Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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278 » und Frauen, junge und durchaus rüstige, beklagt, welche Die an gewissen Tagen der Woche in Ihren Läden und Wohnungen überfallen und, wenn Sie ihnen «Iwa Arbeit bieten, davongehen, nicht ohne Sie mit Verwünschungen zu bedecken." (Arch. Isr.) Aufiarefl, 17. August. Der amerikan. Generalkonsul Peixotto hat die Rum. Regierung ersucht, der Auswanderung der rum. Juden nach Amerika Vorschub zu leisten. Zmertfia. Eine in Eleveland und Cincinnati veranstaltete Ausstellung zu Gunsten de- Asyl» für Waisen hat einen Reinertrag von 25,000 Dollar ergeben für ebenso große Summe ist dem Monnt-Sinai-HoSpital von Simon Levi in New Dork vermacht worden. Mitwantee. (Amerika.) 3. Juni. Gestern hatten wir eine eigenthüniliche Feierlichkeit in einer neuen israelitischen orthodoxen freien Gemeinde unter dem Namen Ansche Emet. Ich nenne ste darum freie Gemeinde, weil die Mitglieder keine Beiträge zu leisten haben. Durch einige Leute, welche nach dem Brande von Chicago hierher gekommen sind, wurde diese Gemeinde gestiftet, wo der alte polnische Ritu» mit einjährigem CycluS beobachtet wird. Die Gemeinde besteht jetzt schon au» 20 Mitgliedern.' Wer nach alter Sitte einem Gottesdienste beiwohnen will oder den Todestag seiner Eltern halten Mächte, kann zu unS kommen. Der Chasan, der eigentliche Stifte'» der Gemeinde, fungirt unentgeltlich, ebenso der Bal Stott und Prediger. Auch eine ReltgionSschule ist damit verbunden, wo alle Schüler ebenfalls unentgeltlich täglich unterrichtet werden. Die gestrige Feierlichkeit bestand nun darin, daß wir eine neue Sefer Thora, die Herr Bloch von hier au» Europa für unS mitgebracht hatte, eingeweiht haben. Heb. L. Feuilleton. Oestim««»ß oder (#ta* wahr« Seltenheit aut der Segenwart.) Unter de» zahlreichen und glänzenden Firmen Berlin», wirst jdu, geneigter Leser, auch eine finden, welche, obgleich jüngeren Ursprung» unter den EngroSgeschäften der Residenz sich «ine» geachteten Namen» erfreut, nicht etwa, weil ste durch di« Größe ihrer Betriebsmittel und ihre» Umsatz«» sich einen glänzenden Ruf in der '„Spandauerstraße" erworben, sondern weil ste bei bescheidener Wirksamkeit durch Solidität und pünktliche Erfüllung ihrer Verpflichtungen auch in schwerer Kriegszett ihre Existenz fest und sicher begründet hat. Diese» EngroSgeschäft ist vor ungefähr zehn Jahren von zwei jungen Kaufleut« S. und O. gegründet worden, welche, von Haus« auS unbemittelt und nur auf sich selbst dabei angewiesen, gar manche schwere Sorge und Roth bei diesem Unternehmm zu bestehen hatten und al» e» gelungen war, nicht einmal die Frucht ihre» Fleißes, den Erfolg ihrer Bettiebsamkett genossen habe», «eil beide in der Blüth« ihre» Leben» von einem schnellen Tod ereilt wurden. Der älter« Socius, S., starb auf dem natürlichen Wege einer schweren Krankheit, die ihn auf Reise» befallen hatte — der andere auf dem unnatürlichen Wege «ine» jähe« Tode», den vorzuführen den eigentlichen Zweck dieser Erzählung bilden soll. O. hatte «ach dem Ableben de» Socius da» Geschäft für eigen» Rechnung übernommen und fortgeführt und hatte die Freud« feine Anstrengung mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt zu seh« — «ine Freud«, welch« nicht allein die größtenthtil» auf ihn angewiesenen Eltern und Geschwister, sondern in gleicher Weise der groß« Krei» seiner Freund« mit ihm »heilte, die seine persönliche Liebenswürdigkeit, seine angeborene Gutmüthigkeit und die Lauterkeit und Festigkeit seiner Grundsätze gebührend an ihm schätzten. Wa» Wunder wenn dem 80 jährigen jungen Manne glänzende Parthien vorgeschlagen und mancherlei Hebel ln Bewegung gesetzt wurden, um den gut renommirten und gut situirten Kaufmann in der Residenz zum Schwiegersohn zu bekommen? Waren