Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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246 illustrneu versucht, glaubt er gmugsam vorgearbeitet zu habe«, um die Wirksamkeit de« 0r. H. al« im Widerspruche stehend mit der von der Regierung betrefft de« Schulwesen« gehegten Intentionen zu bezeicknen und ihn schließlich mit einem gewissen Eelat in die Kategorie derjenigen ünzureihen, „die sich so gern zum Herrn und Richter über den Lehrer aufwerfen". Zpr Steuer der Wahrheit ebenso sehr wie im Interesse einer richtigen Würdigu.rg der Bestrebungen de« Dr. H. hielten wir e« damal« geboten, die Leser der Köln. Ztg. mit den Erefelder Rabbinatsverhältnissm bekannt zu machen, nach deren sachgemäßer Darlegung Jedermann überzeugt sein mußte, daß «» sich für die Mehrheit W Konferenz und ihrer Referenten um nicht« Anderes gehandelt, als uvi die bestmöglichste Verunglimpfung de« vr. H. und de« von ihm in'« Leben gerufenen segenverheißenden Verein«. Wir waren daher nicht wnng erstaunt, als wir in Rr. 23 der Ztg. deS Iudenthums einem Referat« begegneten, da« offenbar von gleicher Herkunjt wie das oben erwähnte, mit diesem die eben bezeichnet« Tendenz gemein hat, dabei aber in einem noch höher» Grade tie Verdunkelung der wahren Sachlage anstrebt. Da bei der Anfertigung diese« Elaborat« ohne Zweifel die Absicht obgewaltet, die Täuschung in weitere jüdisch« Kreise zu tragen, so sei e-i uns in diesem geschätzten Blatte gestattet, zunächst auf unsere in der Köln. Ztg. gegebene Auseinandersetzung zurückzu greifen und zur Aufklärung der Sachlage das Wesentlichste derselben hervorzuheben. Als vor einigen Jahren die Crefelder Gemeinde den vr. Horowitz zu ihrem Rabbiner erwählte, geschah dieses in Uebereili ftimmung und unter Beitritt fast aller Gemeinden ..Letzter^ hatten^ dadurch in Aussicht gestellte Förderung und Beaufsichtigung ihres Schulvcsens im Auge, und demgemäß wurde es dem H. am «ntractlich zur Pflicht gemacht, die Schulen deS neugebil^en Sprengels z» überwachen und von Zeit zu Zeit »U inlciren. In Ausübung dieser (ihm von den Gemeinde auferlegten) Pflicht mußte er indeß bald die Urberzjung gewinnen, daß bei der Ausdehnung seines Bezirkes allein nicht im Stande sei, dieselbe in ihrem ganzen 1°"S« und in ersprießlicher Weise zu erfüllen. Zur Hebung^ und anderer dem Schulwesen unseres Sprengels anhoftk Mängel hat vr. H. nnn die zum Rabbinate gehörüzer"""^ ä" einem Vereine verbunden, der sich die Ausgt^^Efür die Sache unserer Schulen im weitesten Sn.l^ernd und hebend zu wirken, und — was bei dem ^ri,,^arakter fast aller Schulen unseres Sprengels nicht jU schätzen ist — auch die materielle Verbefferung zu- „4 - schlechter dottrten Lehrerstellen in den Bereich seiner A'ett zu ziehen. Indem wir die sich für die Sache chtnbtn für ein Weiteres auf das re. Eircular ver- . remrrken wir hinsichtlich der Inspicirung, daß der dieselbe zum großen Theile auch urtheils-ähigen Laien .-aum will, während selbstverständlich dem vr. H. die : Leitung verbleiben wird. Lediglich in diesem Sinne es in dem erwähnten Rundschreiben: „was nun di« ibe *r Ueberwachung anbelangt, so wird sie wohl naturß mihr dem Unterzeichneten anheimfallen" — ein« Beung mit der vr. H. nichts Andere« sagen konnte und te, als, daß er mit den vorgeschlagenen Maßnahmen den Betreff der Schulüberwachung eingegangenen Verbindlichen in keiner Weise zu nahe treten werde. Der Referent J hingegen hält es im Sinne der Majorität der Konferenz für feine Aufgabe, diesen