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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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311 UaterrichtSgegenständen, die ihm frühreitig in daS weiche, empfängliche Gemüth gesenkt worden; eS bringt bei seinem Eintritt in andere Lehranstalten rin gewisses gestähltes jüdische» Bewußtsein, ein religiöse» Feuer mit, da» zu unterhalten und zu nähren die R«ligion»stunden dann auSreichen. Wer steht nicht ein, daß nur auf solchem Grunde die Reltgiontschule fest und sicher weiterbauen, und da» Ziel «- reichrn kann, da» jede Religionsschule fich setzen muß; „Die Heranbildung de» jüdischen Schüler» zu einem in allen zum Iudenlhum gehörigen WisseN»fächern wohlunterrichteten Gemeindemttgliede." Ohne jüdische Elementarschule aber ist diese» Ziel unerreichbar; dt« beste Religionsschule müht sich fruchtlo» ab, gleich einem wurzellosen Baume, wenn die Elementarschule ihr nicht die Säfte zuführt, und die noch so ehrliche und angestrengte Thätigkeit der Religionslehrer ist nutzlose Danaidenarbeit." Wir finden dem damals Gesagten wenig hinzuzufügen, nur einige praktische Winke. Wo Gemeinden e» im Stand« sind, da ist e» für sie unabweiSliche Pflicht, jüdische Elementar» oder Vorbereitungsschulen in's Leben zu rufen. Die Aasten sind unerheblich; wenn erst für die Religionsschule rin seminaristisch geschulter Lehrer angestellk ist, so hat dieser, da die RrligionSschule ihn nur wenige Stunden wöchentlich in Anspruch nimmt, vollauf Zeit, sich den ganzen übrigen Theil der Woche der Elementarschule zuweihen. Leicht ist e» auch, wenn die Schülerzahl wächst, einen Lehrer der städtischen Schulen zur Aushülfe für manche Unterrichtszweige zu gewinnen. Der Lehrplan der Religionsschule hat sich alsdann eng an den der Elementarschule anzuschließen, so daß jene einfach die Fortsetzung des in dieser ertheitten hebräischen Unterrichts sei. Derartige bestehende jüdische Schulen gar aufheben, und sich mit Religionsstunden begnügen, wäre eine Versündigung an der jüdischen Zugend, der zukünftigen Trägerin deS Gemeindelebens. Auf Eines seien zum Schluß noch Eltern und Gemeinden hingewiesen. Ihr strebet die Gleichstellung des jüdischen Religionsunterrichts, seine Einordnung in'S gefammte Schulwesen, an, sorget zuerst dafür, daß dieser UnterrichtSzweig in Euerer und Euerer Kind« Auschauung gleichgestellt sei den anderen Unterrichtsgegenständen, daß Eltern und Schüler gegen die jüdische Schule und den jüdischen Lehrer erfüllt seien von gleicher Achtung wie gegen die mit staatlichem Ansehen ausgestatteten öffentlichen Schulen und deren Lehrer. Diese innere Parität muß der äußern vorangehen, dann arbeiten wir auch ohne Staatshülfr an der Förderung und Hebung deS jüdischen Religionsunterricht». Berichte und Corresplmdenzen. Deutschland. T. Kamlnrg, J2. September. (Orig-Corr.) Aus der heute mir zugekominenen Nr. 37 d. Zsr. Wochenschrift habe ich zu meiner Befriedigung ersehen, daß Sie so freundlich ivaren, von dem in der „Eisenbahn-Zeitung" befindlichen Leitarttkel „Moses und die Jesuiten" Notiz zu nehmen; in Folge besten erlaube ich mir Ihnen beikommend 4 andere Nummern derselben Zeitung zu übersenden, deren Leitartikel zum Inhalt hat: „der Zweck heiligt die Mittel," und auch diesen Satz aus der Bibel abzuleiten sucht. Leider wird dir „Eisend.