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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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286 Oesterreich. Mi«», 27. August. Wie wir vernehmen, ist das Gesuch einei' Anzahl von Mitgliedern der Wiener israelitischen Culiusgemeind«, welche vom Cultusvorstand« beabsichtigter lituigischer Reformen aus dem Verbände der Gemeinde ausscheilien und sich als eine besondere Orthodoxe" Cultusgemeinde consl ituiren wollen, abschlägig beschieden worden. Der betreffende Erlaß des Ministeriums des Znnern iur Einvernehmen mit dem Cultusministerium beschlossen, ist wie die „N. fr. Pr." melo:t, heule herabgelaugt. Mie«, 27. Aug. (Orig-Corr.) Ich rheilr ihnen eine Nachricht mil, die in weiten Kreisen schmerzlich berühren wird. Herr Religivn^lehrer Leopolo Breuer ist gestern nach kurze n Krankenlager im Alter von 81 Zähren verschieden. B. gehört so zu jagen mit zu den Begründern der hiesigen Gemeinde, denn wohl das ganze lebende Geschlecht der in W:en geborenen Inder hat bei ihm Religions-Unterricht genoffen. Er war Schu mann mit Leib und Seele und seine Schulbücher haben große Verbreitung gesunden. Hervorzuhrben ist an ihm der fittlidc Ernst, womit er sich der Sache, die ihm am Herzen lag, zanz hingab. Wie er selbst nach seiner Pensionirung sich »och warm für die Religionsschule interessirte, so wirkte er auch noch biS in die letzte Zeit für den Handwerker- und Waisenvercin als eine« der ihätigsten Vorstandsmitglieder. Seine Verdienste fanden bei Gelegenheit seineachzigsien Geburtstages von allen Seiten gerechte Würdigung. Wenn wir auch den Tadel nicht verschweigen sollen, so ist es der, insbesondere von den konservativen Grineiiidemitgliedrrn oft geäuß.rte, daß er in ritueller Beziehung nicht so lebte, wie es die Religion vorschieibt, die er selber lehrte. Aber das Andenken eines hachac-tbaren, rechtschaffenen und für das Zudenthuni warm fühlenden Mannes wird ihm jede Partei bewahren. Er ruhe in Frieden! jtas N-ß»e». Zn einer böhmischen Kreisstadt faßten die Plrer der Stadt un üngst den einstimmigen Beschluß die deutsche Spracht aus den städtischen Schulen gänzlich zu beseitigen und d:n Lehrern sogar jeden Privatunterricht im Deutschen zu verbieten. Eine Folge dieses Beschlusses war, daß di« um die Zukunft besorgten Eltern ihre Kinder in die israelitische S-Hule, in welcher der deutsche Unterricht beibehalten wurde, schickten und die städttschen Schulen sich bedenklich zu lichten begannen. Darauf waren die Väter der Stadt nicht gefaßt, und ihre Verlegenheit steigerte |i$, als das bischöfliche Consiforium einschritt, um di« Stadt zu veranlassen, bei der israelitischen Cultusgemeinde die Zulassung einekatholischen Kaiechtten zu erwirken. Das Petitum wurde auch wirklich dem israelitischen Culiusvorstande überreicht, welcher dasselbe in der drasttsihen Form abwies, daß man einen katholischen Katecheten in die i raelitische Schule dann zulaffen wolle, wenn die katholischen Eltern hrerseit« an ihren Kindern di« Ceremoni« der Brschneidung vollziehen lassen wollen. (!?) Eine Folge davon war» daß die deutsch« Sprache in den stäottschen Schulen wieder zugejassen wurde. Und w.