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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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*0 tfatd i» Dunkel schleicht. Mer sträflicher Leichtsinn »Lee 0 off« kundige Wund« übersehe«, vor dt» Verderben ^da» «n Hellen Mittag wüthet", da» Auge verschließen zu «olle». Und bei uns ist e» leider so weit gekommen. Nicht die Zwietracht iw Lager Israel» ist «» allein, die dem >ng« de» Beschauer» betrübend entgegentritt; darüber könnten wir «n» in Geduld und Vertrauen beruhigen, da ja der gesund« Ein» unsere» Volke» religiöse Streitigkeiten, dogmatische Meinungsverschiedenheit siegreich überwinden würde, wie e» deren so viele schon überdauert hat. Rein, wa» im» mit ttefem Schmerz erfüllen muß, ist die tranrig« Wahrnehmung, daß nicht religiöse Motive, nicht ' «ahrhast frommer Sinn den Strett hervorgerufen haben und »ach erhalten, daß vielmehr unter der nur zu lose vorgehal» «enea Maske de» Religion-eifer» stech und schamlos 'das Der» brechen, die niedrige Gewinnsucht, einherschreitet. — Da hat . vor Kurzem eine Geschichte Sensatton erregt, dir zu ernsthaftem Denken auffordert. Eine Heirath»»Versicherungsgesellschaft in MiSkolcz hat fnllirt und viele Hunderte von Betheiligtm find um ihr Vertrau« und ihre Baarschast schmählich betrogen. .Zugleich erfährt man aber auch, daß der Vorstand dieser sauberen Gesdlschaft zum Theil au» Anhängern de» „traditionellen f- Andenthums" besteht und die herbeizulockenden Theilnehmrr i-i dnrch glänzende Versprechung« geblendet, di« namenllich in ’rr'^ den Theißg eg enden zahlreich« jüdffche Bevölkerung dagegen mit Lügenseilen herangezogen hat. die, aus Orthodoxie und Schom- 0, rrhadath-Stoff zufammeng^reht, für da» im Gerüche der ^^rÄgiösen Unfehlbarkeit stehend« Unternehmen Propaganda £ «achen mußten. Ast ein solche» Treiben bester als di« heut» Pttage so arg verlästerte Tactik der llltramontanen,, die doch ' «enigsteni einen erhabenen Zweck vorschützen, der den niedrigen Mitteln, welche sie anwenden, die Weih« verleihen soll? Heißt da» nicht den Namen Gotte» auf die unverantwortlichste Weift entweihen, öffentlich entwürdigen, wenn Leute, deren Gesichtskreis eng, deren Begriffsvermögen beschränkt ist, im Verträum auf dir heilige Sache de» Glaubms und erfüllt vom Eifer, in grwtste«. Sinne für da» hohe Ziel mttzmvirkm, dann „im Namen Gotte»" betrog«, ja geradezu beraubt werdm! „Mein Volk, die dich za beglücken vorgebm, sie führ« dich irre!" Wie leicht ist «» zu befürcht«, daß den Betrog«« nun die »ngm aufgchen über ein solche» Gebahr«, da» angeblich im Dienste der Religio» «»stritt, und sie im heftig«. Unmuth« Fein« Unterschied zu «ach« vermög« zwischm dm unwürdig« Werkzeugen, die einer im Grund« gut« und chrenwerthm - Sach« sich bemächttgm, und dieser Sache selbst, daß fie dann tat blinden Eifer an dem wirklich« Bestand« der Wahrheit, des Gut«, verzweifeln und in der Lbtrünnigkett oder zum Mindest« dem Andifferentismus ein abfchreckmde» Beispiel gewahr«. lvchlug fahr.) Aoric, 26. Juli. (Or-Eorr.) Gestatt« Sie mir einig« «nrichtigm Nngabm in einig« vmi Ihrer gesch „Wochmschriftt^ - verbffmtlichtm Correspondmzm zu berichttg«. — An der «nktebsam« Trautenauer Affaire war es nicht der „Ort»« pfarrer" der da» Damenhilf»»Comitö gelegmheillich der "Sammlung für die Ueberschwemmt« so schnöd« abwie», well, „-lunriblls äictu" zwei jüdisch« Frau« im Comitö warm, fände« der Caplan P. Th. war es, der sich so-unsterblich blamirte. — während der humane Stadtpfarrer bereits vorher sein