Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935637--1359-5370967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
g*6« bot-Äteig, eifert.»«) Dm» -der, ist etwa 6<rani«fr Wort: „Schorsam ist besser dem, Opfer, Gehorch» «ehr dem, Fett der Widder/"') ist das etwa die Sprache eines hierarchische» Selbstherrschers? hat nicht «ntzekehel dsr jesnitische Papst zu allen Lette» die Opfer hiher alt die Gestunung, die F»w höher als den Trist, die Peterspfennige and Stolagebührin höher als ein untadelig reine- Äemüth gestellt? — wird entgegnet, es kam doch nicht tzclergiet «erden, daß Samuel die königliche Gewalt seiner priesterlichen (??) habe unterorduen und sich das Recht Hab« anmaßen wollen, als H«Herpriester (71) Könige eia- und abzusrtzen! Jawohl, wer che, Freund! besaß er «in solches, «ohlvtrbrieftrs Recht, daß ihm von Gott selbst, *•) — oder, wenn du eS lieber hören willst, »ennige einer historsschen Eigenchümliisikett Palästinas oder gar, wie du rs wohl am liebsten hörst, vom Volke selbst übertragen war.»«) Auf Verlangen de- Volkes, da» hinter fefattn Nachbarn nicht zurückftehm und, bi» dahin eine oft* garchisth« Republik, nunmehr aber auch seine» König haben wollte, setzte Samuel de» Saut unter ganz bestimmten Bedingungen und Voraussetzungen als König ein; — denn rin König erhält, wenn er eingesetzt wird, nicht nur gewisse Rechte, sondern auch gewisse Pflichten, die in einem StaatSvertrage (."DlblCT UMTS) ausdrücklich formulirt werden.««) Wird mm dieser Staatsvertrag seitens de» Königs verletzt, indem er seine Pflicht nicht erfüllt oder gar in andere Rechte eingreist, so steht unbestritten dem andern Contrahenten, also hier Samuel, der im Namen des Volkes verhandelte, das Recht zu, den Vertrag aufzuheben und den verfassungsbrüchigen König, den er ja elber /eingesetzt, auch abprsetzm. Wa» thnt aber Samuel? kr setzt Saul gar nicht einmal ab; sonder» versagt ihm nur die Erblichkeit der Krone in seiner Dynastie und bestimmt ihm m David, von dem er sich Besseres verspricht, einen Thronuud RtchtSoachfolger. Zm Uebrigeu aber verhandelt er nicht etwa gegm ihn öffentlich vor dem ganzen Volke, sondern prtoatissim: unter vier Lugen, und als Saul ihn ersucht, ihm doch wenigstens vor de» Augen des Volke» königliche ^ren zu erweiseu, nahm Samuel seinen Platz öffentlich hinter ihm.«») Ist das das Thun und Haben eine» Hohenpriesters, der den königliche» Purpur in de» Staub ttitt, um seinen priesterlchm auf den Thron zu setzen? Und nenne mir doch einmal einen vatikanischen Papst, der ebenso wie Samuel das wohlver, rieste Recht besessen hätte, Könige ein- und abzusetze»? Obwohl ich dir dagegen der Päpste genug aufzähleu könnte, die uüt stemdherrlicheu Königen ganz anders umzuspringen wußten. Doch genug hiervon! — Außer Mose» und Samuel weiß de: Herr übrigen» au» der ganzen ersten Tempelperiod« keinen enzigca Papstkönig zu nenne»! Beim best« Willen — keinen enzigen! und auch di« beiden genannten find keine Priester, sondern hatte» Hohepriester sich zur Düte, von deren weltlich«» Herrschergelüsten auch er nicht» zu erzählen weiß! Merkwürdig genug! — Aber aus der zweitev Tempelperiode weiß « uns «in ganze» Zesuiten-Collegium zu nennen, nämlich da» Synhedrinl Offenbar weiß der Hen Berfasser von | her jüdischen Geschichte de» zweiten Tempel» gar nicht», — 1 sonst Hirte er sich wohlweislich gehütet, da» Synhedrin uüt her Prlffterherrschast zu identificiren. Wer imt eine Ahnung von jüdischer Geschichte hat, der weiß, daß