-nn beute ein gemüthlicher Bauer au« der Umgegl'nd nach der Stadt kommt, um sein Getteide zum Markte zu bringe», geschieht es nicht selten, daß dem einen oder dnn anderen Vater der Stadt die lakonische Frage boshaft zugeworfen wird, für welches von Beiden er sich entschloffeu habe, ob — „Deutsch zu lernen oder beschnitten zu werden"? (R. fr. Pr.) Zgr»«» 20. August. AuS dem Eroatifchen Landtag. Der Abgeordnete Pust verliest eine mtt zahlreichen ZwioS aufgenommene Resolution, betreffend di« Gleichstellung der Juden. Der Landtag — heißt es darin— habe sich wohl dieses unterdrückten Stammes angenommen und die Regierung aufgefordert, das Gesetz über die Gleichstellung der Zudm einzubringen» allein die Regierung bleibe damit zurück: das dürfe nian nicht zugeben. Die Juden gehen mit der Nation und zeigen ihre Opferwilligkeit für das Land — wir dürfen diesen intelligenten Theil der Bevölkerung nicht noch länger unter den Borurtheilen des Mittelalters schmachten laffen. Pust schließt nun seine Resolution mit dem Anträge, das Haus wolle beschließe», es werde die Negierung aufgefordert, das Gesetz über die Gleichstellung der Israeliten demnächst vorzulegen, damit es gleich in der nächste» Session in Angriff genommen werden könne. Der Antrag wird angenommen. Fra »streich. Hkaris. Vor mehreren Wochen brachte die „lisvus lsrasiito" einen Artikel „die Journale und die Rumänischen Zuden" von Alex. Weill. Dieser Herr schreibt mit viel Geist und Wärme oder vielmehr „vorve," er liebt Paradora, Antithesen und Hypothesen, spitzt eine Bemerkung, Vermulhung, ein ^psryu gern zu einer bestimmten Thatsache zu; wir glaubten daher von seiner Behauptung, die Agitationen gegen die Zuden in Rumänien und die vielseitigen Angriffe gegen Juden überhaupt in der Presse verschiedener Länder und Sprachen seien allzumal ein Werk der Jesuiten, keine Notiz geben zu müffrn, zumal da unser Blatt keinen Anlaß bat, sich in den Kampf gegen die Jesuiten rinzumischen. Dazu kommt, daß die Redaktion der „Zsr. Wochenschrift" kaum ein eigenes Urtheil in diesen Fragen abzugeben im Stande wäre, da in dem fast rein protestantischen Pommern dir Wellen dieser Bewegung nur unvermerklich ans Ufer schlagen. Wiederholt haben wir ferner darauf hingewiesen, daß wir in Preußen und im ehemaligen Norddeutschen Bunde durchaus keinen Anlaß haben, uns über die katholiche oder immerhin ultromontane Partei zu beklagen, ihr vielmehr von den vierziger und fünfziger Jahren her für wesentliche Dienste zu Dank verpflichtet sind. Nachdem jedoch auch das so besonnene und nüchterne „Jewigh Chronicle“ den Weill'schen Artikel wiedergegeben und mit einer ziemlich zustimmenden Bemerkung begleitet hat, glauben auch wir unseren Lesern einen Auszug nicht vorenthalten zu dürfen. „Ich babe Ihnen, schreibt Hr. W. der Redaktion der „Lev. Isr.", schon gesagt, daß alle Angriff« gegen di« Zuden in allen Ländern zu Paris auSgesonnen und angesttftet, von den Jesuiten bezahlt werden. Alle rumänischen Führer, welche gegen die Juden geschrieben, gewirkt und Verschwörungen angestellt, haben, sind Atheisten, erzogen in der demokratischen, sttten- und gottlosen (boböme) Schule in Paris, charakterlose Ä enschcn, für Geld zu jeder Schandlhat fähig, und die Jesuiten sind es, die sie besolden. Alle Angriffe gegen die Juden in der Pariser Preffe stammen aus dieser einen schmutzigen Quelle. Oft sind die Ober-Redakteure dieser Blätter selbst nur die Getäuschten. Kürzlich hat ein Rumäne, welcher in Paris eine bezahlte Brochure gegen die Zuden herausgegrben hat, »ersucht, einen Brief voll Schmähungen und Verleumdungen grg'n Zuden in den Londoner „Standard“ zu bringen. Kaum wa« dies geschehen, als I)r. Benish und Sir Fr. Goldsmid sich zum Chefredakteur des „Standard" begaben und ihm be

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