Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935634--1335-5370946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
279 1 immer für einem Grund« bet der Abgabe feiner Stimme zur Wahl eines Ortsschulrathes andere als diejenigen Rücksichten beobachtet, di« er seinem Kiud« schuldig ist. Wer über die Schule mttrathm hilft, der muß selbst Znterresse und Derständniß für dieselbe haben, wenn er auch keinen Reichthum sein eigen nennt. Möge man de« materiellen Besitze andere Ehrenämter geben; die Erziehung der Kinder und die Schule seien ausschließliches Eigenthum solcher Personen, di« in der Gemeinde durch größeren geistigen Besitz vor anderen ausgezeichnet sind." M. T. Hserkab, 18. August. (Orig. - Corr.) Ein in jüdisch-polnischem Jargon jetzt in Jassy erschienene- Werk: „Diwre hajomim l'arzos Rumania," dessen Brrsasser ein in Rumänien wohnender Jude, Jacob Psautir, ist, enthält mehrere Beweise — nach meiner Ansicht sehr authentisch« — daß die Juden in Rumänien, ehemals Dacirn genannt, schon seit mehreren Zahrhundertm und sogar noch vor den Römern wohnten. Di« Beweise sind zu umfangreich, daher sehe ich mich ge- ' nöthigt nur ein paar derselben zu übersetzen. Der Brrsasser sagt: „Es giebt eine Stadt Ld-zsud oder Ld-zsudios — jüdische Colonie — diesen Namen haben ihr die Römer 106 n. Ehr., als sie Dacien eroberten und Juden da fanden gegeben", so entnimmt man auS den alten rumänischen Geschichten. „llnweit der Stadt Eempulung (in Walachien) giebt es eine Eiladelle, welche noch jetzt den Ramm „Cifcati jidovi“ (jüdische Litadelle) führt. Diese haben die Juden sich erbaut, als die Römer flohen." Auch giebt es dort einm Schutthaufm, welcher nach Aussage der Einwohner, selbst Ehristm, jmer Gegend, von einer Synagoge herrührt, und welchm sogar die altm rumänischm Geschichtsschreiber „deoerioa jidoräca“ (jüdischer Betsaal) nmntti. Selbst Hajdm, Autor mehrerer Werke, ein unversöhnlicher Zudenfeind, well man ihm kein Geld giebt, aber Sohn eines grtaustm Zudm, gesteht in seinem Werke „Toldrance": daß der Kaiser Trajan Zudm in Dacia gefunden hat. Jedoch Cesar Boliac, der traurig berühmte Redactmr der „Trompeta", intimster Frmnd von Hajdm — und selbst getaufter Jude, — heißt uns Fremd« und Vagabondm, und seine perpetuellr Predigt, in Rumänien ein Auto - da - Fe einzurichten, setzt er ungehindert fort. — Nachschrift. Sorben erhalten wir die traurige Nachricht von dem am 30. v. M. bei seiner Rückkehr von Carlsbad ersolgtm Tode de- Herrn Zooas Byck in Zassy. Ein herber entsetzlicher Berlust. Rastlos war er für das Wohl seiner GlaubmSgenossm thätig. Er war der einzige Jude in Rumänien, der 1860 in Zassy eine vnious israel. gegründet hat; er kämpfte unermüdet für unsere Rechte und für die Hebung der Moralität. Er gründete Schulen in Zassy und war der einzige unter den rumänischen Zuden, der von der Regierung und vr. StrouSberg als Schiedsrichter in der Eisrnbahnangelegmheit gewählt wurde. Friede seiner Asche! Vermischte und neueste Nachrichten. Starfitt. Durch viele politisch« Blätter Nord- und SüddmtschlandS geht eine Nachricht über di« hiesige Hochschule, welche mit der Bemerkung schließ. „Der neum Anstatt trmmt nicht von allen Settm Gunst und Verträum mtgegm. Rammtlich ist die Berufung des radiralm Reformers vr. Geiger nicht nur dm streng conservativm Zuden, sondern auch den gemäßigtm Reformem mehrfach anstößig geworden." Araukfurt >. HL, Ende Zuli. Herr Louis Maas von hier hat die Summe von 30,000 fl. gespendet, von der» Zinsm „arme israel. Kinder aus hiesiger Stadt und Umgegend" in dm hiefigm Schulm unterrichtet werden sollm. Die kaiserlich« Bestätigung der Stiftung und Statuten ist vorige Woche von Berlin eingetroffen. Gzaruita«, 31 Zuli. DaS ZnspÄtorat über die hiesige israel. Elemmtarschule, welches biS jetzt von dem Pastor Prim. Hohne auSgeübt wurde, ist neuerdings SeitmS der Regierung dem hiesigen Rabbiner vr. Popper übertragen worden. (P. Z.) Z»S Strajsurg im Elsaß berichtet die „N. fr. Pr." unterm 10 August: Wie di« elsässichm und lothringischm Satholikm unzufriedm mit dem jetzigm Regime find, so find es auch die Zudm der beidm DepartemmtS. Einige Ursache habm sie wol, denn während der französtschm Herrschaft hatten sie gleicht Rechte mit den anderen Bewohnem, und heute noch zählt die französische Armee höhere Officiere bis zum Gmeral ihres Glauben-, wir auch in allm EtaatSdlcasterim Zudm Stellungen höherm, ja des höchstm Ranges bekleide». Wie wett aber die Abneigung gegen ihre eingewandertm GlaubenSgenoffm geht, zeigt sich darin, daß ste, wenn in einem Haufe wohnend, in diesem sehr gern mtt einander verkehren, außer dem Hause jedoch und an öffentlichen Ortm ihr« Glaubmsgenosjen nicht kmnm. Araka«. Bei dm jüngst vollzogenm städttschm Wahlm haben in einigm Bezirken jüdische Wähttr ihre Kandidaten durchgesetzt, anscheinend weil die christlichen Parteim zu keiner Einigung gelangt warm. Die klerikale Majorität hat nun GemeinderathSwahlen aus dem dritten Wahlbezirke, Curie 2, annullirt, angeblich well bei derselben Zllegalitäten vorgenommen sein sollen, in Wahrheit aber weil es den Spießbürgern des polnischen Rom nicht angenehm war, einen ganzen Wahlbezirk nur durch Iudm im Gemeinderathe vertreten zu sehen. Dennoch müssen sich dieselben mit diesem ihnen unlieben Gedanken vertraut uiachen, senn bei der neuen in optima korma vollzogener Wahl wurden wieder lauter Zuden mir eclatanter Majorität gewählt. H^rag, 26 Zuli. Das Einschreiten der niederösterreichischen Handelskammer für die rumänischen Zuden veranlaßt „Czech," die Regierung aufzufordern, diesen emiedrigenden Schritlm für die Zuden — nicht beizutretc»; dieselben hätten sich, wie in Böhmen und Mähren, so in den Dor.auländern eingenistet und suchten im Sold« Preußens zu geimanistren. Man wolle jetzt Rumänien in der Selbstvertheidigung gegen die Verbrechen der Zuden hindern. Dazu dürfe kein Oesterreicher sich hergeben. (Aecht „Ezechischl") — Eine Anzahl Zglauer Weiber richtete eine Peiitton an den UnterrichlSminister gegen die Anstellung des israelittschen Lehreran der dortigm Volksschule; die Folgm hiervon