Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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318 In denselben Strom tauchen;"*) wa» könnte er erfassen, eriennen? Nichts! Was er glaubt ist SinnentäuschMUg, und was er zu wisse» verweint, ist Zrrthuw. er selbst ist nicht», ist nicht, daß «r. der Matsch, sei, l«e. ist nur «in Trau»; «r gleicht der Gchaumdlase, die auf-de» Striche! auftancht und zerplatzt, was ist sie? Ein Nichts So lehrten die Einen. Und Andere? Wie jene auf das iwtz D»ckrbche nnd Aergeheadr schauet«, so ging« diese non dem erkennenden Menschen aus. Zch, sprachen sie, ich,!«r ich da» Wandelnde erkenne, ich, der ich mir bewußt bin, l«u1 der zu sein, der ich gestern auf diesen wogenden Strom Innabgeschaut, ich bin, ich bin das Sein, d. h der Mensch ist Gott! So, nach zwei entgegengesetzten Richtungen irrend, lne Heidenwelt. Hinweg von diesen ziel- und zwecklosen Grübeleien; dir Iietlige Sprach« bezeichnet sie ja alle mit dem einen Worte: ttcdavah Wiederkehren, Schanah Arabern, und hat daher für lifc Mehrzahl „Jahre," eine doppelte Bezeichnung; in der Sprache des gemeinen LebenS: B'JV „Wiederholungen," in Inchterifcher Auffassung ftW „Beränderungen." Die Gottrs- Ichre aber ist eS, die unS über die trost- und gottlose Berjweiflung der Einen und di« verzweifelte Selbstoergötterimg l«r Andern hinweghilft, indem es im Munde des Propheten Iwifjt: Ani Adonaj lo achanithi, „ich, der Ewige, ändere mich nicht!" - Nicht di« Natur, nicht der Mensch, — Gott ist uuoeriinderlich, und in ihm beruht unser wahrhafte- Sein. Er isks,!«r der Welt einen Anfang gesetzt hat, nicht ein Spi«ld«s .Zufalls rief sie in'» Dasein; er ist'», der der Natur ewige, imabänderlich« Gesetze gegeben, nicht sinnloses Ungefähr waltet; ,* ist'», der die sittliche Weltoeduung hält, nicht ziel- und ,»lanlo» maaUtn die Srsthicke; er ist'», der uns Gesetz« gegeben, ewig gültig für All«: ,Mmdl« vor mir und sei, werd« iwllkommen"; er ist'», der auch nnserm Geist« Unsterblichkeft > «leiht und ewige Dürer. ^Jch, der Ewig«, bin unveränderlich" — da haben wir Iren festen Boden, den Hatt für unsere Gedanken, daß sie nicht schwindelnd in den Abgrund sinket, «inen festen Ankergrund für unsere Hoffnungen» ein unverrückbare» Ziel für unser« 'Sehnsucht, eine ewige Richtschnur für unser« Thateu, «inen unversieglichen Born unserer Freuden und den nnersch-pfiichan Quell unserer Heilung und Heiligung. — — Dalehrt uns da» Neujahrsfest, es erneut dies« Gedunsen in uu». Denn wer hat diesem Tag« die Weihe verliehen? ,wa» zeichnet ihn vor anderen aus?" mad jom wijowajim? Zst'S die Natur, ist irgend etwa» in der sichtbaren Welt, was uns den Tag als eines neuen Jahre» Anfang bezeichnet? Ist'» die Sonne, die am Borabend sich senkt, am Morgen nieder aufgeht, flnd's die Sterne, die am Borabend funkelnd erscheinen, ihre vorgezeichnete Bahn zu wandeln, die uns verkündeten: heute beginnt ein neuer Abschnitt de» Erdenleben»? Nein, dir Golteslehre ist e», di« uns zuruft: „Bosch haschaoab!“ Machet einen neuen Anfang, stehet einen Augenblick still, kümmert euch einmal nicht um den rauschend dahinschießenden Zeitstrom, der fteilich seinen Gang heut wie gestern fortsetzt, und widmet euer Nachdenken Dem, der vor aller Dinge Anbeginn war, dem Unverändrrlicheu, friert „rin Grdächtniß des Urbegimies, de» ersten aller Tage, siedarov l’jom rischon.