Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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819 wahr ist. Wir bedauern, in solcher Art durch den Stufender getäuscht worden zu sein, und glauben einer Pflicht »u entsprechen, indem wir diesem Bedauern hiermit AnSdruck verleihen. Redaction der „Franks. Ztg." Püffetbvrf, 15. September. (Original-Correspondenz). o«m rmr» cipon p nrr Ist schon da» Scheiden «ine» Frommen geeignet auf die zu Verlassenden niederdrückend eiuzuwirken, so wird die» noch in erhöhtem Krad« da der Fall sein, wo der Scheidende nicht nur durch sein Beispiel wahre Frömmigkeit, nämlich Religion und Menschenliebe, förderte, sondern stet» bestrebt war, mit aller Macht de» Geiste» und der ihm eigenen Stellung veredelnd Mf sein« Pflegeempfohlenen zu wirken. Einen solchen Mann verliert auch unser Synagogen- Bezirk durch da» Hinweggehen seine» allverrhrten Rabbiner», de» Herrn vr. Feilchenfeld, welcher der auch von Ihrer Wochenschrift erwähnten Berufung zum Ober-Rabbiner von Posen Folg« gebend, am letzten Sabbath von seiner Hauptgemeinde im Gotteshaus« fich verabschiedete. Am Montage erschienen die Herren Vorsteher und Repräsentanten in der Behausung de» Herrn Rabbiner», demselben den Dank der Gemeinde aussprechend für da» langjährige segensreiche Wirken am hiefigen Platze. Zugleich überreichten diese Herren al» Geschenkt zur Erinnerung an seinen bisherigen Wirkungskreis dem Herrn Rabbiner ein paar fünfarmige Candelaber mit deutscher, und einen prächtigen silbernen Poeal nebst Platte mit hebräischer Inschrift, beide» in Silber höchst kunstvoll gearbeitet. Eine andere Deputation übergab dem Herrn vr. F. rin« höchst sinnreich abgesaßtr und kalligraphisch schön auögrführt« Adresse, unterzeichnet von den Mitgliedern der Fach- und Verwaltung« - Eommssflonen, sowie vom Lehrer-Collegium de» Düsseldorfer Lehrerseminar», auf dessen Entwickelung und Emporblähen der Gründer dieser Anstalt mit Befriedigung tnrückdltckrn darf. Besondere Sorgfalt hatte der Herr Rabbiner stet» der Äugend seine» Spr rngelS gewidmrt. welcher e» stet» «tu Festtag war, wenn er in der Schule erschien. > Die besten Wünsche seiner disherigen RabbinatSkinder svtgen ihm in di« Ferne. I. Sohn, Lehrer. /««deck. Ein Eorrefpondent der «Iüd. Presse" klagt über ein allerding» starke» Stück plumper Intolerunz Seiten» de» Geh. GanitätSrath» Vr. Langner. Eia in dessen Hause »ahnender Schuhmacher harte einem israelitischen Kaufmann au» BreSlau zwei Zimmer in Aftermitthe gegeben. Dieser versammelt« einigemale am Freitag Abend und Sonnabend Morgen Minjan in seinem Logi». Obgleich da» Niemand stören oder belästigen konnte, erhielt er doch von dem Seheimrath (mit dem er eigentlich gar nicht» zu thun hatte) nachstehenden Brief: ' „Euer Wohlgeboren zeige ich hierdurch an, daß ich unter allen Umstünden nicht gestalte, au» Ihren Ihnm al» Wohnung und Berkaufslocal vermietheien Zimmern eine Synagoge zu machen, im Fall-diese Beihstunden (säe) nich, nntrrblei- > den, haben Sie die Räume sofort zu verlassen, dir« , zeige ich Ihnen hierdurch an und hoffe nicht, durch ( Sie grnöthigt zu werden polizeiliche Maßregeln zu ers greifen." v>. Langner. j Ob der fragliche Aftermirther sich an diese» Edikt gekehrt hat, ' ist nicht berichtet. Hoffentlich nicht! Die Drohung mit der I Polizei ist ja mehr al» lächerlich. Al» Gegensatz zu Vr. Laag- «er rühmt der Sorrespondent den Sanität»rath vr. Adameryck daselbst, al» toleranten und humanen Arzt. J. Au» Htaper», 13. September. (Ortg.