Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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321 Sonderbarer aber ist ei, daß der Friedensapostel Lichtschein auf die Schomre-Hadath und Orthodoxe» in wahrhaft drnun» ciatorischer Weise losschimpft. Der berüchrigte AusstattungSvereinS-Echwindel in Ungarn giebt demsÄben Gelegenheit die Schomre-Hadath-Partei an de« Pranger zu stelkkn. Wir sind z« wenig in den leidigen Angelegenheiten der Ausstattung»- vereine unterrichtet;*) aber so viel steht fest, daß dabei Juden und Christen aller Schattirungen und Parteien vertrete« waren. Ln dem Ausstattung-Verein in Baja, also in einer Fortschritt»- gemeind«, findet man di« glänzendsten Name, an der Spitz«; z. B. einen General Türr x. Herr.Zgmy Reich, der Präs«» der Schomre-Hadach, hat Herrn Lichtschein auf stin« Jnveetivm'erwtedert, daß nicht ein eiliziges Mitglied des Vorstandes der Schomre-Hadath beim Miscolzer Ausstattungsverein' i« Ausschuß- und Berwaltungsrnth bechelligt sei und hat deshalb gegen Herrn Lichtschein einen Prvßproceß-anhängig gemncht. Hoffentlich werben die-Rabbiner und Vorstände so viel Ta« haben und den Aufruf des Herr» L. »ä »et» legen; aber es steht zu befürcht«, daß Herr L. Bewunderer finden wird- Es ist darum dt«'Aufgabe der jüdisch. Presse, gegen solch« thbrichte Unternehmung« ihrr-Ittnnne zu erheb«. Rnr dadurch können die Unbänrfen« zum Schwelg» gebrecht «erd«. Ke««»»ar, 31. »ugust. Der jüdisch« Schulfond« in Ungarn, der sich gegenwärtig auf die-' rrfpcctadle Summe von über zwei Million« Gulden beläuft, vetdankt bekanntltch der Gnade Sr. Majestät sei« Entstehung. Mft d« Anteresi« diese» Fond» wurden unter Andere« bisher auch vier sogenannte Musterhaupffchnl« iu den verschiedenen Gegenden de» Lande», «ud zwar in Pest, Lemisvar, Fünskirchen und S.-A.-Ujhely errichtet und erhalt«. So wie da» Geld 'bisher immer von der Regierung verwaltrt wurde, ward«'diese Schul« auch von der Regierung ins Leb« gerufen, orgainsirt und verwaltet; die Lehrer wurden ebenfalls von der'Regierung ohne irgend «in« Borbehalt angrstrlkt und dir Anstalt«'selbst auch immer al» Gtaat»anstalten betrachtet.' Bei dem verwahrlost« Stande des ungarischen Schulwesen» im Allgemein«, namentlich aber der jüdisch« Schul« iit'Uügarn, konntkn'dftsr ie» Geiste der modtrn« Pädagogik vrgasttfirt« Musteksihul« mtt^ ihr« tüchttg« LehrLräft« al» Oasen in der groß« Wüste de» fübisch^nngarffch«' BolksfchukTvesens' angesehen werden. Ans Leeunlaffung -der jüdisch« Landeskanzlei, de» au»führ«d«n Organ» der Conjftrßstatuten, ist nun jüngst-ein« ministerielle Verordnung'^erffvfl«, wonach dke DirksaMstst der Mustek» Hauptschulen mit Schluß de» abgelaufenen Schuljahres anfgehbrt hat. WaS nun mit dm an dies« Instituten von der Regierung angrstellten Lehrern, unter denen sich viele im Schulamte bereits ergraute Männer. yM zahlreicher Familie befinden, zu geschehm habe, das weiß 4t'£ heute noch Niemand zu sag«. Wie wir jedoch aus guter Quelle erfahren, beabsichtigt die Landeskanzlei, sie mit Weib und stind schon mit 1. Oktober vor die Thür zu setzen oder höchstens diejenigen unter ihnen, die bereits eine 15—20jährige Dienstzeit hinter sich Hab«, mit einem 1»—2jährigen Gehalte abzufertigen. So lohnt der Staat seine „geistig« Taglähner"! Vielleicht gelingt eS in letzter Stunde dem Cultus-Minister noch, die Rechte der Lehrer gegmüber den Uebergriffm und Gewaltstreich« der Congreßhelden zu wahr« und ihren berechtigt« Ansprüchen dem Staate gegenüber Geltung verschaffen. *) (Btt natürlich noch weniger, ater die fraglich« Anklage (pgnt die Borst eher brt Schomre-Hadath ist vielfach und sehr bestimmt iffenrlich erhoben morden. (Web.) — »t —. Loa der Z>«»a«r, 25. September. (Orig.