Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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287 wiesen, daß er daS Werkzeug der Jesuiten werde. Darauf hat dieser sein Ehrenwort gegeben, daß kein Artikel dieser Art sich ferner in seine Spalten drängen werdr. In dem vom Kriege ermatteten Paris geben die demokratischen Journale, von den Jesuiten durch falsche Brüder getäuscht und erkauft, eine Art Losungswort aus, sie sehen überall, „preußische Juden." Ich weiß aus sicherer Quelle, daß die Jesuiten eine Bewegung gegen die Juden in Paris selbst anregen, indem sie sie „Prusstens" nennen. Ein elsässischer und ein preußischer Jude sind ja äußerlich nicht leicht von einander zu unterscheiden. ES giebt doch noch Justiz in Frankreich. Laßt uns sehen, ob sie für uns nicht gleiche Wage haben wird, ob der erste beste Hergelaufene das Recht hat, Haß gegen uns zu erregen. Die französische Sprache war bisher durchaus nicht an solche Gemeinheiten gewöhnt gewesen. Die Gefahr ist drohender als man glaubt. Um zu sehen, woher der Wind weht, wirft man keinen Stein in die Luft, sondern eine Feder. Diese Federn werden täglich in die Lust geworfen in jener feilen Pariser Presse, welche, mit Au-nahme von vier oder fünf Zeitungen, keine eigene Existenz hat und nur von den Zufällen der Feber lebt." Soweit Alex. Weill. Allerdings bringt seit langen Monaten fast jede Nummer ftanzisisch-jüdischer Blätter Proben von Stylübungen gegen Juden aus französischen Journalen - und dergl., die man gar nicht für möglich hätte halten sollen. So, »in nur eine Zeile als Prob« zu geben, sagt daS Eränement bei Glorificirung deS Erfolgs der Anleihe: „die deutschen Juden werden darob entsetzt, zerschmettert sein!" Irland. Ch Wesfall» im August. (Orig.-Eorr.) In diesen Tagen hat sich ein Stück au» dem Leben der Commune mit allen seinen Schrecknissen und Gräuellhaten innerhalb der Mauern unserer Stadt abgespielt. Die Deranlasiung hierzu gab eine dem sogenannten Lady-Day von der katholischen Bevölkerung hiesiger Stadt veranstaltete Procession, die, t-otz der drohenden Stellung, welche die Protestanten, oder vielmehr der Mob derselben bei dieser Gelegenheit genommen, durch Straßen sich bewegte, die fast ausschließlich von Protestanten bewohnt werden. Letzter« sahen in diesem Vorgänge nun eine Provokation von Seiten der Katholiken und suchten daher mit gewaffneter Hand die Absicht ihrer Gegner zu vereiteln. Aber auch diese hatten sich mit Waffen versehen und wollten mit Gewalt ihr Vorhaben in Ausführung bringen. Es erfolgte daher ein gewalttger Zusammenstoß, der sich im Nu nach vielen Straßen ausdehnte und den Anfang zu einer Katastrophe bildete, die vielen ruhigen und unschuldigen Bürgern ihr Hab und Gut und manchen sogar das Leben kostete. Denn mit einer unbeschreiblichen Wuth stürzte die eine Partei auf die andere, und der lange im Stillen genährte gegenseitige Religtonshaß kam zum vollen Ausbruche, so daß der Gay: •)pib au p fnao uu nmra1? nun jfvw jra dabei seine volle Bestätigung fand. Wie Furien wälzten sich die kriegführenden Parteien, von abscheulichen Frauenspersonen zu immer neuem Angriffe angefeuert, durch einigt Straßen der Stadt, mißhandelten und zerschlugen Alles, was ihnm in den Weg kam und kümmerten sich nicht im geringsten um da» schnell herbei geeilte MIlitair. Dieser traurige Zustand dau- *) „Ist da» bftfc «Innern einmal entfesselt, s» rafft