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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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248 EötvkS bis auf den heutige Lag, ein verfehlter und beklagmSwertheS. Der Verlauf der Geschichte ist hinlänglich bekannt, und i'ie traurigen Folgen, Zerklüfttmg im ungarischen Israel, zeugen beredter, als Worte es verwichten, von den Mißgriffen, die durch ein Einmengen in daS innere Wesen einer allerdings ziemlich ungeordneten Gemeindeverfassung erklärlich werden. tSiellttcht würde es bester werden, wenn die Presston von Oben aufhirte und die Unterschiede in den religiisen Anschauungen nicht mehr als Maßstab für die politische Gesinnung der Israeliten gelten, wenn die Israeliten selbst ihre Sympathien wenig nr bei den Deputirten ihrer Farbe verschwenden, sondern einseh-m, daß aus ihrer eigenen Mitte die Heilung hervorgrhen müsse. Nicht auf dem Wahlplatze, noch auf dem politischen Boden hat das ungarische Israel hüben und drüben seine Zukunft zu erwarten, sondern in der Schule, der Pflanzstätte für d<is geistige Leben für die künftigen Männer der Glaubenstreue und de» freien aufrichtigen Wollens. Lumänieu. zserkatz, 16. Juli. (Or. Corr.) & T. AuS einem im Moniteur publicirten Comuniquö entnehme ich, baß der von den Schutzmächteu rücksichtlich der Judenverfolgungen in Rumänien gefaßte Entschluß, eine Eonferenz zu Stande zu bringen nicht ausgeführt werden wird; und dieses hat Costa-Foru durch seine Reise nach Constantinopel erwirkt, derselbe hat die Delibritionen der Garantte-Mächte zu Seifenblasen, die beim Haucht eines Weibes zerplatzen, gemacht. Tie Mächte haben sich von den dm Rumänen eigenthümlichm Sophismen lenken lasten, sie haben die Losung unserer Frage ü la volonte der ftaimniT oder Costa-Foru's gelassen, sie lasten ein Lamm an einm Wolf überliefern. Ach! wir unglücklichen Iudm Rumänien-, wir glaubtm, daß dir Verbesserung unserer bedauernswerthen und schrecklichen Situation — die unser Land bis an seine Fundamente erschüttert, und die ganze civilisirte Welt in Bewegung gesetzt hat — schon nahe sei, aber wie groß war unsere Täuschung; unsere einzige Hoffnung, unser einziger Trost durch eine Confermz seitens der Protictorm Rumäniens aus dem Joche, unter welchem wir in unserem Vaterland« schwach tm, befreit zu werden ist gescheitert. In Tecucin — einem unserer Stadt naheliegmdm Städtchim, in welchem die dorttgm Juden im Jahre 1870 aus ihren Häusern verjagt und ihrer Habe beraubt wordm — sind drei Mörder, die einm Iudm getödtet haben, von d«r rumänischen Jury freigcsprochen wordm, und nur de-chalb, weil «S ein Jude — Iidan — war, den sie getödtet haben und Iudmblut darf nicht gerächt werden. Wie beklagenSwerth bist du Rumänien, verschwunden ist die Billigkeit und die Justiz, die ehemals bei dir wohnten, ach du bist zu einem Mördernest geworden; deine Führer sind eS, die dich irre führm, sie stehlen deinen Augen den Fußsteig dm du gehen mußt. — Bukarest. Ein Pamphlet, das kürzlich in Konstantinopel erschienen ist und sich „La question Israelite“ betitelt, ist vom Minister Castaforu seinem ihn begleitenden Secretir in die Feder dictirt worden. Ich habe diese Nachricht von einem verläßlichen Gewährsmann«. Das Pamphlet ist eine unverschämte Entstellung der Wahrheit; es versucht, alle