-Corr.) Die jüngst« Tage, in weltgeschichtlicher Hinsicht so bedeutungsvoll, Hab« ionfrhalb unserer Landesgrenzm rbmfallS «ine Wandlung herheigeführt, der« Wichtigkeit, allerdings nur in dem streife, welchen sie zunächst betrifft, auch groß und hervorragend rv«d« kann. Die Cultus- und Unterrichtsangelegmheii« sind der Leitung eines ManneS anvcrtraut wgrden, an defferr Amtsantritt um so größere Erwartungen geknüpft werden, als dieses Gebiet gerade am meist« einen vyrurtheilslosen Blick und redliche Thatkraft erheischt. Dem ueuernannl« Mwfter Trefort rühmt mau.diese Vorzüge nach; als des verewigt« Süwös' Schwager erfreut er sich von vornherein gewisser Symptom, und so schwer die Bürde eines solchen Amtes auch kastetr'niag, so wird doch wol der Anfang einer derarttgen Wirksamkeit für dke öffentliche Meinung zn allermeist besttmmend sein. Wmn nun aber die Zfraelftrn unseres Landes diesmal in ihr« Hoffnung« ttotzdem nicht so sänguinisch -find, al» man nach dem Bisherigen glaub« sollte, so kst diese Nüchternheit freilich leicht erklärlich, wmn man sich erinnert, daß e» tbtn derselbe Trefort gewesen, der im Lahre 1861 m unß. Reichstage die seinerzeit mit größtem Befremden und gerechter Enttüstung aufgmommenm Worte verlauten ließ: „Die Lud« steh« im Pmtte des Ehrgefühls zurück gegen andere Nation«". Hoffentlich, so sagt man allgemein,'' ist er seit der Zeit durch den häufigen Umgang mft den geschmäht« ungarffchm Afraeliten auf bessere richtigere AnsichM gebracht ward« und wird wohl auch bemüht sein, gerade Inder ihm verliehen« levorzugtm Stellung daS damals begangene Unrecht wieder gut zu machen. Es kommt hiebei weit weniger auf eine Ehrenerklärung an, — die wurde schon damals von der gesammten öffmtlich-m Meinung geleistet, — «ls vielmehr auf eine gerechte Würdigung der d« Zsraeltten zur Natur gewordene Eigenthümlichkettm, des ttefinnigm religiös« Zuges und deS unbezwingbar« Wissensdranges, — und in unserm polyglott« Vaterland« werdm sja auch noch ganzandere „berechtigt Sigenthütnlichkettrn" mit zarter Rückfichk 'behandelt. Nicht al» ob verlangt würbe, daß der Cultu»- miMer mft dm jüdisch« StaatSbürge« sich ganz besondere Mühe und Plage verursach«, die bedauerlich« Zustände seit tot letzt« Lahr« Hab« tot Erfolg solcher Maßregeln zum Gegenstand« gerechten Mißttauen» und Zweifel» gemacht, gerade im Gegentheil würde e» geralhm rrscheinm, un» betreff» der streftigm Angelegenheit« ganz der Führung unsere» eigenen Gefühle», ja selbst de» Ehrgefühl», zu überlass«. Zn religiösen, oder sagen wir richttger, rituellen Frag« kann eine von Außm ivirkmd« Vermittlung kaum jemals Jo viel Nutz« bring«, um dir dadurch entstehende Einbuße von Selbstachtung auszugleichen.' Dagegen giebt eS ein andere» Gebirt, das einem schaffenSlufttgen Manne reichlichen Stoff für nützliche heilsame Thätigkeit darbietet. Unser Schulwesen bedarf der gründlichstm Nachhilfe, um auf der Höhe der Zeit sich behaupten, deren Anforderung« gmügm zu könn«. Ob andere Angelegenheit« vorliegm, welch« die öff«»liche Aufmerksamkeit so ganz in Anspruch nehmm, daß dadurch die Theilnahme für die Bildungsanstalten in dm Hintergrund tritt, ob der „beflügelte Sturmschritt" unserer raschlebig« Zeit die redlich« Leistungen der Schule soweit überholt habe, daß sie nun schon fast ungenügend rrscheinm, — es läßt sich darüber schwer mtscheidrn und es soll auch an dieser Stelle nicht entschiitoi werden. Thatsache ist, daß die Resultate in der jüdische Volksschule (hier zu Lande