e» mtterschiedlo» Schuldige und Unschuldig« dahin." | rrte einige Tage und Nächte hindurch, wählend welcher ganze I Häuser und Kirchen demolirt oder angezündrt und Schreckens- 1 scenen herausbeschworen wurden, dir während der Krruzzüge . nicht fürchterlicher gewesen sein konnten, Erwähnenswerth ist i aber die Thalsache, daß einige jüdische Familien, die dicht am Schauplatz des Bürgerkrieges wohnten, bei der ganzen Affaire , nicht im geringsten gelitten haben, obgleich rechts und link» I von ihren Wohnungen Katholiken und Prot.'stanten sich gegenseitig todt schossen. Ist das nicht ein Wunder! „Wahrlich, er schläft und schlummert nicht der Hüter Isriels!" Rumänien. Bukarest, 22. August. Der Consul der Bereinigten Staaten Amerikas hat (wie wir bereits in Nr. 34 berichtet) die Regierung in Kenntniß gesetzt, daß in Amerika ein Verein sich zu bilden im Begriffe ist, welcher unter Veihilfe europäischer Menschenfreunde die Absicht Hat, den in Rumänien so arg mißhandelten Israeliten die Auswanderung nach Amerika zu erleichtern. Herr Peixotto bemerkt in seiner Note, daß er von seinen Landsleuten aufgefordert worden sei, die rumänische Regierung zu befragen, in wie «eit man von ihr eine Begünstigung und Erleichterung zu erwarten habe. Die Herren Minister gehen ernstlich zu Ralle und beschließen, den unbemittelten Israeliten gratis Pässe ausfolgen zu lassen. Man steht in der That verblüfft vor diesen Ministerdeschluß. WaS? Nachdem man durch «die ganze W«lt das Gerücht zu verbreiten sucht, daß die Juden eine Plage für da» Land feien, daß man je eher je lieber und mit welchen Opfern immer sich ihrer entledigen müffe, weiß man eine solche Gelegenheit nicht anders zu fördern, als blos durch Gratispässe- Nachdem Herr Costaforu in Konstantinopel eine Broschüre veröffentlicht, worin er von der unheilvollen Invasion der Juden spricht, weiß er zu keinem höheren Opfer alS bloS zu GratiSpäffen sich hinaufzuschwingen? Es muß denn doch nicht so gefährlich sein mir i?r Invasion; die Juden müssen denn lwch keine so große Plage sein, alS man vorgiebt. Die Minister behalten sich freilich vor, die gesetzgebenden Kammern noch h erüber zu beftagen; das ist auch so eine leere Redensart, wie solche den Herren geläufig sind, denn sie wissen ebenso gut wie wir Alle, daß die Kammern keinen Heller votiren werden. Die Journalistik freilich, die logische und tolerante, faßt die Sache anders auf. Sie ruft den Juden zu: Nnn zieht ab, packt eure Fetzen; denn wenn ihr hier bleibt, sagt ihr damit der Welt, daß ihr euch wohl befindet in Rumänien, daß an den Verfolgungen kein wahres Wort feil Sie preist die Minister ob der Opferfteudigkeit, GratiSpässe auszufolgen. Nebenbei vergeffen die Herren, daß sie sich ein ungeheures Demmti vor der Welt geben:- sie behaupten immer, daß der grüßte Theil der im Lande wohnhaften Israeliten fremde Unteithanen seien, nun zeigt sich da« Gegentheil, denn mau vertheilt Pässe doch nur an Einheimische, die Fremden bedürfen ihrer nicht; unter der großen,Hudenplage" verstehen sie, da sie G::ati«pässe vertheilen, also nur einheimische Juden, derer' Auswant ern sie begünstigen; das heißt also: die „Iudenplage" rührt von hieher zuständigen Juden her, und die Invasion wird zur lächerlichen Fabel. Soj prahlt der Bramarbas, und wenn es zum Schlagen kommt, sucht er das Weite, so spielt man diplomatisch Verstecken», so macht man sich unsterblich lächerlich. sN. fr. Pr.)