Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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271 bestätigt, der Beigeordnete, ein Jude, nicht, weil nach der Praxi« der Regierung rin Jude nicht mehr Beigeordneter sein kann, sobald sich (wie da« in dem früheren Gemeinderath nicht der Fall war) geeignete, zur christlichen Religion sich bekennende Personen vorfinden. (Main-Ztg.) Oesterreich. We«, 10. August. Professor Büdinger in Zürich ist znm Professor der Geschichte an der Wiener Universität ernannt worden. Büdinger ist Oesterreicher und konnte in den fünfziger Jahren unter dem Thun'schen Regime au« confesstonellen Gründen — er ist Israelit — keine Stellung finden. Seine jetzige Berufung führt eine bewährte wissenschaftliche Kraft wieder der Heimat zu. Sr erhält jene Professur für Oesterreichische Geschichte, die der bekannte klerikale Professor Albert Jäger bisher inne hatte. V. v. Karts-atz, 5. August. (Or.-Lorr.) Au« dem hiesigen reich bewegten Curleben, da« auch die heimischen Bewohner in steter Aufregung erhält, wie e« alle religiösen und Culturinteressen paralysirt, ließe sich wohl so manche nützliche Beobachtung über Juden und Judenthum mittheilen, wenn man nur hier dazu die Muße und Sammlung gewinnen könnte, für heute kann ich einen allgemein besprochenen Gegenstand nicht unerwähnt lassen. Ich meine nämlich den Abgang unser»'« geschätzten Prediger« vr. I. H. Oppenheim, ein Ereigniß, welche« allgemein al« bedeutender Verlust für unsere junge, im Entwickeln begriffene Gemeinde beklagt wird. Ich lasse e« unerwähnt, daß Oppenheim ei» besonder« talentirter Prediger war, da dieser Mangel leicht zu ersetzen sein mag. Aber H. O. war ein biederer Charakter, der mit einer Begeisterung nnd Hingebung sich seinem Berufe widmete, wie sie in unserer materiellen Zeit höchst selten vorkommt. Dieser Sifer, dem e« nur an Geduld und Ausdauer fehlte, war die Ursache, daß H. O., abgeschreckt von den kleinlichen Zerwürfnissen und Zänkereien, die in einer so jungen, au» so verschiedenen Elementen zusammengesetzten Gemeinde fast unvermeidlich sind, seine Stelle aufgab und einen Posten bei der Brünn er Gemeinde annahm. Den 21. Juli hielt H. O. seine Abschiedsrede, die auf'« heimische, wie Enrpublicum wegen ihrer Offenheit und Männlichkeit eine tiefe Wirkung hervorbrachte. Den 23. veranstaltete die Gemeinde dem scheidenden Prediger zu Shren im Hötel national ein AbschiedSbanquett, wozu mehrere Rabbiner geladen waren, vr. Adler au« Cassel u. a. m., wobei dem (Gefeierten von der Genieinde ein Diplom al« Ehrenmitglied der Gemeinde, ein Meisterstück der Kalligraphie, überreicht wurde, und worin die Verdienste desselben um die Bildung de« Curfond« und um die Sammlung zum projectirten Synagogenbau hervorgehoben wurden. In Folge der Zerwürfnisse der Gemeinde, die sich' hier nicht in thätiger, sondern in negativer Weise geltend machen, da die reichen mit dem Vorstande schmollenden Familien sich allen Gemeindeinteresse» gegenüber ganz passiv verhalten und dadurch auf die Curgäste nachtheilig einwirken, wird der Synagogenbau in die Länge gezogen Vielleicht daß e« doch gelingen wird, nach und nach die sich fern stehenden Familien, di« sogenannten Lichtenstädter Baale- Bathim, zu versöhnen und dann könnt« Karlsbad al» Gemeinde «ine besondere Bedeutung und Mission erhalten. Bi« dahin braucht e« viel Muth und Ausdauer, um unverdrossrn al« Rabbiner