G<sftrflet» ohne jedwede Reflexion büget»g« hatte. ' Ae RachrHl, ffjjMftrwdnW zu Trauteuau «ich zu ihrem Loealrabbiner gewählt, ist Mindestens bedeutend — verfrüht; — «# Hab« bisher zwischm mir und dem Vorstand« der jung« erst im Werdm begriffmen strebsam« Gemeind« vorerst nur brieflich« Unter» Handlung« stattgrfunden, inwiefern eS möglich wäre von meinem Rabbinatsfitz« Horic au», die Oberaufsicht über die jüdisch« Religioasschule in Trautmau zu führ«, von Zeit zu Zeit eine Prüfung vorzunehmm, und bei dieser Gelegmhett eine Predigt dasdbst zu halt« — zu einer endglltigm dies« fällig« Abmachung ist es jedoch bi» heute nicht gekomm«. — Da ich nun einmal schon im Berichttg« bin» erlaub« ich mir auch dm verschied«« an mich gelangten Anfrag« gegenüber die Bemerkung, daß ich keineswegs jener Ehrentheil bin, von dem Ihre gesch. Wochenschrift jüngst sagte, daß er der eigmtlich« ReLirctmr der eingegangm« Zeitschrift ,cha» traditionelle Zudenthum" gewesm; — ich habe da» genannte Schomre-Dath-Organ nie gesehen, vielweuiger je eineZeile für daffelbegeschriebm—weiß auch durchaus nichts Näheres über jmm ehemalig« Redactmr, der zufällig mein« Ramm trägt. — Soviel zur Beruhigung für meine Freunde, die so schwach warm, auch nur ein« Augenblick lang zu furcht«, der harmlose Horicer Rabbiner sei unter die Schomre-Dath- Ritter gegangml *12' l6l nSr *b Rabb. Ehrentheil. Lißianö. '— Heber die Juden im nordwestlich« Rußland hat in einer der jüngsten Sitzung« der «ssischen geographisch« Gesellschaft Herr Nttbolsfin «in« ausführlich« Bortrag gehaltm. Er cheilt die Hebräer jener Region in zwei Grupp«. Di« eine derselbm glaubt an d« Talmud; viele glaub« Alle» «örtlich, wa» in demsrlbm enthalten ist, etwa so wie recht orthodoxe Christ« Alle», wa» im alt« und nmen Testamente steht, wörtlich nehmm und glauben. Ime der zweit« Grupp«, die Karaim (Korallen), verwerfm dm Talmud und üb« auch in Bezug auf dm Anhalt der Bibel Kritik. Ähre besonder« Ueberlieserungm find in einem Buche zusammmgefiellt, welche« sie dieselbe Autorttit zuschreibm, wie die Leut« der erste« Grupp« dem Talmud. Sie sprkchm zumeist tatarisch; die Talmudistm zumeist «in verderbte» Deutsch. Dies« letzter« zerfall« in di« Missnagdim oder eigentlich« TalmudisteN, und die Ehassidim. Diese letzte« sind zahlreich in Bessarabi«, Wolhynien, Podolim, Ltthaum and Pol«; sie werdm von dm Ruff« bezeichnet als Hüpfer" oder ,-Springer", Skakunlschtkt. Nrbolsstn sagt, diese Seete Hab« sich geg« Ende de» achtzehntm Jahrhundert» gebildet, weil ihr da» vorzugsweise auf da» »mßere gerichtete Formelwesm der ander« Audm und der viele Eeremonialkram mißfiel. Stt wollt« mehr vermittelst viel« inner« Beim» ausrichtm, doch mißlang da» ihn«; sie sei« jetzt in der Lnhänglichkett an Formelwesm fast noch pedanttscher als die eigmtlich« Talmudjud«; bei ihr« Andacht« mach« sie lebhaft« Körperbewegung«, al» ob sie in frommer Extase sei«; sie spring« und hüpf« auch, daher der Spottname. Zn Bezug auf die gesellschaftliche Stellung nimmt Rebolssin vier Claff« an: 1) die „weltlich«" Audm; sie beobachten äußerlich alle Vorschrift« nnd Gebräuche, geh« oft in die Synagoge, mache« sich aber sonst nicht viel au» der Religion. 2) Die „stommm" Juden. Sie sei« zum Theil Scheinheilig«, verbring« sehr viel t« Tempel und treib« dt« Selbstkasteiung bi» zur Lsceft. 3) Di« sogmannt« „deutsch«", welche sich al» Jünger Nosvl Mendelssohn» betracht«, modern« Kleidung trag« und du »chrMer somifl» rrttMd Denlsch reden. 4) Di« „Epikorßllu"

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