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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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330 stitutionen zu Schaden kommen. ES sind ja immerhin nur ein Paar Personen in den Einzelgemeinden, welche alles derartige Gemeinnützige machen; seien wir darum vor Allem der Warnung des talmudischen Ersahrungsgesetzes eingedenk: „wer zu Vieles fassen will — faßt Nichts." Darum wollen wir für „die die Gesammlhcit der jüdischen Glaubensgenossen betreffenden Interessen treue Anhänger der großen Mutterloge Alliance Zsraslite Universelle bleiben." T iS jetzt hat sie der Führung sich gewachsen und unseres Verttauens sich würdig gezeigt; ihr wachsames Auge ist gerichtet als alle Israeliten, und ihre hülfreiche Hand bislang zur richten Zeit am rechten Ort gewesen. Darum keine Separirung! Atta»«, 25. Levtbr. In den verschiedenen Berwaltungszrxigen der hiesigen hochdeutsch-israelitischen Gemeinde herrscht se t einiger Zeit, nachdem das Gemeindestatut die Genehmigung der König!. Regierung erhalten har, eine große Regsamkeit, uen die alten Berhältniffe abzuändern und neue einzuführen. A ech die verschiedenen (Kommissionen halten sich momentan für verpflichtet, theilweise mit Rücksicht auf die den bisherigen Gem nndeverhältnissen bevorstehend« Reorganisation weitere Veränderungen und Umgestaltungen zu inhibiren. Insbesondere hat die Commission, welche erst neulich Zwecks Aufhebung odw Reorganisation der Gemeindeschule niedergesetzt wurde, ihie Thätigkeit nach der ersten Sitzung sofort eingestellt, weil nach dein neuen Gemeindestatut die Gemeinde verpflichtet ist, die Schule zu halten, unb die Ausarbeitung des Schulregulativ z die Genehmigung dir Kgl. Regierung erfordert. (Res). Hstra»», 8. Septbr. So lange das Gymnasium zu Ostrowo besteht, war es stets üblich, daß beim Maturität»- Errmen dt« Abiturienten jüdischer Confessio» ohne Ausnahme am Sonnabend ihre schriftlichen Arbeiten machten. Auf dieSfallsige Vorstellungen «ntgegnete man, daß e« keine Dispensation von der Anfertigung schriftlicher Arbeiten am Sabbath geben kann, und wenn eine solche überhaupt möglich wäre, so sei sie unfehlbar mit anterweitigen großen Nachtheilen für die betteffenden Abiturienten verbunden. Endlich wurden etwaige religiöse Skrupel dadurch zum Schweigen gebracht, daß man auf die Fruchtlosigkeit aller früheren Vorstellungen in dieser Beziehung hinwies und am das Unnütze aller ferneren Bemülmrgen in dieser Jache schloß. Dieser beklagenSwerth« Zustand blieb unverändert bis zur Zeit, da die Gemeinde von Ostrowo daS Glück hatte, Herrn Dr. Freymann zu ihrem Seelsorger zu erhalten. Er erklärte sofort beim Antritt der Stelle mit Entschiedenheit, daß eine solche Entweihung des SalibathS unmöglich geduldet werden könne, zumal auf keinem andwn Gymnasium von einem Zwange hierin die Rede ist. Die Eltern der diesjährigen Abiturienten reichten nun auf deffin Deranlaffung ein «besuch bei dem Gymnasial -Director ein, in welchem sie ihn baten, ihre Söhne vor der Uebertretung einer religiösen Pflicht zu wahren. Sie wurden jedoch abscltlägig beschieden, da der Director sich auf einschlagend« Gesctzesparagraphen berief, demzufolge sämmtliche schriftliche Arbiter! in einer und derselben Woche angeferttgt werden müßten; er sei daher nicht befugt, die israelittschen Schüler vom Schreiben am Sonnabend zu dispensiren. Allein Herr Di. Freymann ließ sich durchaus nicht entmuthigen, sondern setzte seine edlen Bemühungen mit Eifer