Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Colmar 1× ep/1047872
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249 Lok«er. Am 6. Juli hat der Grand - Rabbin Levy seine Abschiedsprrdigt gehalten, er geht in gleicher Eigenschaft nach Besoul, wo bekanntlich ein neuer Conststvttalbezirk eingerichtet ist. Bei der Neuwahl der Mitglieder für da» Consistorium in Colmar ist e» zu einem Wahlkampf gekommm, die Liste der kioutistos ist unterlegen. (Arch. Isr.) Ka«g. Am 30. v. M. hat hier eine große Versammlung israelitischer Notabeln von hier, Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Zwolle u. s. w. staltgefunden, welche die rumänischen Judenverfolgungen, zum Anlaß und Maaßregeln gegen dieselben zum Gegenstände hatte. Ob.-Rabb. Berenstein, der die Versammlung berufen hatte, sühne den Vorsitz. Auch mehrere Christen, unter anderen zwei Geistliche, nahmen Thttl. (Arch. Isr.) $fari». Aus dem uns zugegangenen Jahresberichte der All. Isr. Un. theilen wir folgende statistische Uebersicht mit: „Wir zählten am 30. September 1869: 11,364 Mitglieder und 79,047 FrcS. Beiträge. Am 30. Septbr. 1871 zählten wir 13,370 Mitglieder mit ungefähr 93,300 Frcs. jährlichem Beitrag, was ein. Mehr von 2,006 Mitgliedern und 14,553 Frcs. ergiebt. Dieselben vertheilen sich folgender Maßen auf nachstehende Länder: Paris 1,719, Frankreich und Algier 1,188, Deutschland 3,863, (incl. Elsaß-Lochringen 882), England und Colonien 3 82, Oesterreich mit Ungarn 1,248, Skandinavien 219, Spanien 2, Griechenland 30, Italien 695, Holland, Belgien, Luxemburg 340, Portugal 15, Rumänien 975, Rußland 268, Serbien 39, Schweiz 171, Europäische Türkei 617, Asiatische Türkei 294, Persim 10» Afrika 565, Nord-Amerika 466, Süd-Amerika 185, Aittillen99. Summa 13,370, mit einem Beitrage von ungefähr 93,500 Frcs. Marseille. Der Tod Abrah. Crömieux', Vaters des erschosienen Gaston, hat zu einer großen Demonstration Veranlassung gegeben, und die republikanischen Journale in Marseille und Montpellier widmeten dem Vater ^nd dem Sohne Nachrufe. Die Egakitt, welche gesagt hatte, daß Gaston Crämieux ermordet (tuä) sei, wurde deshalb in Strafe genommen. Wir erfahre» bei der Gelegenheit, daß der Stadtrath zu Marseille beschlossen hatte, den ältesten Sohn des Hingerichteten auf öffentlich« Kosten erziehen zu lassen, daß aber der Präfect den Beschluß cassirt hat. (In Deutschland kann die Regierung das nicht, falls sie nicht ihre Befugnisse überschreiten will.) Feuilleton. Li« jüdischer General. Im „Frankfutter Journal" vom 18. d. M. giebt Otto v. Breitschwert di« nachfolgende Skizze über die Carttör« des gegenwärtigrn jüdischen Generalmajor» Salomon in Amerika: «Ihre Zeitung hat vor einigen Tagm dm Befürchtungm der elsässtsch-lothttngischen Israelitm Worte verliehen, welche ntcht ohne Grund besorgen, daß thrm kriegerisch gesinntm Söhnen die militättsche Laufbahn im deutsch-preußischen Heere nicht so leicht als dm Angehörigen anderer Glaubensbekenntnisse gemacht werden dürfte, währmd in Frankteich die Offizierscarttöre dieselbe Chancm für die Zsraaliten wie für dm Christen bietet. Ich möchte mir nun erlauim, darauf hinzuweism, daß währmd de» amettkanischm Kriege« sich der Anspruch der Israelitm auf gleich« Berücksichtigung ihrer mllitättsche» Eigenschaften ebmso wie in Frankreich auf da» Glänzmdste bewährt hat. Ei» hervorragend«« Beispiel bietet die Laufbahn des Generalmajors und Gouvemmrs Hrn. Salomo». Derselbe ist au« Schleswig-Holstein gebüttig und kam in seinem