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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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333 Gedächtnißred« in der Kircke gehalten und dieselbe auf Verlangen veröffentlicht. > Ae«-P»rt. Die wüthenden und ebenso unverschämten al» allebisher selbst bei nur halbcioilisirten Nationen geltende Völkerrecht verletzenden Ausfälle eines Bukarester Blattes „Alliance lattno slave" gegen den nordamerikanischer. General- Consul, de» „Juden" Peixotto, fangen andie New-Uorker Blätter in Harnisch zu bringen. Die Amerikaner dürften die Letzten sein, die ihren Cousul von der Bande beschimpfen lassen. Warten wir ab! Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. Original-Noselle au« dem jüdisch - amerikanischen -«den von I. N. Lichtenderg in New-Kork. (Fvrtsetzung., „So, Herr Doctor, Hub er an, endlich werden wir der Regierung und dem Volke beweisen können, welchrS Subjekt Sie sind. Dieser kranke ist auf höchst geheimnißvolle Weise gestorben und zwar durch Ihre Schuld ohne Absolution; der Beweis, daß Sie böswillig Ihre Obliegenheiten v-'rabsäumt, und vielleicht durch Nachlässigkeit den Tod dieser Person verschuldet, ist der geringste, den wir zu führen gedenken. Ich wußte zu genau, daß ich, wenn der Pfarrer wollte, straffällig sei, da der Schein arg gegen mich war, indem solch plötzliche Todesfälle im Anfänge derartiger Krankheiten zu dm größten Seltenheiten gehörten. Ich machte Miene, mich zu entferne», aber der Pfarrer vertrat mir den Weg: „Warten Sie! sagte er, die Untersuchungs - Comisston mit dem GerichtSarzte, wird sogleich hier sein/' Mit einem raschen griffe schleuderte ich ihn zur Seite, und zwar so unglücklich, daß er auf das Bett flog, welcheunter der doppelten Last zusammenbrach, und der Todte und der Lebende unter einem Haufen von Brettern und Strohsäcken verschwand. Ich eilte aus dem Zimmer, ging eiligst nach Hause, kleidete mich um, und begab mich in aller Hast zu dem Landqute des Baron von B., um mit ihm Rücksprache über diese Schwierigkeit zu halten. Zu meinem Unglücke war er am Abend vorher nach Wien gereist. Erschöpft und geängstigt kam ich zu Hause an, und traf hier den Barbier, von dem ich Ihnen erzählte, der schon seit einer Stunde aus mich wartete. Mit bleichem Gesichte, kam er mir entgegen, und erzählte mir, daß die Untersuchungs-Commission bei dem Todt:n gewesen, aber keine verdächtigen Umstände befunden, dagegen sei ein Haftbefehl für mich ausgestellt, wegen mulhwillig« Bersäumniß meiner Pflicht gegen die Religion, und ein zweiter wegen thätlichen Angriffes gegen einen Priester, in Ausübung seines Amtes. Beide Befehle würden schon an mich gekommen sein, aber der Pfänder sei in Folge seines heftigen Falles schwer erkrankt, liege im Deliritim, und würde nach Ausspruch des Gerichtsarzles die Krankheit der Verstorbenen bekommen. Da nun der Pfarrer die Anklage nicht selbst betreiben könne, und ich des Gerichtsamtmanns Kind im letzten Winter von einer gefährlichen Krankheit gerrettet, so habe dieser den Barbier an mich abgesandt, daß ich entfliehen solle, so lange es noch Zeit sei. Während dieser Erzählung war es duukel geworden, und unter Beihülfe des Barbiers packte ich eilig meine Sachen, nahm alle- Werthvolle und die geringe Summe baoren Geldes zu mir, und nachdem ich noch eine Vollmacht an Herrn B. für weine Möbel und auSstehenden Schulden