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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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332 überdies können ja meine Wundergläubigen in dieselbe Zweij fel setzen, da ich als göttlicher Mann nicht einmal im Stande sei, die Kraft eines Statthalterei-Erlasses zu pariren. Wären es nicht die RebbeS, die durch heuchlerisches Augenvcrdrehen und „Kamaien" an das wundersüchtige Volk dasselbe am Gängelbande der bornirtesten Dummheit und Bigotterie leiten, um daraus einen Gmvinnst für sich'zu ziehen, es würde sich schon längst aus dem Pfuhl des Aberglaubens und der fanatischen Schwärmerei emporgerafft und sein Augenmerk dem Lichte der Aufklärung und Civilisation zugewendet haben. Man mühte lügen, wollte man behaupten, daß es in Galizien keine Männer gäbe, die ihr Möglichstes aufgeboten hätte», um die Zugend zur Bildung anzurege», und sie zum Studium der Wissenschaften anzuspornen. Allein der Chassidismus und seine Herz und Geist verfinsternden, jeder Aufklärung schnurstracks gegenüberstehenden, bloß auf Eigennutz reflectirenden Rebbes paralystren und unterwühlen >edes edle Streben der besser gesinnten Männer. So lange die Regier u:.g nicht die unconcessionirten Cheders anfhebt und die Eltern zwingt, ihre Kinder in die öffentliche Schule zu schicken, so lange haben wir auch nicht auf einen aufgehenden Lichtstrahl in Galizien zu hoffen. A. L. Wollmann. Vermischte und neueste Nachrichten. rLyck. Rabb. Lilberman, Redakteur des „Hamagid" hatte aus Anlaß der Berliner Drei-Kaiser-Zusammenkunft ein hebräisches Gedicht betttelt „der dreifache Faden" verfaßt, in Nr. 35 seines Blattes veröffentlicht und dem deutschen Kaiser übersendet. Ein huldvolles Schreiben aus dem Cabinet Kaiser Wilhems sprach den Dank dafür aus, S. Maj. bedauert in der Jugend nicht hebräisch gelernt zu haben, um das Gedicht lesen und verstehen zu können, doch sei der Inhalt, die patriotische Gesinnung aus dem Begleitschreiben ersichtlich. Arälsek. Zn Sachen der rum. Zudenftage soll gegen Ende des künfttgen Monats hier eine Conferenz von Drlegirten aller bestehenden Comitö's für diese Angelegenheit stattfinden. Die Conferenz wird aus Deutschland, England, Frankreich, aus Rumänien selbst, so wie aus Amerika beichickt werden. Aus Schwebe». Zum erstenmale ist ein Jude, und zwar der zur. oavck. Aron Philipson vcn Gotbenburg in den Reichstag gewählt worden. Es ist diese Auszeichnung um so mehr von Wichtigkeit, als das Gesetz der Wählbarkeit eines! Juden zum Abgeordneten, erst seit dem letzten Reichstage existirt. Man hat also gleich bei der ersten Wahl von dieser Freiheit Gebrauch gemacht, nicht allein um zu zeigen, daß man! von der Fähigkeit der also erwählten Juden überzeugt sei, \ sondern wie bei einer vorher gehaltenen Wahlversammlung; geradezu hervorgehoben wurde, daß man ein Beispiel geben wolle, das Gesetz nicht nur in Worten, sondern durch die That anzuerkennen. Das zeigte auch die große Majorität bei der Wahl Ph.'s. (Züd. Pr). Stockholm. Bcr einigen Wochen berichteten die Blätter über angebliche Ausweisung dreier polnischen Znden aus Malmö und gingen in ihrem Eifer soweit, Schweden mit Rumäaien zu vergleichen. Da Schweden seiner früheren religiösen krclusivität längst en^agt und seine Gesetze im liberalsten and humansten Sinne umgestaltet hat, da die Stellung der Juden in Schweden in polittscher und socialer Beziehung jetzt notorisch