ein Erecutivrountü emannt, welches sein» Sitz in Wim Hab« soll. Dasselbe ist beauftragt, alle Mittel anzuwendm, um die moralische und materielle Lage der Rumänisch« Juden, namentlich durch Errichtung von Schule«, zu verbessern. — 1. November. Don Delegirtm der Rumänisch« Iudm ward« die Erklärung abgegebm, daß sie selbst eine Petition um Verleihung ^er staatsbürgerlich« und politstchm Rechte a» die Rumänisch« Lämmern richtm wollt«. Die Conserenz ertheilte dieser Maßnahme ihre vollste Zustimmung. Die Idee einer Mastmanswanderung nach Amerika wurde hauptsächlich au» dem Grunde anfgegeb«, well die Rumänisch« Juden mit der grüßt« Zähigkeit an ihre« Baterlande häng«. Feuilleton. il» sichtbare Kessel». vngtual-sromll« au» de» jüdisch > «uerikanifche» Lite» von 2. 8. Lichtender» in Nr». York. Die Honstonstreet herauf kam ein zweirädriges Fuljrwerk, belad« mit Tanneuklst«, der« eiserne Beschläge passend für ei» Festnugsthor gewesm wären. Jede dieser List» trug in leserlicher deutscher Schrift die Worte: „Auswanderergut." Hinter dem Karr« drein, durch Pfützm und Lücker, inmitten der Straße, zog« unsere all« Bekannt«: Ploscheh, Gudel und Bärchen, und zwar die beidm erster« schnaufend > und pustend, zwei« Loeomotiom gleich, während Bärchen mit sein« lang« dürr« Bein« ziemlich Schritt hielt, nur warm die hinterm Tasche« seines lang« Rockes sehr augefüllt, und § verursacht«, anscheinend durch da» Klapp« an die spindel- 1 dürr« Wad«, einige Unbequemlichkeit«. '' Der Fuhrman,^ welcher gemüthlich ans der oberst« Kiste thronte, hielt ein« Zettel in der Hand, betrachtete bald diesen, bald die HauSnummem, bi» er mit einim plötzlich« Ruck da» i Pferd anhielt, und Bärch«, welcher dicht hinter dem Wag« lief, prallte so sta ck an dies«, daß er sich an eine Pfütze setzte, und dadurch, noch ehe er'» gchacht, Grunde>,enchum iu Amerika buchstäblich besaß. Jedoch wer er fast eb«so schnell wieder auf de» Füßen. und betrachtete den Theil seiner Nankinghose, welcher am meist« gelitt«. Al» er die Hand schmutzig zurüchog, malte sich einige Verlegenheit auf feine« Gesichte; doch bald klärte ein guter Einfall dasselbe auf. Er griff in seine Rocktasche, zog ein bunte», großcarierte» Tuch hervor und band e» sich unter dem Rocke um dm Leib und zwar so, daß der breite Theil »ich hint« hing. „Ich werde mich immer mit dem Rücken noch der Wand stellen," murmelte er, „und man wird'» nicht st Herr." Zndeflm war der Karrmführer von seinem Sitze herabgestiegm, die paur hölzerne Stuf« hiiiaufgegangen, und hob dm Klopfer auf der Hausthüre. Moscheh, Gudel und mittlerweile auch Lärchen «tschloffen sich endlich, dm Seitenweg zu betretm und werteten der kommenden Dinge. Da wurdm sie durch dm hinter ihnen ertünmden Ruf erschreckt. „Da sind sie ja» da sind sie ja! Hab' ich'» nicht gesagt, sie werden heute noch komm«. Kennt ihr mich nicht? ich bin ja doch die Belah von Oppenheim und Ihr seid doch Moscheh und Gudel Hirschheid," und in ihrem Enthusiasmus vergaß Belah, d« armen erstaunt« Leuten die Thüre zu öffnen. Diese war indeß auf wiederholte» Klopf« schon ausgemacht wordm, und im Rahmen derselb« erschien Bertha. Jetzt kam ar ch Belah zu sich und schob Moscheh und Gudel vor sich her bi» an die Treppe. Doch hier wmdete sie sich' um und lud turch eine Handbewegung Lärche ein, mtt herauf zu komm«. Dieser jedoch da» Malheur seiner Rückseite bedmkmd, verneigte sich mit dem Anstaude eine» Hidalgo und mit kecker Haadbewegung erwiederte er: „Rach Ihn«, schönste der Parzen." Halb erstaunt halb erzürnt schaute ihn Belah an,.dann sazte sie verbiss«: ,,Die Warze, die ich im Gestchtt habe, wird Euch doch nicht genirm? oder doch? Ra, dann bleibt draußen. Ihr . . ." da« Wort verhallte. Wir übergehen dm Empfang, der unserem Paare zu Theil wurde, die Freude der beidm Brüder> die sich seit 25 Jahr« nicht gesehen, und die Zuvorkonmenheiten der schön« Bertha sowohl, alt auch Belah», «ft welch« die Angekommenm überschüttet wrrden, al» sich Me, Bärchen in einer Ecke stehend, km Porlonr versammelt hatte», und nehm« unsere Erzählung wieder iiuf. ,^vu stehst süjr gut au», Bruder — Henry Deermoore," sagte Moscheh, m>!» bewirk» dadurch ein leichte» Zucken im Körper de» Bruder». ,»Ia, ich sehe wohl au», aber «» ist nicht alles Gold, was glänzt, und meine Gesundheit ist sehr wankend, doch davon später, um Euch nicht die erste Minute Eurer Ankunft zu verleiden. Doch sage mir Moscheh! wo» hast du dmn da für ein« Zettel t> der Hand, woraus du immer siehst, wenn du z» mir sprichst," sagte Heur, lichclud. „Ach, lieber Bruder, nimm e» nicht übrl, da» ist ein alter Brief von dir," erwiederte Moscheh verleg«, „und da sehe ich jedeimol leine Unterschrift nach, da ich dein« amerikanisch« Ramm nicht behalt« kann. (yortjetz,«, folg«.)