“ Wohlauf, der Schöpfer ist'», der den Anfang 4) Herallit. einst gesetzt, „der Ewige, unser König," in ihm findest du, o Mensch, im steten Wechsel der Dinge den ewigen Halt — der „Allwissende" ist'», der die schwtmkenden, wandelnden cktzgichhe, Entwürfe und Thatev kennt, ihrer gedenkt und euch richtet, „der Ewige, unser Richter," — der .Unveränderliche" ifP», von ihm ergeht in ewigem Gleichmaß und doch immer neu die Mahnung zur Tugend und Gottähnlichkeit, „der Ewige ist unser Gesetzgeber." Malchiotb, Sichronoth, Scbofaroth, — die drei Grundlehren find es. die Schofarklang unS zuruft. Wie diese Töne, die wir in diesem Zahre vernehmen, nicht dieselben find, die wir im vorigen Zahre gehört, und doch dieselben, die aus unserer Kindheit zu uns herübertönen, dieselben, die unserer Urväter Ahnen gehört, und die sie zur Andacht erweckt Habe», so erinnern sie uns an den unveränderliche» Gott, an seine unveränderliche Vorsehung. an sein unveränderliche» Gebot. So gewinnt dann unser Leben Inhalt und dauernden Werth, dann wird aus dem leeren, ziellosen Kreislauf, aus dem „verfliegenden Traume," «in gottgefälliger, segensreicher Wandel osr dem »Könige, dem Allmächttgen, dem lebendigen und unveränderlichen!" Berichte und Eorrespondenzen. Dentschlais. Werk«. Auf die von hiesigen jüdischen Einwohnern an'» Polizei-Präsidium gerichtet« Eingabe, den Umzugstermin wegen Eollifian mit dem auf den 3. und 4. October fallenden jüd.. Neujahr-fest« zu modificiren, ist abschlägiger Bescheid erfolgt. (Auf christliche Feiertage wird in dieser Beziehung bekanntlich Rücksicht genommen.) — Aus dem „deutschen Universität»-Kalender für das Sommer-Halbjahr 1872" ergiebt sich die Thatsache, daß nächst der griechischen und lateinischen Sprach« di« hebräische von der größten Zahl von Professoren gelehrt wird, nämlich von 46; demnächst folgt Arabisch mit 34 Professoren, Sanserit 28, Französisch 80 und so.bis auf Ungarisch, Türkisch, Ehineflsch x., über welch« Sprachen nur je ein Professor Urft. . .. , - <£fA. Der Vorstand der hiesigen Synagogen -Gemeind« hat di« Verhandlungen des deutschen Reichstages über,di« von ihm ausgegaugene Petitton wegen Judenverfolgungen in Rumänien (nach den stenographischen, Berichten) herausgegeben. Dorgedruckt ist rin Borwort, die Petition und, der HommissiqnSbericht. Der Reinertrag ist zur Unjrrstützung der durch, di« Exresse verarmten Glaubensgenossen in Rumänien bestimmt. (L. Znserat). Mühlhausen (Bsaß.) Die Red actton der „Frankfurter Ztttung" bringt untenstehende Erklärung di« wir, da wir di« betreffend« Nachricht nach ihr aufgeno«m«n, hiermit zu ver-ffentlichrn un» veranlaßt fühlen: „In der Nummer 193 II dieser Zeitung (vom 14. zZuli d. Z.) brachte die „Frankfurter Zeitung" als „Mittheilung auS dem Publikum" «ine Notiz über die „eigenthümliche Ausdrucksweise", welche der Borsitzend« de» Landgerichte» zu Mühlhausen im Elsaß, Herr Hoffinger, im amtlichen Berkchr mit Zuden und in Bezug auf dieselben anwende. — Nachträgliche Ermittelungen haben ergeben, daß diese Erzählung auf Mißverständniß oder Erfindung beruht und in keiner Weise