Satz auf eine seinem Zwecke entsprechende Weise zuzustützen,' um ihn dann, seinen Beziehungen zum Ganzen entkleidet, dem Leser al« ein grausenerregende« Schreckbtld geistlicher Herrschsucht hinzustellen. Wir müssen e« uns versagen hier näher auf die Einzelheiten de« Eircular« und di« nunmehr veröffentlichen Statuten*) de« Verein« näher einzugrheu; aber au« dem bereit« Gesagten ivtrd Jedem ersichtlich sein, daß die Behauptting, Vr. H. „gerire" sich als Inspektor rc. und maße sich in seiner Eigenschaft als Theologe ohne alle Berechtigung die Ueberwachung unserer Schulen an, nicht allein völlig unwahr ist, sondern den wirklichen Sachverhalt gradezu auf den Kops stell». Aehnlich aber wie mit dieser Behaupt ing de« Referenten verhält eS sich auch mit der im weiteren 'Verlaufe seine« Referat« geäußerten Ansicht, durch welche cr überhaupt den „Theologen" die Kcnntniß des Schulwesens und die Befähigung zur Leitung derselben abspricht. Wir stellen keineswegs in Abrede, daß da» bisher gehandhabte Princip, welches die Ueberwachung der Schule ausschließlich dem Theologen als solchem anheimgegeben wiffen will, ein durchaus verkehrtes ist, das in vielen Fällen einen nachtheiligen Einfluß auf die Schule geübt; aber es ist geiviß nicht uiinder verkehrt, ja gradezu lächerlich, wenn man sich hiernach brjngt hält, jedem Theologen ohne Weiteres die gedachte Befähigung streitig zu machen. Wir sehen nicht ein, warum ein wissenschaftlich gebildeter Mann, wenn er sonst Hei z und Sinn für die heilige Sache der Jugenderziehung und des Iugendunterrichto hat, nicht im Stande sein sollte, das Streben und Wirken des Lehrers richttg zu beurcheilen, auch wenn er selbst nicht das «rhrrrumr zu »einem «eruse erwaytl. rou, sperren oen 1-r- H. betrifft, so ist es unsere Lache nicht, ihn nach dieser Seite hin durch Gegenleweise gegen die Angriffe des Referenten zu vertheidigen; wir begnügen uns dainit, zu canstatiren, daß die Lehrer unseres Sprengels aus praktischer Erfahrung und durch persönlichen Verkehr mü ihm eine ganz andere Meinung von seiner pädagogischen Einsicht und Urtheilssähigkeit haben, und auch die Stadt Crefeld scheint die Ansicht der Conferenz nicht getheilt zu haben, als sie den Oberrabbiner vr. Horowitz zum Mitglied der städtischen Schulcommission gewählt. Aber jene „wackern" Kämpfer der „Neußer" Lehrerocrsanimlung, die. im Vollgefühl ihrer pädagogischen Unfehlbarkeit so selbstgefällig und leichten Herzens ihrm Windcmühlenkampf eröffnet gegen fakttsch nicht bestehende „geistliche Gelüste", wir möchten sie doch fragen, ob wohl Einer von ihnen den Muth habe, den ihre Schule inspicirenden christlichen Geistlichen mit deu Worte» entgegenzutteten: „Entfernen Sie sich, Sie sind Theologe und verstehen Nichts von Schulangelegenheiten!" Und dennoch werden auch sie zugeben müffen, daß es oem jüdischen Lehrer aus mehr als einem Grunde wünschenswerther erscheinen muß, seine Wirksamkeit der Inspectton eines Rabbiners, als der eines christlichen Geistlichen unterstellt zu sehen. Rach all diesem haltm wir uns schließlich zur Ehre der Eonferrnz noch zu der Versicherung verpflichtet, daß un« nicht« so fern liegt als der Gedanke, das von der Mehrheit der Lehrerversammlung gegen den vr. H. beobachtete Verfahren sei hier Selbstzweck gewesen. Unseres Erachten« sollte daffelbe lediglich als Mittel dienm, um der Welt zu zeigen, daß auch die jüd. Lehrer-Conserenz zu Neuß sich mtt deu großen Fragen ft. ') Aus dies« kommen mir in nächster Nummer zurück.