gegen die Juden begangenen Hetzen in Abrede zu stellen, und erscheint als eine zweite verbefferte Auflage der berüchtigten Cirmlai note desselben Verfassers. I Vermischte und neueste Nachrichten. i - Mu-tzesurg. Das „Centralblatt für die gesammt« Untrrrichtsverwaltung in Prmßm" meldet im Junihest: „Der Kaufmann Lach mann (Jsraeltt) zu Graudenz hat der dorttgm Stadtgemeinde ttn Capital von 2b,000 Thlm. zum Bau ttneS GymnastalgebäudeS zugefichert." Femer: „Die Wittwe Salom. Zuttkann grd. Wolf in Bonn hat dem jüd. Waismhaufe für Westphalm und Rhttnland in Paderborn ein Capital von 1b,000 Thlm. vermacht." Ueber die rbmfalls daselbst aufgeführte „Direktor Or. Zacharias Frankelssche Sttstung" ist in dies. Bl. bertttS Ausführlicheregebracht worden. AerN». Nach dem ebm ausgegebmm ersim und zwetten Bericht über die Sammlungm für die rumänifchm Juden beträgt die Summe der bisher eingegangenen Bttträge 1212» Thlr. I1/* Sgr. — Alle Einzelbeiträge und Collectm sind an die Adresse „Liebermann & Co. für das rumänische Comitä" zu smdm. Lieguitz. Im Aufträge des Cmtral-Comitö der Alliance ISr. Univ. versendet daS hiesige Local-Comitä die Uebersetzung ttnes Auftufs, der mit kurzer Uebersicht über das Thätigkeitsfeld des Berttns zur wettesten Betheiligung an demselben auffordert, da die bisherigen Mittel bei weitem nicht ausreichen, um die erstrebtm Ziele zu erreichen. Aache», 30. Juni. Hier macht ttn bedauerliches, aber sehr bezeichnendes Vorkommen sttt ttnigen Wochen schon viel von sich reden.! Dem hiesigen Gerichte lag eine Procedur gegen einen Iudm vor, in der Iudm auch zu Zeugen geladm waren. Btt Eröffnung der Sitzung sagte der Prästdmt: „Aha, heut kommt die Zudengeschichte vor, dann wollen wir die zuerst vomehmen." — Nachdem die Zeugen vernommen, und diese zu Gunsten drö Beklagten gesprochen, so daß dieser frttgesprochen werden mußte, sagte dieser Prästdmt eines hohen Gerichtshofes in der Stadt Aachen wörtlich: „Ihr Iudm lügt Alle nach rechts und links, wmn chr nur ttn Profitchen machen könnt. ES kömmt Euch gar nicht darauf an dem Teufel, die Beine abzulügen, und der Wahrhttt in's Angesicht zu schlagm, wenn Ihr nur Groschens dabei verdimm könnt. — So und nicht anders wird «S auch hier der Fall gewesen sttn." Wir habm dicsm „eclatantm" Ausdrücken um so weniger Etwas bttzufügm, alS, — besonders auf Andrängen des hiersttt einiger Zeit bestehenden „Antirischußvereins" der Vorstand der Gemeinde bereits ttne Beschwerde beim Justizministerium ttngereicht hat. (Gyn. Bl.) Keese«. Zur Ftter deS 20jährigen BestehmS der Zacobson'schm Waismanstalt ist vom Inspektor derselbm Herrn I. Stern ein interessanter Bericht, auS dem wir in nächster Nr. Mehreremitthttlm werden, erschimen. Kamöurg, im Juli. Hier fand die Einwtthung de» vom Vorstande deS PaulinenstifteS errichttten nmm Schulgebäudes statt. Die Ftter war ttne erhebmde. Im alten Schulgebäude sprach der Präses de- Schulvorstandes, H. Ad. Hinrichsen, im neum der Prisede- PaulinmsttfteS, H. vr. John Israel, die Oberlehrerin Frl. Magnus, und vom Gemttndevorstand H. W. Wolff. Juli. Die Neuwahl ttne- Oberrabbiners ist ttngelttttt. ES ist dazu zunächst eine Präsentattons-Commisston auS 7 Mitgliedern, welche drtt Candidatm vorzuschlagm hat, am 24. ernannt wordm.

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