hinterlassen, verließ ich, von Angst vor Verfolgung gepeinigt, kurz vor Mitternacht dieseverhängnißvollen Tages Kuttenberg und reiste ohne meine Familie noch einmal gesehen zn haben nach Bremen, um mich nach Amerika einzuschiffen. Bon hier aus schrieb ich nochmals an Hrn. v. B. An, Tage der Einschiffung erhielt ich folgende Antwort. Moritz suchte in seiner Brieftasche, nahm ein Eouvert, öffnete und las: „Mein lieber Doktor! dieses Mal ist Herr Pfarrer Retz Ihr Master geworden, denn auf genialere Weise hat sich noch nie ein Feind eines andern entledigt. O! Sie lrichtgläubigei' Mensch, wie konnten Sie, ein Mann der Wiflenschaft und was mehr sagen will, ein Jude, deren Geist und Witz sprichwörtlich geworden, stch so übertölpeln lassen. Doch zur Sache: Di« UntersuchungS-Commission war frellich auf Anttag des Herrn Pfarrers in der Wohnung Ihrer Patientin, stellt« aber fest, daß der Tod der Erkrankten durch einen Herzschlag berbeigeführt, ferner, daß Sie nicht wissen konnten, daß das lethale Ende so nahe sei, und deshalb auch kein Grund Vorgelegen, den Pfarrer zu benachrichtigen, und endlich ist Pfarrer Retz weder krank geworden, noch hat er im Delirium gelegen. Er war für Sie nur allzu aufgeweckt, denn nachdem er seine Anzeige bei dem Ihnen wohlwollenden Amtmanne angebracht, und von diesem wegen ungenügenden Beweise-, den thätlichen Angriff betreffend, zurückgewiesen, hat Herr Pfarrer Retz, während Sie auf meinem Gute sich Rath «rholen wollten, den Barbier insttuirt, und seinen Zweck, wie Sie ain Besten wissen, herrlich erreicht. ». Nach Ihrer heimlichen Entfernung hat der Pfarrer denn auch sogleich eine Eingabe an die zuständigen Behörden gemacht, und Ihre Stelle für vacant erklärt, und Pfarrer Reh ist Sie l»S. Ueber Ihre Mobilien?c." Moritz steckte den Brief wieder ein, und Moscheh schien durch den eben gelesenen Inhalt desselben höchlich amustrt, denn ein zufriedenes breites Grinsen verklärte sein Gesicht. Ja! Herr Doktor, sagte er, werft nur einen Pfaffen wie Ihr wollt, er fällt iminer ans die Füße. (Schluß de» ersten Kapitel«.) Ein ««gebohrter Tempel. Aus Paszto in Ungarn schreibt man unterm 2. v. Mts.: „DaS winzige Bächlein, welches in einem breiten, weitbuchttgen Bette die Stadt durchzieht, überschritt seine Ufer und überschwemmte die halbe untere Stadt. In der Nähe des Iudentenipels staub eine Frau, als plötzlich von allen Seiten die mächtigen Wellen hervorschoffen und sie dem Tempel zudrängten. Schon reichte ihr das Waffer bis an die Knie und stieg noch immer höher, da ergriff sie die Axt, die sie vom Felde hcimgebracht hatte, spaltete die Thüre des Tempels, stieg zur Galerie empor, gewährte aber zugle>ch den Fluthen fteien Einlaß in daS Parterre. Im Tempel sowohl, als in der Umgebung desselben richtete die Überschwemmung großen Schaden an. Hausgeräthe, ganze Aauthcile, junge Ferkel rc. schwammen bis 3 Uhr Nachmittagin der Stadt umher. Die Sitzbäuke schwammen vier Schuh hoch über den Boden auf der Oberfläche deS Wassers und die — Neumondsandacht mußte verrichtet werden. Da ging der löbliche Cultusvorstand her und bohrte seinen Tempel an. Durch ein großes Loch, das in die Rückwand gemacht n>urde, floß das Wasser ab, und die Gemeinde konnte ihre Neumondgebetr in excelsis, daS ist „auf der Damengallerie" verrichten, ohne den Geist der Zerstörung auf dem Wasser brüten zu sehe».

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