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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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' ' I 294 - trauen ansehen, der Tüchtigste erzwingt sich Achtung und dann steht das in Analogie und EonformitLt mit dem Staate gebildete, in Geist und Haltung einige Lehrer-Collegium der gemischten Schülerschaar als wirkliches Vorbild und Muster vor Augen. Solche Anstalt ist etwas anderes, als die nach Confesstonen getrennten Schulen, und sie übt für die Ausrottung von Vorurtheilen, für Gemeinsinn, menschliches Zusammensein, Achtung der Nebenmenschen, folglich für die wichtigsten Lebens« lugenden ganz andere Wirkung aus, als konfessionell geschiedene, einander excludirmde Schulen — zum Heil des städtischen und staatlichen Gemeinde^-^ns, und zum Glück der Bewohner desselben Staates, dessc .. Vaterlandes."» Wir haben nun noch einige technische Schwierigkeiten, auf welche die Durchführung einer solchen Einordnung des jüd. Religionsunterrichts in dem Lectionsplan der öffentlichen Schulen stoßen könnte, zu beleuchten und die Mittel anzugeben, sie zu heben. (Fortsetzung fotzt.) Berichte und Correspondenzen. Devlschland. Magdeburg, 5. August. (Orig. - Eorr.) Wir haben heute dm 1. Ellul, die Schofarstimme ertönt bereits in den Gotteshäusem, sie mahnt zur Teschuwa, Tefilla und Zedaka, und fordert uns auf, manches Versäumte vor Iahresschluß nachzuholen, manches Verfehlte noch gut zu machm. Sie will uns allesammt aus der Lethargie wecken, — in den Gemeindm beginnt ein regeres Leben, und neben den eigenen innerm Angelegenheiten find es die durch den Gemeindebund und die Berichte der Alliance angeregtm, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Mitverantwortlichkeit wachrufenden mannigfaltigm allgemeinm Angelegmheitm. die unser Interesse in Anspruch nehmen, und durch derm Beschäftigung wir unS am würdigsten für die Festeszeit vorbereiten, in der wir mit besonderer Inbrunst beten, daß „Alle zusammm einm Bund bilden." Doch wenn die Schofarstimme ertönt, da fehlt auch der „Ankläger, der Störer und Hinderer" nicht. Diesmal in Gestalt eines Leitartikels von Herrn vr. Geiger in seiner „jüdischen (?) Zeitschrift" (Heft 3). „Lasset ab von allem Alliance- und Gemeindebund - Firlefanz I" ruft dieser Antagonist des Zudmthums. Die Zudm in Rumänim werden von einer halbbarischm Bevölkerung, einer das Unrecht sanctionirmdm Regierung, und einer judenfeindlichm hetzenden Presse verfolgt, beraubt, gequält, und in ihrer Eristmz gefährdet, — tiefste Entrüstung erfüllt auch ihn, dm Phrasmheld auf dem Berliner Rabbinatssitz, aber, daß jme Nnglücklichm Hülfe suchen und beanspruchen, findet er unverzeihlich, sie sollen sich selbst helfm. „Ihr Zudm Rumänims", also lautet das trostreiche, salbungsvolle Wort des Berliner Seelsorgers, (Seste 163), „bei allem tiefen Mitgefühle, das wir in Glanbmsgenossm aller Linder aufgerufm.kein Balsam in Gilmd . .?" ftagm wir (b. h. Herr ©.) mit bem Propheten. Sind jene Länder so arm an HilfSquellm, daß die alte, auf einer falschen Solidaritätsvorstellung begründete Allerwelts-Bettelei immer und immer in Anwendung gebracht werden soll? Und sind ste so arm, was nützt da der Tropfm, der vom heißen Steine spurlos aufgesogen wird?" also lautet die Weisheit dieses Weisen. Von dem Satze: „Wer auch nur ein Menschmleben erhält u. s. w." weiß der Herr Dr. nichts, oder will davon nichts wissen, das