fort. Er wandte sich nunmehr an daS Provinzic l-Schul-Collegium, welches humaner dachte als der Herr Director, und ohne Weiteres di« Bitte des.Herrn Rabbiners gewährte. In dem Schreiben, welche» in Folge dessen der Direktor an Herrn Dr. Freymann richtete, erklärte er sich für ermächtigt, die Arbeiten so zu vertheilen, daß die Examinanden am Sonnabend gar keine schriftlichen Arbeiten bekommen. Dieses Factum legt «in ebenso glänzende- Zeugniß ab von der Humanität des Provinzial-Schul- Collegiums, wie von den segensreichen Bemühungen unser« Herrn Rabbiners. (Isr.) 6. AuS Süddeutschkaud, 23. September. (Orig.-Corr). Bor längerer Zeit ist von Berlin aus ein Aufruf zur Gründung eines Waisenhauses in Jerusalem, auf dessen dringende Nothwendigkeit Prof. Grätz und seine Gefährten aufmerksam gemacht hatten, versendet ivorden. Es ist jedoch von einem nennenswerthen Erfolge bis jetzt noch nichts bekannt geworden. Ich möchte nun auf einen Umstand Hinweisen, den man in Berlin übersehen hat, und dessen Abänderung mir sehr ersprießlich zu sein scheint. DaS Comitö sollte sich noch durch einige Männer ergänzen, welche in andern Hauptstädten Deutschlands und Oesterreich» wohnen. Ich denke namentlich z. B. an Wien, die bei Werken der Wohlthitigkeit nie zurückbleibende, immer hervor-ragende Gemeinde. Liegt ferner etwa Berlin so nahe an Palästina, daß man von dort aus die Verhältnisse genau übersehen kann? Ein jeder, der beizutragen gewillt ist, wird sich doch sagen, daß man ein Waisenhaus in Jerusalem von Berlin au» weder erbauen noch leiten kann; man wird Vertrauensmänner an Ort und Stelle haben müssen. Wie eS mit solche» auSfleht, wissen wir leider. Da müßten atjo in dem Counts Männer sein, di« die Angelegenheit nicht lediglich mit dem Auge der Pietät, der Ehrfurcht vor den in Palästina Athmenden betrachten, die, um e« kurz zu sagen, den dortigen Persönlichkeiten auf die Finger sehen würden. ES sollte mir lieb sein, wenn diese Zeilen dazu beitragen würden, den Plan, dessen Trefflichkeit an sich ja gar nicht in Zweifel gezogen werden kann, in Erinnerung und in Diskussion zu bringen, damit er der Ausführung näher gelange. Oesterreich. Praß, 27. September. „Doch noch nicht dagewesen!" (Unter dieser Ueberschrift bringt die „Wahrheit" nachstehenden Artikel, für den wir dem an Ort und Stelle erscheinenden Blatte die Verantwortung überlassen müssen. <?« sollte un« sehr freuen, wenn die nächste Nummer jene» Blatte» von einer Aenderung berichten würde.) Mag Koheleth immerhin .agen: „Nichts Neue» unter der Sonne!" und Rabbi Akiba!n Gutzkow's „Uriel Akosta" noch so apodiktisch behaupten, ,,Alle» schon dagrwesen", eine Maskerade am Rosch haschana und Jom kippur in einem jüdischen GotteShause ist gewiß noch nicht dagewesen, und Prag blieb es Vorbehalten, die große Erfindung zu machen, vor deren Nachahmung es sicherlich auch ohne Patent und Musterschutzgesetz bewahrt bleiben wird. Bekannttlich werden wir nächster Tage, wie bereit» in diesen Blättern erwähnt, daS sonderbare Schauspiel erleben, daß man am zweiten Neujahrsabende sorgfälttg nach Uhr und Sternen sehen wird, um zu wiffen, ob es bereit» Sabbath sei und man also die Orgel im Tempel schon spielen dürfe, da solche» am Rosch haschana nach einem Paragraph de» „Zukunft»-Schulchan-Aruch" verbotm ist. Za aber, wie dem Ausfall des nothwendig gewordenen Instrumente«, auf deffen Mitwirkung nun einmal der Chor eingerichtet ist, am Feiertage selbst abzuhelfen?

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