und Prediger solcher Lethargie gegenüber da« Gute anzustreben. Wem diese Aufgabe unter mehr al» 20 Bewerbern zufallen dürfte, wird die nächste Zukunft lehren. Uumänie«. A-schtaut, 21. Juli. Am 21. Juli a. Gt. hat vor dem hiesigen Schwurgerichte eine Verhandlung stattgefunden, die auf der einen Seite zeigt, welch gesunder Kern in unserm Bauernstände steckt, und wie alle Exzesse, die auf politischem sowohl, als auch auf religiösem Gebiete, sich bei un« leider nur allzu oft wiederholen, ihren Ursprung in den perfiden Ab- und Ansichten derjenigen haben, die sich „liberal" nennen, und ihre crasse Ignoranz mit dem durchsichtigen Firniß der sogenannten Civilsatton übertüncht haben. Die Thatsache ist folgende: Im vergangenen Herbste kam ein Jude au« Rußland herüber, um eine große Summe Nüsse <u>zukaufen. Der Fremde kehrte bei einem gewissen Jlie Säre ein, der ihm zugleich als Dolmetscher dienen sollte. Letzterer, in der richtigen Voraussetzung, daß der Jude viel Geld bei sich haben niüsse, faßte einen höllischen Entschluß, für dessen Ausführung er zwei Individuen, anwarb. Die beiden Gauner weihten noch einen dritten in ihren Plan ein. Nach wohlüberlegtem Opera- .tioniplane begab sich nun Letzterer al« Kutscher verkleidet zu dem Juden und sagte ihm: „Warum gehst du denn, Jude, nicht in ein andere« Dorf, da« hier in der Nähe ist, allwo du viel Nüsse und zu billigeren Preisen finden wirst: wenn du willst, so führe ich dich selbst dahin, denn ich habe Wagen und Pferde". Nachdem sie über den Preis der Ueberfahrr sich verständigt hatten, begaben sie sich auf den Weg nach dem genannten Dorfe. Der Kutscher brachte den Juden zu einem Walde, wo plötzlich der Wagen von den 2 Andern, die au« dem Dickicht herauStraten, angehalten wurde. Nachdem der Jude mit Hilfe de« Kutscher« gebunden worden war, entfernte sich dieser mit seinem Gefährt. Di« beiden Gauner schleppten nun ihr Opfer bis zu einem Abhange, nahinen ihm die Geldkatze ab, tödteten den Geraubten mit Messersti chen und warfen den Leichnam in den nahen Fluß. Der bald darauf aufgefundene Leichnam veranlaßt« die Districtibehörde, Nachforschungen anzustellen, und e« gelang endlich, de« Mörder« habhaft zu werden. Hr. D. vraescu war der Bertheidiger dieser Gauner. Sein Plaidoyer lautet« im Wesenlichen wie folgt: „Meine Herren Geschworenen! Sie müssen vor allen Dingen die Lage der Juden kennen; sie müssen sich erinnern, daß diese Blutegel sich an den Körper unsere« Volke» geheftet und da« Mark der Rumänen aussaugen. Ich kann Ihne» durch ihr Gesetzbuch, den Talmud, beweisen, daß sie sich de« Blute« der Christen al« eine« Getränkes an Festtagen bedienen, und außerdem ist e« bei den Juden Gebot, einen Christen, wenn er auf einem Abhange steht, hinterrücks in die Tiefe hinabzustürzen. Sie sehen, wie weit ihr Haß gegen uns reicht. Meine Herren Geschworenen! Ich und alle wahren Christen müssen diese jüdischen^Unholde nicht al« menschliche Wesen, sonder» als wilde Thiere betrachten. Deßhalb werden Sie, wie ich überzeugt bin, ein Verdikt auf — Nicht-Schuldig geben, da meine Clienten nur in der löblichen Absicht gehandelt haben, un» von dieser jüdischen Krätze nach und nach zu befreien." Die Geschworenen, meist Landarbeiter aus dem Distrikte, verurtheilten trotzdem alle drei Angeklagten. Das rumänische Sprichwort hat sich wieder bewährt: „Vesser der Wahre Bauer, Alt btt «ttlawte Liberale." («bim. Post.)