-Zeitung" sehr stark und zwar am meisten von dem ländlichen Publikum und zumeist von solchen Zudm gelesen, die die Bibel weder in der Ursprache noch in der Uebersetzung gelesen und daher sehr geneigt sind, solche llrtheile zu ihren eigenen zu machen. Zn Lübeck ist die „Eisenb.-Zeitung" da» einzige lesenswerthe Blatt und während von den dortigen Christen weniger zu erwarten ist, daß sie fich der Anschauung derselben hingeben, weil dort so zu sagen, noch echte Christlichkeit vom Voniehmsten bis zum Geringsten anzutreffen ist, und zwar gepaart mit einiger Intelligenz; so sind die dortigen Juden größtentheils weder in religiösen noch in anderen Dingen wohl unterrichtet. Wie ich Ihnen bereits in meinem 'rüheren Schreiben mttgetheilt, ist die Esb.-Ztg. in Hamburg, Alwna, ganz Schleswig-Holstein, Meklenburg, und in dem nordöstlichen Theil Hannovers sehr verbreitet, woselbst die Zudenheit leider sehr wenig jüdisches 'Listen besitzt, und gerade bei dieser Elaste, welche nicht einmal hebräisch lesen, geschweige denn das Gelesene verstehen und beurtheilen kann, sind derartige Artikel wie die der Esb.-Ztg. sehr gefährlich. ( Abgesehen von dem, was der Herr Corresp. über di« Israeliten in Lübeck sagt, und worüber wir nicht urtheilrn können, sind seine Schilderungen und Folgerungen leider nur zu richtig und begründ«. — Die neuesten Leitartikel der „Eisenbahn - Zeitung" sind wo möglich noch gehässiger als die früherm, eil sind ganz bodenlose, aber umso schnödere Angriffe gegen die hell. Schrift. Sie würden an sich weder Beachtung noch Widerlegung verdienen, aber die Umstünde verbitten doch, sie gänzlich zu ignorirrn. Gleichzeitig «halten wir aus Paris in der Gambetta'schen „Repudl. franj.“ erschienene ähnliche Artikel gegen Juden und Zudenthum. Die Feindseligkeit der Ultraliberalen ist unS wed« neu noch überraschend, ab« sie ist wohl beachtenswerth. Wir gedenken dah« auf den Gegenstand znrückzukommrn; in den nächsten, auf die h. Feiertage erscheinenden Nummern ist zwar für dergleichen kein Raum, die Feindseligkeit selbst wird jedoch im kommenden Jahre leider noch nicht, wie die bttreffenden Zeitungsergüste, v«altet und verschollen sein. Red.) W. Kauzig, 13. September. (Orig.-Corr.- Obgleich alle Zeitungen über die Marienburger Festlichkeiten ausführlich berichtet hohen, so wird es doch die Leser dieses Blattes sicherlich interessiren, noch etwas üb« die Vorstellung der dazu geladenen Rabbiner, also gleichsam ihrer, d« Les«, eigenen Repräsentanten zu «fahren. Bei allen Festlichkeiten, bei dem Empfang Sr. Majestät deS Kaisers und des Kronprinzen am Bahnhose, Abends bei d« Kur im Ordensschloß, so wie bei d« Feierlichkeil der Grundsteiitlegung zum Denkmal Friedrichs d. Gr., waren für die drei deputirlen Rabbiner I)r. l)r. Wallerstein aus Danzig, Zacobsohn aus Marienw«d« und Coro aus Dirschau neben der evangelischen und katholischen Geistlichkeit Plätze angewiesen Bei d« Kur geruhelc Sr. Majestät d« Kaiser zu d« Rabbinerdeputation die Worte zu sprechen: „Es g«eicht mir zur Freude, Sie hier zu begrüßen"; und der Kronprinz sagte einem jeden von ihnen ein paar h«zgewinnende wohlthuende Worte. Es war ein freudig «hebend« Gedanke, der mit Dank gegen den ll'Nv rWO erfüllte, daß drei Rabbiner als Gäste an dem Orte das Judenthum repräsmtirten, in welchem einst diejenigen mächtige und gefürchttte Gebiet« gewesen, welche uns«e Vorfahren uichr duldeten. Auch das o«hehlten wir uns nicht, wie gerechten Anspruch Preußen und Deutschland auf unsere Dankbarkett und Treue sich «worben

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