-Corr.) vielleicht wissen Sie schon au» den politischen Blättern, daß da» Reg.»Blatt für da» Königreich Bayern vom 9. September eine Milttär-Ersatz-Instruktion für da» Königreich veröffentlicht, „unter Zugrundlage der M. E. Z. für de» Rordd. Bund vom 26. März 1868." Au» den hierzu erlassenen Ausführung» - Bestimmungen dürfte au» Ziffer 3 folgender Paffu» inte resst ren: „Bezüglich der Zurückstellung und event. Befreiung der katholischen und pr 'estanttschen Theologen, dann der Rabbiner» von Ableistung der Militärpflicht ist Nachstehende» zu beachten: Eine gesetzliche Befreiung de» geistlichen Stande» von der allgemeinen Wehrpflicht findet nicht statt. Studirenbe d'.r Theologie katholischen und evangelische» Bektnntniffe», Zöglinge von MrsstonSanstaltrn, dann Rabbtnatr-Emchidatm und Ordrn-novizen, welch« in da» milttärpflichttge Alter ringetreten find, unterliegen deshalb den Bestimmungen der Militär-Ersatz Instruction." Eine Anmerkung hierzu verweist dann aus „die Bestimmungen über die Entlastung der der Reserve und Landwehr ungehörigen Kandidaten de» geistlichen Stande» au» dem Militirverhältniffe, sobald sie und zwar di« katholischen eine der höheren Weihen, die protestantischen die förmliche Ordination erhalten haben, dann der Mission»- und Orden-geistlichen sowie der Rabbiner," Bestimmungen, dir in der „Verordnung, betr. die Organisation der Landwehrbehörden und die Dienstverhältnisse de» BeurlaUbtmstande»" enthalten sind. In Jiärth starb im hohen Alter vor Kurzem der ktzl. Sdvocat Herr vr. Karl Frust, einer jener Mäimer, die zuerst in Baiern da» wissenschaftlich« Studium ergriffen und di« trotz erlangtrr anerkannter Tüchtigkett wegen ihre» Glauben» lang« keine Verwendung im Staate erlangen konnten, bi» ihnen da» Jahr' 1848, wie dem' Verstorbenen, den erwünschten Wtrkungükrri» erschloß, vr. Feust, originell in seinem ganzem Wesen, hochgeachtet von allen, die ihn kannten, besaß rin bedeutende» Wissen und war darob und oö fett«» trefflichen Charakter» in wetten Kressen bekannt und geschätzt. Sein Sohn, Herr Philipp Frust, welchem die gleiche Laufbahn ohne solche Kämpfe, wie sie di« Alten zu bestehen hatten, beoorsteht, entwickelte mit Vorliebe et« Studium der Speciakgrschicht« der bakrsschen Juden, wie denn überhaupt die Feust'sche Familie viele hervorragende Männer geliefert hat und noch liefert. Der Redakteur de» „Correspondenten von und für Deutschland" eine» so einflußreichen, gehaltvollen Blatte», ist auch rin Feust. (Wahrh.) Oesterreich. bl. L. vom Fsrager Kreise, 28. August. (Orig. Eorr.) Obwohl in keinem Lande eine so.che Zerklüftung zwischen der Fortschritt»- und Stillstandsvartei im Zudenthome herrscht, wie in Ungarn, so ist da» meine» Bedünken» noch immer nicht so schlimm, wie die Lethargie und der schnöde Jndifferenti»- mn». der bei nn» in Böhmen zu Tcge tritt. Dort ist der heiße Kampf immerhin ein Beweis von dem regen Eifer für Kult»»- und religiöse Interessen bei den streitenden Parteien, die wenn str einmal müde geworden, aushörrn, und einen modu» vivendi herbeiführen werden, der wieder die Ruhe bringt. Aber hier wird mit einer horrende» Gleichgiltigkeit