steht ja im Talmud und ist deshalb schon nicht maßgebmd. Und wenn es in der Bibel heißt: „Du sollst nicht müßig dastehen bei der Lebensgefahr deines Nebenmenschen, (Lm. 19, 16) so paßt das höchstens zur Thoravorlesung am Jomkippur zu Mincha, aber nicht als religiös-sittliches Gebot zur prattischm Ausübung. Doch vielleicht auch wird der kritifche Hopf des Herm G. uns nächstms beweism, daß dieses ganze unbequeme Gebot später interpolirt worden. Am wüthigsten wird Herr l)r. Geiger da, wo er gegen jede Spende für die Armen und Hülfsbedürftigm Jerusalemeifert. „Werft sie hinaus die Tausende und aber Tausmde nach der glühenden Trümmerstätte Jerusalems, ihr nährt Rohheit, Müßiggang, Geistesverwildemng, fanatische WuthauSbrüche. Und so ist es mit allem, was ihr für dm Ostm und seine jüdische Bevölkerung thut. Wo der freie Geist fehlt, da gereicht alle materielle Hülfe mehr znm Verderben als zum Heiic" — ruft der Redner in unheiliger Begeisterung. WaS der „fre.e Geist" mit der Unterstützung Armer, Hungemder zu thun hat» ist uns unerfindlich; soll man an jedm Leidmdm, Hülfesuchmdm, der seine Hand nach einer Gabe auSstreckt, erst den Gradmesser des „freim Geistes" anlegen, und soll man diejenigen, die zu leicht befunden werdm, die nicht voll sind des „freien Geistes" verkommen und verhungern lassm? Das wäre die neue Heilsbotschaft des Apostels vom „freien Geiste." Zn einem Nachtrage (S. 219) zieht Herr vr. G. gegen die Bestrebungm der „Alliance Jsr. univ." loS. Ihre großartigen Schöpfungen zieht er verläumderisch in den Staub, für alle ihre riestgm Unternehmungen hat er nur Ironie, Hohn, Frivolität. Za sogar die von dem Hauptgrenz -Comits mit so unermüdlichem Eifer fortgesetzten Bemühungen um die Auswanderung russischer Zudm nach Amerika und die Unterbringung von Waisen verlästert er, und sucht jedes Interesse dafür zu tödten.*) DaS ist das Werk deS „Geistes der alles verneint," dessen eslerum csv8«o lautet: „Lasset ab von allem Alliancen- und Gemeindebund-Firlefanz!" So spricht der Rabbiner — doch nein, entweihen wir dieses Wort nicht, — der Pfaff' der ersten preußischm, ja deutschen Gemeinde von den großartigsten Znstitutionm des gegenwärtigm Zudmthums, so sucht er mit ftmlerischer Hand das Band zu zerreißen, das Alliance und Gemeindebund um das zerstrmte Israel zu weben besftebt sind! Sonst pflegten die Reformheluns tragen, wir rufen Euch dennoch zu: Es ist nicht wohli gethan, sich immer nach ftemder Hülfe umzuschaum. 4 Die Klage nach außen bin entwürdigt, wie sie verhallt." Ihr müßt, wie weiland Münchhausen — das ist der langen Rede sehr kurzer Sinn — Euch selbst beim Schopf packen und aus dem Morast herausziehen. „Die Hungersnoth in Persien?" Pah, was kümmert's uns? Wozu die „Lännttommel" rühren? „Wenn in Westrnßland oder Persim die Ernte mißräth, dann werdm die den, um ihren Abfall vom Ceremonialgesetz zu beschönigen, auf dem Gebiete der Humanität, der Wohlthätigkeit. ihre Lorbeeren zu pflücken, man erklärte das ceremonielle Zudenthum für antiquirt, pries aber seine Humanitätslehren. Jetzt wirft man auch diese jenen nach, erklärt die jüdische Wohlthätigkeit für krankhafte Romantik, die Mitverantwortlichkeit für falsche Solidarität-Vorstellung. So schreitet der kühne „Häuplling" ») Le» extreme» H toachent! Such in bet neuesten 5h. bet „Isb. Presse" wirb gegen bie Auiuxmderung geeifert, au» — Religion.

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