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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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313 * wurde. — TagS darauf prüsidirte Herr L. in gewohnter Weise der in Stuttgart tagenden isr. Lehrer-Versammlung. Herr Lehrer Weil gab ein ausführliche-, gründliche- Referat über den hebr. Unterricht, das wohl nächstenvorliegen dürfte — lieber die Stellung zu dem neuen Verfassung-statute die isr. Kirche wurde debattirt, aber kein Beschluß gefaßt. — Diese Versammlungen haben, wenn auch nicht immer greifbare Resultate, so doch stets viel Anregendes, besonders für der jüngeren Lehrer; wir wünschen daher dem Vereine und seinen edlen Bestrebungen ein fröhliches Gedeihen! Oesterreich. Mie«, 28. August. Die „N. Fr. Pr." bringt einen ausführlichen Artikel mit der Ueberschrifr „Hepp hepp," worin die Hetzereien gegen die Juden besprochen werden. Er erinnert uns an da-, was wir (in Nr. 36) au- Paris über denselben Gegenstand bericht« haben. Es heißt am Eingang«: „dem aufm«ksamen Leser der ulttamontanen Presse, namentlich unserer von den Bischöfen commandirten Provinzpresse, konnte di« Erscheinung nicht entgehen, daß seit einiger Zeit mit allerlei Artikeln und Notizen vorbereitende Curse für ein« „frische, fromme, fröhliche" Judenhetze gehalten werden. Lustig erschallt der alte Kriegsruf des ,Hepp hepp!" aus den Spalten des dem frommen GotteSknrchte Rudigi« leibeigenen „Dolksblatt," und daditto „Bolk-blatt" des Bruderin Graz gibt mit kräftigem Echo den Ruf zurück; in den erbaulichen Ehor treten ein die heiligen „Stimmen" vom Inn und ihr Schlachtgesang wird brüllend weitergeführt von dem Bruder „Ezech" an der Moldau, dem geliebten Sohne des Prager Cardinal-. Unnimmt die Erscheinung nicht wunder. Der Kampf jgegen moderne Gesittung und Bildung, gegen die Mission des Staates und für die Omnipotenz der Kirche bliebe unvollständig, wenn die ultramontane Meute sich nicht auch auf diejengen stürzen würde, welche zn den .'eifrigsten Vertheidigern aller dieser Angriffsobjecte gehören, die Juden. Für die ulttamontane Presse in Oesterreich liegt noch ein besonderer Grund vor, die für einige Zeit in den Winkel gestellte Judenhetze ,ioieber vorzunehmen und mit aller Lust und Freudigkeit zu betreiben." Es werden nun die Ziele welche der Ultramontanismus in Oesterreich vergeblich angestrebt hatte, besprochen; „in diesem allgemeinen Sturme (fährt die N. fr. Pr. fort) trat das kleine Häuflein von Juden, welcheals «ine besondere Abart der „Deutsch-Liberalen" gelten mag, für den Feldherrublick der ulttamontanen CorpSführer einigermaßen in den Hintergrund. Nun sind im staatsrechtlichen Kampfe die Federn der Jesuiten erlahmt, die Verfassung jhat den Ansturm der ultramontanfeudalslävischengLiga überstanden; die Sympathien der Deutsch- Oesterreicher mit dem deutschen Reiche lassen sich füglich auch nicht mehr zum Gegenstände niederttächtiger Denunciationen machen, nachdem die Freundschaft Oesterreichmit Deuffchland in der feittlichsten Form durch den Monarchen Oesterreichselbst declarirt wird. Die ultramontanen Arme werden frei, da- Handgemenge mtt den Deutsch-Oesterreich«» läßt nach. Um ab« nicht al< „faule Knechte, stumme Hunde" vor den Herrn zu gelten, stürzt sich die Meute nun auf die Juden; daist die speciell österreichische Veranlassung des wieder auflebenden Hepp, hepp! Wo ab« Alle« haßt, kann Wenzel allein nicht lieben, und so hören wtt denn heute auch das Organ Rieger'S in daß ultramontane Geheul gegen die Juden «infallen. Auch die Czechen haben ihr« .besondern Gründe, den Juden