e» ja besonder» die braven Eltern, welche den Sohn zur Bcrheirathung mit einem Mädchen der Vaterstadt drängten, um durch ihn bald mit einer der reichsten und nobelsten Familien ihre» Orte» in nahe Verwandtschaft zu treten und so eigentlich erst durch ihr Kind wahrhaft beglückt zu werden! — Nach kurzer HIn- und Rückverhandlung wurde demnach der Tag festgesetzt, an welchem O. zum Besuche de» Elternhauses nach Sch. kommen, und mit der liebenswürdigen Tochter de» dorttgen Kaufmann» und Bankiers N. sich verloben sollte Während alsbald daheim in dem braven, schlichten Elternhause, da» jederzeit, selbst in schwierigen Lebenslagen, durch eine zuftiedene Häuslichkeit beglückt gewesen war, alles für die Ankunft de» lieben Sohnes vorbreitet wurde, ttat O. an einem schönen Iulimorgen, ftohen Herzens, die Steife nach der lieben Vaterstadt an, die ihm zugleich als Erholungsreise von langer und mühsamer Arbeit im Geschäftsleben dienen sollte. Sein Weg führte ihn mit der Eisenbahn zunächst nach K., eine lebhafte Geschift»- stadt, wo er eine schöne Kundschaft besaß, waS ihn veranlaßt«, da er in dem nahen Städtchen N., welches mit K. durch eine Chaussee verbunden ist, eine ftreittge Geschäftsangelegenheit gleichzeitig reguliren wollte, einen Zug zu überschlagen, um mit dem Abendznge erst weiterzureisen. In K. miethele O. ein Fuhrwerk nach N. und hatte Zeit genug. Alle» in'» Reine zu bringen und am Nachmittage auch nach K. zurückzukehrrn. Auf dem Rückwege schlief er, von der Tageshitze ermattet, ein; auch dem Kutscher pasfirt« ein Gleiches. Da wurden plötzlich di« Pferd« scheu, gingen mit dem Wagen durch, der zuerst erwachte Kutscher sprang nach vergeblichen Bemühungen, die Pferd« zum Stehen zu bringen, glücklich herab, während der durch da» Geräusch aufgeschruchte O. sich hilflo» den aasend dahinjaqende» Thieren preiSgab. Mit Geistesgegenwart zieht er sich nach dem hinterst« Theile de» Wagen» zurück, übersteigt dies«, nun in einem geeigneten Momente herabzuspringen — rhut dies und fällt dabei leicht auf einen Häuf« kleingeschlagener Steine, ohne bei der Erhebung irgend eine Verlegung zu verspür«. Dir Pferde waren inzwischen zum Steh« gebracht und der kurze Weg nach St. unangefochten jurihfgdcgt ward«. Da erst verspürt O. ein heftige» Stechen im recht« Ohr, au» welchem zugleich eine Flüßigkeit träufelte. Der Schmerz wird heftiger, so daß ein Arzt in'» Hötel gerufen werden muß, und dieser eröffntt dm Wirthe, daß der Fremde veranlaßt werden müsse — falls er die» zu thun wünsche — schleunigst sein Testament zu mach« und die Angehörigen telegraphisch zu beruf«, weil er vorauSfichtlich dm nächst« Morgm nicht niehr erblicken werde, da das Gehirn schwer verletzt sei uud durch da» Ohr au-laufe!! — der Notar wird geholt, da» Testammr gemacht, eine Depesche beruft die der Ankunft de» Sohne» am selbig« Abmd harrend« Eltern nach K. und al» diese früh sech» Uhr dort eiutreffm, finden ste — die Leiche ihre» geliebt« Sohnes! — Du hast, g. L. bi» hierher dem tragssch« Ereicmiss« deine Theilnahme zugewendet, hast den Schmerz der greis« Eltern mitempfunden, ohne jedoch in Rücksicht auf di« Menge der alltäglich sich ereignmden UnglückSftll« etwa» in dieser wahren Begebenheit bis jetzt gesund« zu haben, was die gewähfte „Ueberschrift" dieser Erzählung zu rechtfertigen besonder» geeignet wäre. Welch« Erwägungen aber wirst du dich hingehen, wenn ich dir zum Schlüsse noch mittheil«, daß vier und dreißig Jahre vorher der Großvater unsere» O., auch auf demselben Wege zwischen K. und N. auf dir nämliche Weise, durch scheu gewordene Pferde, sein Leb« verloren hatte und ebenfalls fern von seinem Wohnorte, auf dem Friedhofe zu St., der nunmehr auch die Leich« de» Enkels aufgeuommen, inS Grab gebetttt wurde! — willst du das dann „Zufall" oder „Bestimmung" msanotf?-Dr. B — i.