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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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280 würden überaus traurig« sein, „wenn die Linder, die den Altern vor Gott anvertraut und für deren Erziehung die Weiber vor dem Richte-'.uhle Gottes einst Rechenschaft oblegen nutzten, von Juden unterrichtet würden." Die von dem ZandeSschulrath erfolgte definitive Anstellung des Lehrers möge!raher rünckängig gemacht werden. Wie das „Tagblatt,' schreibt, will nächstens Ministerpräsident Graf Lonyay den jüd. Deputirten Moritz Wahrmann zum Handelsminister ernennen. Man will dadurch „uch ein wenig die Juden belohnen, welche bei den letzten Reichstagswahlen zu der Rechten gehalten habe». Nicht weniger «ls drei Minister verdanken ihre Wahl nur den Juden. Aus Kzernowih, 17. d. M., wird berichtet: Zn der hiesigen Zudengemeinde herrscht ungeheuere Aufregung. Die Orthodoxen, tie mit dem übrigen Theile der Ezernowitzcr Zudenschast in leständigem Hader leben, versuchten es heute, die Hauptsynagoge der Eultusgemeinde zu occupiren. Der Vormittags- Gottesdienst war deshalb nur unter ständiger Polizei-Assistenz riöglich, welche aufgebolen werden mußte, um Tumnlie hintanzuhalten. (Ein schöner Sabbath-Nachmu-Gottesdienst!) Der in Marschau erscheinende „Zsraelita" erzählt nachfolgenden interessanter Vorfall: Kürzlich kamen zwei Frauen aus verschiedenen Gegenden deS Kaiserthum» Rußlands nach Warschau, nachdem sie in Erfahrung gebracht hatten, biß ihr Ehegemahl sich dort aufhalte. Zuffällig wurden beide nit einander bekannt und erschraken nicht wenig darüber, Ehefrauen eines und derselben Mannes zu sein: doch bald wurde ihnen eine noch viel größere Ueberraschung zu Theil. Es stellte sich ihnen nämlich eine Dame ebenfalls alS Gemahlin ihres Eheherrn vor. Der geängstigte Polygame traf im 6 inverständniß mit seinen drei Ehehälften das einzig probate AuSkunftSmittel, beim Geistlichen um die Scheidung von-allen drei Frauen eiligst nachzusuchen. — Hie: soll eine höhere Rabbinerschule mit russischer Unterrichtssprache eingerichtet werden. Iketersöurg. Die Banquiers Rothschild in Pari» und Frankfurt haben, wie di« „Börse" mittheilt, unlängst für ih:t der russischen Regierung bei der Emission der consolidirten Obligationen erwiesenen Dienste den Annen- und den StaniSlars-Orden erster Klasse erhalten. Dem Chef d«S Londoner Hauses N. M. Rothschild, Lionel Rothschild, ist für die Emission de>: Obligattonen eine Malachitvase im Werthe von 0000 R. zun Geschenk gemacht worden. Zkaris. Der Professor der Rechte an der Facultät zu R«nner, Herr Worms, ist zum Vertrtter Frankreichs bei dem gegenwärtig in Petersburg abzuhaltenden stattstischen Eongretz err annt worden. (Reo. Zsr.) Mesaut. Wie unfern Lesern bekannt, ist Desoul zum Hauptorte eines neuen EonfessionSsprengelS gemacht worden un ) ist der frühere Oberrabbiner von Colmar dahin übergesietelt. Desoul zählt an israelitischen Familien nur etwa 34, w6 che jedoch sämmtlich wohlhabend sind. Bereits hat der Bau rin w neuen Synagoge auf einen von der Stadt geschenkten Platz j begonnen, auch hat der Skadtrath dem Oberrabbiner eine Wi'hnungSentschädigung bewilligt. „Arch. Zsr." bringen nun in Anregung, daß in dem Lyeeum in Desoul ein Znternat für Zsraeliten errichtet werden müsse, wie ein solches in Colmar und Straßburg bestehe. Dort sollen die israelitischen Schüler rituelle Kost, religiöse Erziehung genießen und in Gemeinschaft ihr Morgen- und