gram zu sein." Nach Erörterung d« böhmischen B«hältnisse wird | die Polemik des Rieg«'schen Organ- „Pokrok" skizzirt: i „Mit weitem Blicke, mit einem Blicke, der Generationen und , Jahrhunderte überschaut, «kennt der edle Pokrok eine „wtale > Vrrjudung der ganzen Menschheit". Auf den Grund der Dinge gehend, erklärt er die englische Oekonomistenschule für die Brutstätte dieses haarsträubenden Phänomens; „die Allmacht des Kapitals und die .Ohnmacht der Ärbeit" kragen Schuld an dem Emporkommen der „papierenen Jesuiten," wie das Organ des Ladislaus Rieger unendlich geistreich die Juden nennt. Also nur rasch die „Internationale" herbei, damit sie dem Kapitalismus das verdiente End« bereite. Erregr aber auch d« Anblick der ganzen Menschheit den Appetit de» Judenfress«s, so ist « doch so weise, sich zu beschränken und vorläufig nur die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien zum Gegenstände sein« humanen Begierden, seineauf Ausrottung des jüdischen Elementes gerichteten Strebens zu machen. Eine Statisttk der Zunahme d« jüdischen Bevölkerung Wiens steht dem Pokrok zwar nicht zur Verfügung, aber ihm ist klar, daß es bald keine Christens«le in der Donaustadt mehr geben wird; die wenigen, die sich etwa noch scheu in den entlegensten Verstecken verborgen halten, werden'sicher zum nächsten Osteiseste von den Juden umgebracht w«den. Und so zittert denn dieses edle Herz, welches bisher nur Haß und Neid für die Hauptstadt des Reiches empfand, für deren Gedeihen und sieht „die ganze Zukunft Wiens durch das jüdische Element gefährd«". Der gute Pokrok weiß sogar zu «zählen, daß von den 369 Advocaten kaum 60 Nichtjuden seien! Auf die Wahrheit kommt es ja dem czechischen Biedermann nicht an, und wenn es auch in Wirklichkeit kaum 20 Advocaten in Wien gibt, welche das Verbrechen begangen haben, als Juden zur Welt zu kommen, dem Pokrok verschlägt dies nicht-; haben ihn doch seine guten Freunde, die Jesuiten, gelehrt, daß zur größeren Ehre Gottes auch die Lüge, wenn geboten, eine Tugend ist. Die Gleichberechtigung der Juden in Amt und Schule ist dem Organe Rieger'S ein Gräuel, und das Jahr 1859 schneidet ihm tief in die Seele, nicht weil Oesterreich- H«r geschlagen und ihm «ine blühende Provinz geraubt wurde, sondern weil in diesem Jahre die Fesseln sich locke««», in welche die Bach'sche Concordats-Aera die Juden in bürg«licher Beziehung geschlagen hatte, weil mit diesem Jahre die Gleichheit vor dem Gesetze auch für die Juden zu gelten begann. Und wieder zu dem armen Wien zurückkehrend, weint das czechtsche Blatt bittere Thränen darüb«, daß der „Zug der Skmiten nach dem gelobten Lande an der Donau beständig zunehme", und daran ist neben dem eingangs erwähnten Kapitalismus d« Liberalismus schuld, der einzig und allein auf die Allmächtigkeit des Wiener Judenthums abzielt"! Frankreich. SPati». Die französisch-jüdischen Blätter besprechen eifrig und eingehend die neue Einrichtung der Conststotien, die „Reconftruction des Judenthums" in Frankreich. Das Consifiorium von Metz wird demnächst facttsch nach Lille verlegt werden, neue Mittelpunkte werden geschaffen, und durch den Zuzug von Elsaß -Lothringen entstehen neue Gemeinden od« eS vergrößttn sich bi«h« sehr unbedeutende zu beachtenswerthen. Die Bestrebung«!, daS durch den Raum B«lorene intensiv zu ersetzen, »«dient und findet gewiß auch bei uns warme Sympathie; wir erkennen aber jetzt deutlich die Schattenseite d« französischen Organisation. (Sonst konnte man, wenn wir tadelten, un« da- Gleichniß vom Fuchs und den Trauben

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