Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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272 Antarest. Costaforu hat an alle Districtual-Eonseils die Ordre ergehen kaffen, sofort di« Zahl der Juden in den re» speciom Distrtctm genau zu eruiren und das Resultat, sowie die Zeit ihrer Ansiedlung und ihre Staatsangehörigkeit dem Ministerium zu berichten. Wozu soll wol dieser CensuS? (N. fr. Pr.) Die Furcht vor Invasionen ist eine rein epidemisch« geworden. Neulich langten an der Grenze 40 Arbeiter an, welche die hiesige Bahndireetion für die Bahnarbeiten auS dem Auslände hatte kommen laffen. Der Grenzbramt« verweigerte ihnrn jedoch den Eintritt unter dem Vorwände, er habe strengm Aus trag, die Invasion von Deutschen und Juden zu verhindern. Erft nach vielen Unterhandlungen und nach Znterventton des EonsulS in Bukarest war es möglich, die Halsstarrigkeit der Grmzbehörde zu erweichen. (Das.)! HtntareK. Wie verlautet, steht die Entlastung des j Ministers Sostaforu bevor, Rußland hat sich über ihn beschwert wegen gewisser das Petersburger Eabinet verletzender Aeußerurgen, die er in der Kammer bei Gelegenheit der Debatte über die Judenverfolgung iu Rumänien gethan. (K. Z.) Andererseits theilt die „Rum. Post"*) „mit aufrichttger Friude" einen Bericht des Zustizministers (sostaforu mit, „in welchem sich ein Geist der Unparteilichkeit und der Gerechtigkeit ausspricht". Ein Gerichtsbeamter, Herr N. Stürza, hatte sich das Recht angrmaßt, gegen die Juden ein Interdikt zu erl rffen. Schon im letzten Sommer hatte ein Richter in Bacau den Juden das Recht abgesprochen, selbst vor Gericht sich zu vrrtheidigen, und schon damals hatte der Iusttz-Minister dein dortigen Tribunale eine Rüge in dieser Beziehung zukommen laffen. Der jetzige Fall ist ein diesem ähnlicher, mit dein Unterschiede, daß hier den Israeliten auch noch eine qua* lifizirte Eidleistung ,more jadaico* zur Pflicht gemacht wird; nun hat b:r Fürst, in Folge d«S Berichts des Justizministers den Herrn Sturz« seines Postens wohlverdienter Maßen entsetzt, indem demselben noch der gute Rath ercheilt wird, mehr Ei-fahrung zu sammeln." (Rat. Zeit.) —. DaS Journal „ln Darquis" in Constanttnopel, das officiöse Organ der jetzigen Großveziers, enthält in dm Nummern vom 1. und 2. Juli eine wahre Anklagefdirift gegen die rumänischen Israeliten. ES wirb angegebm, dcß der Berfaffer rin Rumäne sei und seine Ansicht von den Berhältniffm gebe, aber es ist immer bemerkenSwerth, daß das genannt: Blatt dm Arttkel aufgmommm hat. Auch sind die rumänischen Zoumale vor Freud« darüber außer sich. Französische Blätter theilm Auszüge mit. Für unsere Leser gmügt die Bemerkung, daß der der egte Artikel — hundertmal G esagtes, b. h. Gelogenes, wiederholend — 1) liugnet, daß dm Iudm in ISmael, Vilcow x. rc. Schlimmes widerfahrm sei, es sei alles übertriebm, an anderer Stelle beklagt er freilich wieder, daß das Volk selbst Rache geübt und Excesse begangen Hab« ... 2) seim die Iudm ein Unglück für die Moldau, und man solle dem Land«, nicht dm Iudm, welch« hinläng- (schutz genießm, die Hülfe Europas zuwendm. 