Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935635--1342-5370952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
285 i Paragraph ist schon feit langer Zeit nicht mehr zur Ausführung gekommen, wahrscheinlich nicht, weil ein Ministrrialrescript vom 26. Februar 1853 das damals schon außer Kraft gesetzte Gesetz eigenmächtig wieder in Geltung setzte. Areska«, 22. August 1872. (Orig.-Corr.) Ihr heut hier ringetroffenes Blatt bringt eine Correspondenz aus Breslau, welche der „Prager Wahrheit" entlehnt ist. Insofern dieselbe das Feststellen von Predigten in der Gemeinde-Synagoge „zum weißen Storch" berührt, ist sie zum mindesten verfrüht. Die Commission, die zu ihren Mitgliedern a. A. auch Herrn Profeffor vr. Grätz zählt, hat bis jetzt nur eine Sitzung am 31. Mai d. Z. gehalten, und in dieser, eine Subcommiffion behufs Feststellung des Cultus gewählt. Die dort erwähnte Angelegenheit kam selbstverständlich noch gar nicht zur Sprache, um so weniger hat man bereits über die Person des oder eines anzuftellrnden Predigers auch nur debattirt. — Ein Mitglied der Commission. M 23. August. (Orig.-Corr.) Zch beeile mich, Ihnen über einen erfreulichen Erfolg, den wir den rastlosen Bemühungen des hiesigen Corporations-Vorstandes verdanken, zu berichten. Was unter Mühler weder die langwierige Verfolgung des Instanzenzuges noch fortgesetzte Petitionen zu erreichen im Stande waren, hat nun Herr Minister Falk auf Grund des Kammer-Verhandlungen, die im Verlauf der letzten Session in der hiesigen Gymnasial-Angelegenheit stattgefunden haben, ohne Weitere« zur Erledigung gebracht. Heute wurde dem Herrn Rabbiner Brann durch den Gymnaflal-Direltor mitgetheilt, daß im Verfolg einer vor 8 Lagen eingegangenen Verfügung des Provinzial-Schnlrollegiums die Künigl. Gymnasial-Kaffe angewiesen ist, das Honorar für den jüdischen Religionsunlrrrichr fortan in derselben Höhe, wie dies früher von Seiten der Stadt festgestellt war, auszuzahlen. Die Zahlung des Honorars durch die Kgl. Gymnasial-Kaffe soll vom 1. Januar er. an datirt werden. Auch für das Gymnasium zu Znowraclaw soll dieselbe Verordnung getroffen sein. So wäre denn wieder eine Schranke^ gefallen und endlich eine Princip glücklich erkämpft, daS die staatliche Anerkennung des IudenthumS als einer gleichberechttgten Religionsgenossenschaft faktisch involvirt. ' Me«ek, 18. August. (Orig.-Corr.) Zum Hilferufe für die Abgebranutea in Schauleo. ES stellt sich heraus, daß das Unglück, welche« die Kreisstadt Schaulen im Gouvernement Kowno bettoffen, von viel größerem Umfange ist, als man Anfangs dachte. Schaulck oder Szawl ist kein Städtchen, wie das den Brand der Welt verkündende Telegramm sagt, sondern eine ziemlich bedeuttndr Stadt mit 6— 7000 Seelen, davon mehr als 80'/, Israeliten sind. Etwa der dritte oder vierte Theil der Stadt liegt in Asche und etwa 2000 Menschen haben alles ersatzloS eingebüßt, was sie besaßen, denn von allen diesen hatten nur 8, sage acht, Familien das Ihrige nochdürftig gegen Brandschaden versichert. Eine solche Versicherung ist in den kleinern Ortschaften Rußlands für den geringen und Mittelmann auS vielfachen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit. Nun kann man sich Noth und Jammer der Elenden, die theilS in Ställen und Schuppen», theils unter elenden Baracken von Allem, was zu d«S Lebens Nothdurft gehört, entblößt Hausen, bis sie durch menschlichen