Abendgebet verrichten. (Aber warum muß da» Alle» vom Staate erwartet werden?) ES ist ganz güt, wenn es so sein kann, aber in Deutschland überläßt man es der Prioattnitiative, und eS fehlt in keiner Stadt, deren Schulen von auswärtigen israelittschen Schülern besucht werden, an jüdischen Pensionsanstalten. Es fällt uns umsoweniger ein, auf den Staat zu warten, da für Christen solche staatliche Pensionen (Znternate) auch nicht vorhanden sind). — Die vom Oberrabbiner Levy in Colmar gehaltene AbschiedSrede (Adieu ä l’Alsace) ist Im Druck erschienen. Akgier. Der zu Bona erscheinende „Vst algdrien“ berichtet: Gestern, am 23. Juli, ereignete sich im Seebade bei Chappuis ein trauriger Dorfall. Toiel MoLse hatte sich mit seiner Familie an die Küste begeben, sein Diener badete eben im Meere, als er plötzlich mit den Armen um Hülfe winkte und in den Wellen versank. Sein Herr stürzte entschlossen in's Wasser, es gelang ihm den Ertrinkenden zu ergreifen und näher an's Ufer zu ziehen. Aber seine Hingebung wurde verderblich. Der Diener packte ihn im Verzweiflungskrampfe so unglücklich am Halse, daß er erstickend untersank. Unterdessen warm noch drei andere Anwesende zu Hilfe in'S Wasser geeilt. Diesen gelang es, die beiden Versunkenen an's Land zu bringen, doch war Tafel tobt, während der Dimer wieder zu sich gekommen ist. Gerste«. Wie „Zew. Chron." berichtet, beträgt die Zahl der allen in Teheran dem Hungertode Erlegmm 106,000. Koustantiuoptt. R. Mose» Leoi ist zum Chacham- Baschi ernannt und am 0. Zuli vom Sultan in einer Audienz empfangen worden. Austritte«. Drei Zsraelitm, Saul Samiel, Z. G Raffael und H. L. Nelson sind in's Parlement (von Australim) wieder erwählt worden. (Reo. Zsr.) "Sttw-Tßotk. Zsraelitm, welche au» Elsaß-Lothringen gebürtig sind, haben am 24. Zuli eine große Versammlung gehalten, um eine besondere elsaß-lothringische jüdische Gemeinde zu bildm. — Die Blätter bringen eine seltsame Mähr au» Kentucky. Man erinnert sich wohl noch der vor Zahr und Tag erfolgtm räthselhaft gebliebrnm Ermordung eine» sehr angesehmm Zsraeliten in New-Aork, Namens Benjamin Nathan. Man fand nun in einer Höhle in Kentucky einen Leichnam und bei diesem ein mit Antonia Harfe unterzeichnetes Blatt folgendm Znhalts: „Zch habe ein Versteck vor Mmschm gefunden, aber Gottes Auge folgt mir auch hierher. Zch ermordete Benjamin Nathan und sterbe jetzt. Gott verzeih« mir und sei meiner Seele gnädig! Zch sterbe durch eigene Hand! — Zn ,Zew. Times" wird jetzt mit genauer Namenbezeichnung constatirt, daß Wise auch eine kinderbesttzmde Wittwe mit dem Bruder ihre» erstm Ehemannes „getraut" hat. (Wir berichten bei dieser Gelegmheit einen Zrrthum de» „Zsraelit", der bereit» in mehrere Blätter übergegangen ist. ,Zew. Tim." hatte, um da» Verfahrm des vr. Wise, seine Predigten und bei derartigen „Trauungen" und sein nur auf Humbug und Geldmachen abgesehenes Schreiben und Treiben zu persifliren, ein« Geschichte auS Salt-lake-litjr (der Mormonenstadt!) erfunden, wo ein Rabbiner vr. Smart (d. h. Schlaukopf) hintereinander an einem Tage 1) einen Mann mit der zweiten Frau — Bigamie — 2) einen Mann mit seine» Onkels Wittwe, 3.) einen Schwager mit der Schwägerin getraut und dann einen Mann zur Chaliza-Erthrilung gezwungen habe. DI« Reden und Bibelcitate, deS vr. Schlaukopf werden dabet inhaltlich angeführt, wie die Z>hl der eingestrichenen Dollars, und der in den Pausen zusammen mit den Ehorbuben gelrun-

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