3) Rumänim »üfle selbst bestimmm, welche Rechte es Fremdm gewährm «olle. 4) Di« rumänischm Iudm sollt« nach Amerika ausi »andern, und der rumänische Staat wolle die Kosten de» Transports tragen. („Wo hat Hund Haus-1^0 *) Datu RrdoNoer sich seit 1s Z«goi in Hast befindet acgai „veleiMqanfai und Die letzten» »efichm äafo4 darin, t«ß dir Jtonu. Post" di« Zndenhetze» «nf» Sntschiedenfi« tadelt. Vermischte und neueste Nachrichten. Nerki», 15. August. Hier sind dieser Woche wieder 60 Personm durchgekommen, die durch da- KinigSberger Hauptgrenz-Eomitö zur Auswanderung nach Amerika via Hamburg designirt waren. Mraudenbnrg, 14. August. Unser Rabbiner vr. Raphael, der Montag Abends noch Im Tempel war, wurde Dienstag (TUch’o b'ow) vom Schlage gerührt todt im Betre gefunden. Bei seiner auf heute Nachmittag angesetzten Beerdigung wird vr. Apolant aus Berlin die Leichenrede halten. Magdeburg. Von den russischen Waisenknaben sind auch hier einige als Lehrlinge untergebracht wordm. Hlawicz, im August. Herr vr. Koref, ist zum Rabbiner der hiesigen isr. Gemeinde erwählt worden und hat die Wahl angenommen. Straßfiurg, im August, vr. Gustav Iacobsthal (gebürtig aus Pyritz, Sohn des SanitätsrathS vr. I. daselbst) tritt mit dem bevorstehenden Semester als Privatdocent für Musik und Kunstgeschichte bei unserer Universität ein. Mreßvurg. Der früher« ungarische Parlaments-Abgeordnete Horn, ist hier nicht wieder gewählt wordm. Mehrere Blätter melden übereinstimmend das seltsame, aber doch leicht erklärliche Factum, daß die Orthodoxen PreßburgS dem radikalen Deputtrtm ihre Stimmen gegeben haben, obgleich er im vorigm Jahre (wie von uns s. Z. berichtet worden) in der Kammer beantragt hatte, daß die Juden ihrm Sabbath auf den Sonntag verlegen sollten. Hfe«. Mehrere männlich« und weibliche Dienstbotm außer Dienst haben Stellm in jüdischen Häusern, welche ihnen von dem StellennachweisungS-Bureau zugewiesen wurden, anzunehmen verweigert. Die Behörde hat darauf dir Ausweisung der Faullmzer angeordnet. Die protestantische Synode hat dem Oberrabbiner von Frankreich in einer Adreff« ihr Beileid wegen der Judenverfolgungen in Rumänien ausgesprochm. Hfieterrturg. Wie das „Journ. von St. Petersburg" mittheilt, hat eine in Pilltm (Kurland) wohnmd« Israelitin innerhalb 10 Monaten 7 Kinder geborm. Nachdem fie End« Juli 1871 4 Mädchen das Lebm geschenkt, ward sie gegm End« Mai dieses Jahres von 2 Knabm und 1 Mädchen mtbundrn. Mutter und Kinder befindm sich wohl. Kreniso. Giacomo Lmi hat, alS trmer Ausleger des Willens seines verstorbenen Schwiegervater-, des Ritters Josef Mondolko zusammm 45,OOOLivres verschiedenen Wohlthätigkettsanstaltm und Verein« zugewiesm, darunter 10,000 der israelitischen Gemeinde zu Bmedig und 5,000 für jüdische Anstalten in Triest, daS klebrige kommt allgemeiner Wohlthätigkeit zu Gute. (Arch. Isr.) Hra». Gewiffe Angelegmheitm, Fragm, Beschwerdm rc. rc. liegm oft derartig „in der ftift", daß sie an dm entlegensten Orten hervortretm. So ist am 23. Juni in Om» «in Verein von etwa 250 Zsraelttm zusammmgetretm, um der Bettelei der Glaubensgenossen zu stmem. Freilich handelt es sich dort nicht um Wanderbettler, sondem «m einheimisch«, aber wer glaubt nicht eine Schilderung unserer Verhältnisse zu hör«, wmn dort der Vorsitzende, Kanoui, auseinandersetzt, wie die in so reichem Maß« geübte Wohlthätigkeit durch Mißbrauch zu einer Förderung und Bestärk»«- des Lasters »erde. „Star unter Ihnen, sagt er, hat sich nicht über jene Männer