nichts zu wünschen übrig läßt, so hielten wir jene Nachricht für entstellt und unzuverlässig und begnügten uns mit der kurzen Notiz in Nr. 38. Die „A. A. Z." bringt nun folgende Darstellung des ThatbestandeS: „Drei polnische Juden begaben sich nach Malmö in der Absicht sich dort niederznlasse», indem sie von der Voraussetzung ausgingen, daß das schwedische Gewerbegesetz von >664, wonach es Fremden gestattet ist, in Schweden Handel und «bewerbe zu treiben, ohne daß eine besondere Autorisation dazu von Nöthen ist, auch auf sie Anwendung finden müsse. Sie wendeten sich nun an die schwedische Regierung, um derselben die »öthige Anzeige von diesem ihrem Entschluß zu mache», erhielten aber den Bescheid, daß man ihnen wohl gestatten könne, sich in Malmö aufzuhalten, nicht aber, daß sie daselbst sich mit Handel abgäben, indem der Regierungserlaß — veranlaßt durch vorgängigen Reichstagsdeschluß — vom 26. October 1860, wonach es Zude», falls sie nicht schwedische Unterthanen sind, nur gestattet ist, sich in Stockholm, Gothenburg, Norrköping und Karlskrona niederzulassen, noch zu Recht bestehe." Jernsakem. Am 18. August, als am Geburtstag des Kaisers Franz Joseph, hat hier die Einweihung der Synagoge „Tifereth Israel" stattgefundew (Der Kaiser hatte, als er sich auf der Fahrt nach dem Suez-Kanal in Jerusalem aufhielt, den Bau dieser Synagoge besichtigt und einen Beitrag zu demselben gespendet). Bei der Feier waren der österr.-ungarische General-Consul und sämmtliche Beamte des Consulates, sowie selbstverständlich sämmtliche Rabbiner und Vorstände der Gemeinde anwesend. Das Fest schloß, nachdem in dem strahlend erleuchteten Tempel eine Reihe von Chorälen gesungen worden war, mit einem Gebete für den österreichischen Kaiser. London. Die „.^oxlo-^ovizd-Assoeiatioo" hat ihren ersten Jahresbericht veröffentlicht. Factische Resultate liegen allerdings bis jetzt kaum vor. Wir kommen jedoch auf denselben zurück. — Anna Maria Goldsmidt (Schwester des Sir Francis und Tamc des Mr. Julian, beide Parlamentsmitglieder) hat eine englische Uebersetzung der schon mehrerwähntcn (von unserem geschätzten Corresp. Hr. Rabb. Taubes verfaßten) Broschüre, „die Judenverfolgungen in Rumänien, von einem Freunde seines Landes, seines Volkes und der Freiheit," heransgegeben und ein Vorwort hinzugefügt, welches die „Arch. Zsr." nach Ton und Inhalt höchst angemessen finden. Nord-A«erico. Ueber den General und Gouverneur des Washington Territoriuns Salomon, (vzl. biographische Notiz über denselben im Feuilleton der Wochenschrift Nr. 31) erzähl« „Deborah" folgende Anekdote: „Als Salamon, Gouverneur in Wash. Trrr., war, lebten noch einige jüdische Familien gleichzeittg mit ihm in der Hauptsttadt, die für die Herbstfeiertage eine kleine Gemeinde bildeten und ein Local für den öffentlichen Gottesdienst einrichteten. Es fehlte aber der Geistliche, der in jener Gegend nicht zu haben war; Guov. Salomon wickelte sich in seines Nachbars Tallith, betet vor, I lieft die Thora vor und predigt. Die Rede wurde seiner ' Zeit im Israelite abgedruckt, wo der Vorfall ausführlich gemeldet war. DaS war wohl „der erste Zude," der als Gouverneur auch zugleich Chasan und Prediger war. Herr Maler Oppenheim hätte die Scene gezeichnet, «ornn er sie gesehen hätte." Ai«gfto«. (Jamaica). Rev. Z. Radcliffe, Prediger der schotlischen Kirche, hat dem verstorbenen Enranuel Lyons eine

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