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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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277 Die An« | ja aus purer ZerstörungSwuth auch nicht einen Stamm mehr übrig gelassen. Und über den letzten jüdischen Krieg unter Barkochba macht Fallmerayer die geistreiche Bemerkung: wenn in der Kirche, die jüdischen im Tempel beiwohnen, stakt hat weder einen speufisch christlichen noch jüdischen Charactrr; man müßte sonst etwa den Un stand, daß die Speisen den jüdischen Borschristen gemäß zubereilet werden, für ein Charakteristikum halten. Hervorgehoben wird vorzüglich daS beiden Bekenntnissen Gemeinschaftliche, vor Allem der Glaube an einen einzigen liebenden und gerechten Galt, die Gottähn« lichkeit des Menschen und die ihm daraus erwachsende Pflicht, dem Willen und Wesen Gottes gemäß zu lehen. Hieraus geht hervor, daß ein wahrhaft religiöser Geist unsere Anstalt durchdringt, ein religiöser Geist, der eS unS möglich macht, ebenso treue Christen, wie gute Zsraeliten heranzubilden. Dabei sind die Aeußerlichkeiten, die den sichtbarsten Unterschied der Confessionen auSmachen, durchaus nicht beseitigt. Dieselben verlieren aber dadurch, daß Zeder sie vom Andern so häufig verrichten sieht, zunächst ihr Auffallendes; sie werdrn verständlich, indem der Sine vom Andern ihre Bedeutung erfährt, und erzwingen sich endlich die Achtung deS Andersgläubigen. Da» durch fallen die Schranken, die zum Theil noch zwischen den Anhängern beider Confessionen bestehen; Fanatismus und Be» -kehrungSfucht werden zur Unmöglichkeit, und die gegenseitige Mißachtung verliert jeden Boden. Die beiden an sich so getrennten Confessionen verbinden sich zu einem neuen Verein, so zu sagen einer neuen „religio", die auf gegenseitige Dul« düng und Achtung gegründet ist. Diese Duldung nach unfern schwachen Kräften zu verbreiten, ohne irgend einem Glauben Abbruch zu thun, da» ist eine der ersten Aufgabe snnserer Anstalt und der Hauptzweck ihres edlen Stifters: Wenn sie allgemein wäre, dann würde der Aberglaube verschwinden, als ob ein rechtschaffener Zsraelit eine andere Moral hätte, als ein guter Christ, und als ob irgend ein guter Mensch einen schädlichen Einfluß auf einen Andersgläubigen haben könnte/ Man bilde nur Menschen aus, gute Menschen, und man wird gut« Christen und Juden haben!" Zu» Nayer«. (Personal-Notizen.) Die Wahl des vr. Lew in als Rabbiner in Nürnberg ist vom Ministerium bestätigt worden. Die Gemeinde Augsburg, deren Rabbiner bekanntlich abgegangen ist, hat sich dem Rabbinat Zchenhausen, dessen Inhaber, Löb, der orthodoxm Richtung angehört, angeschlossen, und wird vermuthlich in diesem Provisorium für einige Zeit verharren. Zum Mitgliede der medlcinischen Hauptprüfungs-Commisston in München ist für Psychiattie der Oberarzt der ob«, fränkischen Irrenanstalt in Bayreuth, Herr vr. Cngelmann einberufen, derselbe, der unter dem alten Regime nur „auf Ruf und Widerruf" al» Direktor jener Anstalt angestellt wurde, um als Jude nicht pragmatische Rechte zu erlangen. Mtluche«. Die „A. «. Z " vom 12. August enthält einen „Römische Toleranz, zur Völkerpsychologie" überschriebenen Leitartikel, den wir als höchst interessant denjenigen Lesern empfehlen, welchen da» Blatt zugänglich ist. Eingang und Schluß verdienen jedoch auch in der „Wochenschrift" mitgetheilt zu werden. „Im Niedertreter» und vernichten anderer Nationen hat die lateinische Rare weitaus da» Höchste geleistet. Entsetzlich lautet die Schilderung, ivelche Strabo von Griechenland ein Jahrhundert nach der Zerstörung von Korinth durch Consul