achtzehnten Lrbmsjahre nach Rordamettka. Alt Commis in eine« Waarmhaus« in Chicago begann er dt« transatlanttsch« Carttöre, verlegte sich dabei auf das Studium des amettkanischm Recht- und trat aus der Ladmstube in die Schreibstube über: er wurde Advokat. Mit dem beginnenden Kttege aber wechselte der thatkräfttge junge Mann abermals sttne Stellung; er trat als Frttwilliger in das Regimmt Fttedttch Heckers, wurde Limtenant und erwarb sich durch Kühnheit und Umsicht in einer Reihe von Gefechten du Anerkennung seiner Vorgesetzten und Mittstrttter in dem Grade, daß er fast nach jeder größeren Schlacht um eine militättsche Rangstufe vorrückte. (General Grant hatte besonders seine Freude an dem tapfer» und brauchbaren deutschen Israeliten. Ehe der Ktteg zu End« war, hatte er den damals noch nicht dreißigjihrigm Salomon zum Bttgadecommandanteur befördett und ihn zum Rang eines Gmeralmajors empfohlen. Nach dem Kriege war Solomon in Chicago, wo er zum Stadt-Sekretär (torrn-olerd) erwählt worden, als .Hauptagitator der repualikansschm Parttt thättg, und als Grant die Präsidentschaft übemahm, bot er dem jungen, gebildeten, sich auch äußerlich auf daS Vorthttlhaftefte präsenttrendrn General Idm Gesandtschaftsposten in Portugal an. Salomon lehnte die diplomattsche Würde ab, nahm jedoch dm Posten eines GouvemmrS in dem zukunftrttchm Tertt tottum Washington an, wo er sich allgemttne Beliebthttt zu erwerben verstand. Benachbatt ist dieses Tertttottum bekanntlich dem Staate Oregon, zu welchem es früher gehötte, und in dessen eommecieller Metropole Pottland nach einander zwei deutsche Israelitm zu Bürgermeistem erwählt wurdm. Sie sehm also, daß Elsaß-Lothttngen in Bezug auf vollkommene Gleichstellung der Israelitm mit Andersgläubigm nicht blo-Frankrttch, sondern auch die transatlandischen Ländern alS nachahmenstvetthes Borbild anrufen darf. Was dm obigen kurzm LebmSabriß des Gouverneur« Salomon betrifft, so ist sttne Mitthttlung in einem verbrtttetm deutschen Blatt schon deshalb ttn Akt drr Billigkeit Stttms der Presse, da ttn andere» dmtsches Blatt „Der Welthandel" ttnst in der besten Ansicht, die Biographie de» Generals zu bringm, die Lebensbeschrttbung eines anderm, in Rewyork verstorbenen englisch-amerikanischen General- Salomon veröffentlicht hat". Jjvch ei« Elaubensdekevnlniß. Herr L., in Börsmkrttsen wohl bekannt, man könnte vielleicht auch sagm als „fauler Baissier" berüchtigt, kam auf die Idee sttnen Glauben zu ivechsttn. L. war nämlich mosaisch: Ob diesw Religionswechsel mit seinm Spekulattonen i la baisse zusammenhing, ist nicht ganz aufgeklärt. Der feierliche Tag nahte heran, es wurde ttn« Predigt und ttn« Ansprache gehalten, der der Neophyte mit ttefer Andacht, ganz in sich versunkm, zuzuhirm schien. Endlich erging an ihn die Aufforderung, sttn Glaukmsbekenntniß abzulegm. Keine Antwon. Da fiel dem Gttstlichm btt, daß L. harthöttg stt, (obglttch böse Zungen behauptetm, daß er, wo es etwa» zu verdienen gebe, ganz gut hörm könne und sich namentlich nie zu sttnem Schoden verhöre), er wiederholt« daher mit etwa» lauterer Stimme: Legm sie Ihr Glaubmsbekmntniß ab. Wieder allestill und stumm. De« erbarmte sich der dimstthumde Küster und er schtte unser« L. in'» Ohr; „Sie sollen sagen wa» sie glaubm;" — ,Lch glaub« et wird noch etwas niedriger gehm", lautete die hastig hervorgestoßme Antwort. Selbiger Zttt wurde beanttagt. dem L. so bald er in dem Herm mtschlafm sollte, auf dm Lttchmstttn die Wctte zu setz«: „Schluß flau."