Beistand so viele Wohnungen wieder hergestellt haben, daß sie allesammmt ein Unterkommen gefunden; da wohnen sie nun 3 bis 4 Familien in einer Stube bis die Einzelnen sich I soweit wieder herauf gearbeitet haben, daß sie sich unter Beihülfe ihrer Mitbewohner rin desonda rS Häuschen bauen können, und wenn sie indessen nicht wieder frisch adbrennen, so ist in 5 — 6 Jahren der Schaden vollstäudig ausgeglichen. — Wenn wtt nun eine ziemlich rrUecklich« Summe zusammmbrächten, so könnten wir den unglücklichen Brüdern diese Arbeit außerordentlich erleichtern und beschleunig« helfen. Bon dem gespendeten Geld« wird sicher ein jeder Pfennig nur zur rascheren Herstellung von Wohnungen verwandt. Was sie so zum Lebensunterhalt brauchen, ein Stück Schwarzbrot, einen Häring und Ther — von letzterem nur recht viel, denn welche Theemajsen non dm russischen Glaubensgenossen ronsumirt werdm, davon hat man keinm Begriff — ist leicht gefunden. Neulich ist in unserer Provinz ein großer Theil des Städtchen Pillkallm heruntergebraimt. Was that man und thut man nicht um den Unglücklichen beizuspringen. Da ist in der ganzen Provinz kein wohlhabender Mann, kein Verein, keine Stadlkapelle, keine Theater-Direktion, dir nicht auf die eine oder die andere Art zu helfen suchtm. Auch der Kaiser hat sofort 1000 Thlr. gespendet, and das Unglück ist nach keiner Richtung hin auch nur den zehnten Theil so groß als in Schaulen. Bei einem solchen Unglücke müßten alle wohlhabendm Glaubensgenossen der Welt und alle israelitischen Vereine — denn iver sollte denn sonst Helsen? — auf jede LLeise unterstützungsbereit sich zeigen. Der Hrffnung hierauf Ausdruck, sowie die Anregung hierzu zu geben, ist dieses geschrieben. Im Ramm des Local- und Grenzcomitös der Alliance Israelite Universelle. vr. Rülf. 8. Ka»I«rg, 15. August. (Orig.-Corr.) Am lieb- I sten berichte ich Ihnen über das sichtbare Gedeihen und Emporwachsen einzelner hiesiger jüdischer Schulen. Da gehört denn unstteitig zu den besuchtesten Privat-LehranstaUm die I höhere Töchterschule des Herm vr. Katzenstein. Dieselbe zählt jetzt über 200 Zöglinge und besteht aus 8 Klassen, einer Selecta für erwachsene junge Mädchen, einem Kindergarten und einer Bildungsschule für Kindergärtnerinnen. Es wirken an derselben 7 Lehrer und 1t Lehrerinnen; der Religions- und hebräische Unterricht wird von dem Oberlehr« d« Anstalt, Herm Mark, ertheilt, welcher, früh« an d« israel. Knabenschule thätig, fest Begründung d« Töchterschule an dies« mit Eif« wirkt. Obwohl dies« wicht.ge UnterrichtSzweig an d« Anstalt mst Borlicke und Erfolg betrickm wird und die Schule an allen jüdischm Fei«tcgm geschlossen bleibt, so schicken doch eine Zahl angesehm« christlich« Familim ihre Kind« in die nach strmg religiösen Principien geleitete jüdische Schul«, was bei d« großen Anzahl hiesig« guter Priva»- Schulen wohl kein gering anzuschlcgender Beweis für die trefflichen Leistungen und die Anerk«nung ist, deren diese sich erfreut.*) Besonders v«dient auch noch die he«liche Localttät hervorgehobm zu w«d«n, die sich durch hohe geräumige Zimm« und durch einm d« größttn Gärten Hamburgs auszeichnet. *) Doch fehlt c* anbertrfcit* in unserer Gemeind« auch nicht an solche ..Frommen," dir trotz alledem ihre Kind« lieber nach christlichen Töchterschulen schicke», seldst aus di« Gefahr hin. dart wie „Zudrin,ltnge" betrachtet und behandeil »u »erden.