Mummiu» entwirft: Hunderte von Städten und Tausende von Dörfern seien vom Erdboden verschwunden und gleichsam weggefegt. Iosephu» Flavius schreibt: da» römische Belagerung-Heer selbst unter dem milden Titus habe die Landschaft auf vier Stunden tm Umkreise förmlich kahl geschoren, man nicht wüßte, wo da» furchtbare Drama sich ausgespielt und die Nation in die letzte Reichsfestung zusammengedrängt, förmlich zerstampft nnd zermalmt wurde, so dürfte man nur auf die melancholisch düster» Trümmer um Chirbet el Iahud blicken, welche die Grabstätte der jüdischen Nattonalhoheit für ewige Zeiten bilden. In keinem Strich« des gelobten Landes hängt der Beisatz „Ruine" (Chörbet) an einer so massenhaften Anzahl alter Dörfer, wie jetzt nach mehr als stebenzehn Jahrhunderten noch um Bettir. Die Griechen hatten ganz Recht, wenn sie auch die Römer zu den Barbaren zählten." Der Schluß beklagt „die Berwüstung, welche allein unter dem Pontificate Pius IX. im Gebiete der theologischen Wissenschaft in Deutschland angerichtet worden ist. Ganze theologische DiSriplinen liegen verweist ... die erheblichsten katholischen Zeitschriften sind ringegangen . . . Was soll au» der katholischen Wissenschaft werden? Die jüdisch-theologische Literatur ist in Deutschland bereits zahlreicher bestellt, natürlich unsere katholische Theologie ist ein Noli me tangere, über jedem Autor hängt da» Damoklesschwert der römischen Exkommunikation." Aus Mtirtteueberg. Der Stattstik des Kgl. Ministerium» für Kirchen- und Schulwesen entnehmen wir: Zn Württemberg befinden sich folgende Schulftellen: 24 mit dem jährlichen Gehalt von b3S fl.; 3 mit dem von 600—700 fl.; ein« mit 800 und darüber. Ständige Amts- Berwesereien giebt es 3; und 2 Unterlehrerstellen, zusammen 33. Alle diese Stellen sind je um l00 fl. aufgebessert worden unterhalten di« Lehrer progressiv vom 30. bis (*0. Lebensjahre 100 fl. jährliche Alterszulage, in ähnlicher Neffe ist für di« Vorsänger d. h. Religionslehrer gesorgt, dies« erhalten ebenfalls Gehaltsaufbesserungen von den Gemeinden und Alterszulagen von der K. israelitischen Oberkirchenbehörte. — Der Zudrang der Zsraeliten in die Gelehrten- und Realschulen de» Landes ist rin sehr bedeutender, er erklärt sich daraus, daß in den größten Städten de» Lande» Stuttgart, Ulm, Heilbronn gar kein israelittscher Schüler die Bolksschule besucht, sondern alle die höheren Lehranstalten frequentiren. Oesterreich. Zu» Mähre», 8. August. (Orig.-Corr.) v-ck. K-nn. Es ist eine eigenthümliche Wahrnehmung, daß in Mähren das jüdische Element an den Sitzen Deutsch redender Bevölkerung dünn und spärlich, dichter dagegen und häufiger inmitten slaotscher LandeStheile vertreten ist. Man wäre versucht, die viel. faA in der Natur vorkommende Abstoßung des Aehnltchen und Gleichnamigen auch tm Geistes- und öölkerleben anzunehmen, es wäre sonst jenes Berhältniß bei der vielbehaupieteu Sehnlichkeit und Verwandtschaft zwischen Juden- und Deutschthum «in verkehrtes, auffälliges. Für die Sache des Fortschritts ist es jedoch nicht gleichgültig, daß die Juden so und nicht anders verbreitet sind. Dadurch, daß sie 1». slaoischen Gegenden mit den Vertretern der deutschen Sache sich vereinigen, kommt z. B. diese durch ihre ausschlaggebenden Stimmen in der Wahl eines deutschen Abgeordneten zum Stege. So kommen denn auch auf dem herrlichen Flecken Erde, in der Umgegend der Stadt Neutitschein in Mähren, dem sogenannten Kuhländchen, daS einen überwiegend deutschen Charakter trägt, Juden nur vereinzelt vor. Oder sollte diese BerbreitungSart

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