di« Mitglleder des Synedrions »eine Priester, sondern Männer an» de« Bolle warm, die nur kurz« Zeit von dem HohtzMÜester präfidtrt : wurde», spiter «boe da» Präsidium au» kWer eigam Mitte wähltm; er weiß ferner, daß die scharfe Spitze des Synedriu»s Gerade gegen da» Priesterthn» gerichtet war. Darum . laßt uns hier nicht weiter mit dem Herrn rechten und ihm nur den bescheidenen Rath gebm, zunächst jädssche Geschichte! zu studirm und sich die Gehckamifle de« Talmuds erschließ« ' zu lassen, bevor er sich anmaßt, über solch« Dinge zu urtheilen und zu schreiben. — Zum Schlüsse noch ein« kleine Blmnenkese gr^er Irrthümer, um m'cht zu sagen Fälschung«, des tdeologsschm Leitartikel-Schreibers. Er schreibt: „David revoltirt gegm seium rechtmäßig« König/' Nicht wahr, mein Frmnd! David war zu SaulS Nachfolger bestimmt und hat nicht gegm ihn rmol« tirt, sonst wäre es ihm wohl ein Leichtes gewes«, dm geistesschwachen König vom Throne zu stürzm, sondern er hat sich nur deffm Verfolgung« entziehm, fich seiner Haut, seine» Lebens wehrm nüflm.««) Uebrigm» hat Jonathan, Saul». Sohn und präsumtiver Thronfolger, selbst um die Thronfolge seines Freundes und Schwagers gewußt, sie al» billig accep« tirt und seine Frmndschaft mit David dadurch nicht stör« lassen.««) — Ferner: „Die Schreibung der Bundesartikel am Sinai auf zwei steinerne Tafeln dauerte lange, well denn Abfassung in der Bibel 360 Verse auSmachm." Der Herr vergißt uns die 360 Verse zu nenn«, die auf dm Bundestafeln gestand« habm sollm. — Ferner: „Moses rief, nachdem das Volk für die Anbetung des goldmm Kalbe» gestraft war, dasielb« mtt gefüllten Händm zu» Her«, damit er chm dm Segen gebe, wir in Rom bei Ablieferung der Peteespfennige." Wenn der Leser nicht wissm sollt«, woher der Herr das hat, so will ich chm den Vers hebräisch hierher stell«: '«).N2N2 orn ns^r nnfn *■6 om bst n6e Der Kampf gegm die roheste Sinnlichkeit, gegm Zucht- und Sittmlostgkett««) ist demselbm Herrn gleichbedmtmd mit der Zesuttmthests: „Gewiffmsfrechett ist verwerflich!" — Ferner: folgende Euriosa: „Die Samariter, wozu Ephraim gehörte, galten nicht für voll bei Israel, weil sie nicht „sch" ausspeechm konnten." — „Nachdem die 42000 Mann Ephramitm im Kampfe , gegm Iiphtach gefall« waren, ließ Moses a»f Befehl Gotte» eine neu« „Volkszählung" vornehm«, u. f. w" — welch' ein blühender Unsinn! Noch ein Abschied-wort, lieber Politicus! Was dich drückt, ist mir ncht wohl klar. Du fühlst die ganze brennende Schmach, daß die Unfehlbarkett des Papstchums, die maßlose Priester- Herrschaft der Jesuit«, der Marterpfahl und die Scheiterhaufen der Inquisition, die Ström« vlut», di« um eines Phantom» will« vergoss« wurdm, auf christlichem voden möglich gewesen sind, — und möchtest gern das Ehristmthu«, di« Religio» der Liebe par «Kellence, gegm dm Borwurf schütze», daß solch« lieilose Erstndnugm in ihm möglich sei« und e»- zeugt »erd« könnten. Da packst dn dm« dm Stier bet de» Hörnern, schiebst dir Bat erschuft diese» ganz« unmenschlich« Rüstzeuges Mose und seine« Pentateuch, überhaupt der ,Religion der Rache" in die Schuh«. Daß du dich damit in eine Sackgasse verrannt hast, steht wohl ein Kind ein. «der -) t- 9,1b. - -) i. 16, S».!IL 3, 11 ff. — ") i. S,1A-")1 ib. rr. — »ri. 10,L>. — "» L -) 1. «ml 24, 9 ff. «.•.«. 0. — «*) 1. 6ml 30, 30.31.41. 42. - -) CnM 32,2». Da Herr hot hier di, inchafch» UckafchNn, mtßoastMd«; »M» tx wer fttch- Mm Theffech» mW». so-M» « sich na« da» «W wchchm. — *6 mm* *, 1-3.